Schwimmen statt Schlummern

ST.GALLEN. Um der Nachfrage nach Schwimmbahnen für Wassersportclubs nachzukommen, hat das Blumenwies bereits geöffnet, wenn andere noch tief schlafen. Ein fast nächtlicher Besuch im Hallenbad.

Dominik Bärlocher
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Ruhe vor dem Ansturm: Max Mazenauer schwimmt kurz nach 7 Uhr im 25-Meter-Becken des Blumenwies. Eine halbe Stunde später kommen sich Schwimmer bereits in die Quere. (Bild: Reto Martin)

Ruhe vor dem Ansturm: Max Mazenauer schwimmt kurz nach 7 Uhr im 25-Meter-Becken des Blumenwies. Eine halbe Stunde später kommen sich Schwimmer bereits in die Quere. (Bild: Reto Martin)

Draussen herrscht finstere Nacht, die Luft ist winterlich kühl. Das Neudorf steckt morgens um 6.30 Uhr noch mitten im Nachtprogramm. Die Strassen sind leergefegt, doch im Hallenbad Blumenwies brennt Licht. Neun Schwimmer ziehen ihre Bahnen. Dienstags und Donnerstags ist das Blumenwies bereits ab 6 Uhr für Vereinsmitglieder geöffnet. Doch auch dies scheint einigen Frühaufstehern nicht früh genug zu sein: «Die ersten standen bereits um 5.50 Uhr vor der Tür», sagt Bademeister Ernest Ambiehl.

Doch das 25-Meter-Becken ist erst ab 6 Uhr bereit für die Schwimmer, da die Reinigungsmaschine auf dem Beckengrund erst dann ihren Dienst getan hat. Doch ab dann herrscht im Blumenwies ein reges Kommen und Gehen. Ab 7 Uhr, wenn das Bad auch für Privatpersonen geöffnet wird, bildet sich laut Nikolai Narishkin, Leiter des Bades, an der Kasse bereits eine Schlange.

Triathlon-Training um 6 Uhr

Unter den ersten neun Morgenschwimmern ist eine Gruppe des Wassersportvereins St. Gallen (WSV). Die Männer in den dunklen, enganliegenden Shorts und den Schwimmbrillen trainieren für die Teilnahme an einem Triathlon. Obwohl sie nicht viel miteinander reden – unter Wasser redet es sich schlecht – sind die Männer eine Gemeinschaft geworden.

Auf die Frage, wer so früh schon schwimmen geht, antwortet der gerade dem Becken entstiegene Claude Allenspach lachend: «Nur Supertypen.» Das Trainingsprogramm der Triathleten: morgens Schwimmen, abends entweder Velofahren oder Laufen. «Die Trainingszeit am Morgen hat für uns eigentlich nur Vorteile», sagt er. Die Gruppe stimmt zu. Es sei die einzige Zeit am Tag, wo man das Bad nutzen könne, um effektiv zu trainieren. Man komme niemandem in die Quere und habe genug Platz.

Zudem sei das Training am Morgen ideal, um fit in den Tag zu starten, fügt ein Schwimmer hinzu. Nach dem Training beginnt auch für die fünfköpfige Gruppe, die ausschliesslich aus Stadtsanktgallern besteht, ein normaler Arbeitstag.

Gespräche erst nach 7 Uhr

Kurz nachdem die trainierenden Triathleten ihr Morgenprogramm beendet haben, sind die ersten Gäste um 7 Uhr im Becken.

Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Menschenmenge im 25-Meter-Becken verdoppelt, und sogar im Sprungbecken wird geschwommen. Die Bewegungen der Schwimmer sind zum Teil nicht mehr ganz so gekonnt wie die der Schwimmer der ersten Stunde.

Draussen beginnt die Morgendämmerung, die die Gesprächsbereitschaft der Anwesenden zu wecken scheint. Von einer Minute auf die andere sind mehrere Gespräche zu hören, die am Beckenrand geführt werden. Doch von einer Plauder- und Spassbadi wie man sie vom Nachmittag her kennt, kann nicht die Rede sein.

Die Hauptbeschäftigung der Badegäste ist nach wie vor das Schwimmen in den begehrten Bahnen des 25-Meter-Beckens.

Es sind nicht nur Personen im Rentenalter, die morgens früh im Blumenwies schwimmen gehen. «Für mich ist das Schwimmen ein Stop auf dem Weg zur Arbeit», sagt Carol Dietrich. Die Tübacherin arbeitet in der Gallusstadt und will sich den Sprung ins lauwarme Nass vor dem Arbeitstag nicht nehmen lassen.

Wasserknappheit um 7.30 Uhr

Ab 7.30 Uhr wird es im 25-Meter-Becken definitiv eng. Mittlerweile teilen sich 23 Personen die Bahnen und kommen einander bei ihren Wenden in die Quere. Damit dies in Zukunft nicht mehr vorkommt, ist ein 50-Meter-Becken im Blumenwies geplant (Tagblatt vom 2. November 2010). Doch bis dahin bleibt Bahnschwimmern nur die Zeit früh am Morgen oder spät am Abend fürs Training.

Die Verantwortlichen des Blumenwies stehen dabei hinter den Schwimmern: «Wenn sie trainieren wollen, sollen sie auch die Möglichkeit dazu erhalten», sagt Nikolai Narishkin. Daher dürfen um 6 Uhr nur Schwimmer ins Bad, die Mitglied in einem Wassersportverein sind. Ernest Ambiehl ist davon überzeugt, dass die frühen Morgen- und späten Abendstunden besser genutzt werden sollen: «Es würde vom Personal her einiges zu planen geben, aber ich bin sicher, dass es machbar ist.»