ST.GALLEN: Rassismus auf der Anklagebank

Ein fiktives Gericht tagt morgen in der Grabenhalle. Die Aktion thematisiert rassistische Polizeikontrollen. Im Zeugenstand ist auch der Stapo-Kommandant.

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Mohamed Wa Baile (Mitte) kämpft gegen «Racial Profiling». Morgen ist er in St. Gallen zu Gast. (Bild: Ennio Leanza/KEY (Zürich, 7. November 2016))

Mohamed Wa Baile (Mitte) kämpft gegen «Racial Profiling». Morgen ist er in St. Gallen zu Gast. (Bild: Ennio Leanza/KEY (Zürich, 7. November 2016))

Der Fall von Mohamed Wa Baile sorgte Anfang November für Aufsehen: Der ETH-Bibliothekar mit kenianischen Wurzeln wurde gebüsst, weil er sich am Hauptbahnhof Zürich einer Personenkontrolle widersetzte. Dagegen wehrte sich Wa Baile vor dem Zürcher Bezirksgericht. Dieses gab der Polizei recht – der 42-Jährige muss die verhängte Busse bezahlen. Morgen Abend ist Wa Baile nun in der Grabenhalle zu Gast.

Nicht Einzelfall, sondern Phänomen anklagen

Zusammen mit anderen Direktbetroffenen von Racial Profiling ist er Zeuge in einer fiktiven Gerichtsverhandlung. Eine Gruppe von Aktivisten um die Aktion Zunder und die Politgruppe Grabenhalle veranstalten ein sogenanntes Kanakentribunal. Auf der Anklagebank sitzt aber nicht eine Person, sondern Racial Profiling. Damit sind Polizeikontrollen gemeint, die unbegründet und rassistisch motiviert sind.

«Es soll aber keine Anklage eines konkreten Einzelfalls sein, sondern des generellen Problems an sich», sagt Mitorganisator Matthias Fässler. Er versteht das Tribunal als «Gericht von unten». Ein eigentliches Urteil wird nicht gefällt, das Format soll vielmehr der Diskussion und dem Austausch von Argumenten dienen. In den Zeugenstand einberufen wurde neben Wa Baile und dem ehemaligen Stadtparlamentarier Marcel Kolongo auch Ralph Hurni, Kommandant der Stadtpolizei. «Es freut uns, dass Hurni zugesagt hat und sich der Diskussion stellt», sagt Fässler, der an der Gerichtsverhandlung gleich auch die Verteidigungsschrift verliest.

Die Rolle des Anklägers übernimmt SP-Stadtparlamentarier und Slampoet Etrit Hasler. Auch die Zuschauerinnen und Zuschauer können sich im Tribunal einbringen – als Zeugen oder Richter. Im Anschluss an die Verhandlung lassen die Organisatoren den Abend in der Grabenhalle musikalisch ausklingen. Ab 22.30 Uhr spielt der Berner Liedermacher Migre Le Tigre. Danach legen die DJane Pa-Tee und der DJ Die Lücke auf. (ghi)

Kanakentribunal: Freitag, 20 Uhr, Grabenhalle