ST.GALLEN: Parteien für Marktplatz-Neustart

Gemeinsam mit der Bevölkerung will der Stadtrat die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt im dritten Anlauf schaffen. Sprecher der Fraktionen im Stadtparlament begrüssen dieses Vorgehen – melden aber ihre Bedenken an.

Daniel Wirth
Drucken
Teilen
Das Waaghaus (links) und die Calatrava-Wartehalle sind markante Bauteile auf Bohl und Marktplatz. (Bild: Urs Bucher)

Das Waaghaus (links) und die Calatrava-Wartehalle sind markante Bauteile auf Bohl und Marktplatz. (Bild: Urs Bucher)

ST.GALLEN. Im vierten Quartal dieses Jahres wird das 50 bis 70 Personen umfassende «Forum Marktplatz» zum ersten Mal zusammenkommen, und danach noch zwei weitere Male. Im Sommer 2017 will der Stadtrat aufgrund der Ergebnisse dieses partizipativen Verfahrens entscheiden, wie es mit der Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt weitergeht (Tagblatt vom 8. Juli): das Projekt «Josy und Orazio» mehrheitsfähig anpassen oder einen neuen Projektwettbewerb ausschreiben. Für dieses Vorgehen sprach der Stadtrat einen Kredit von 120 000 Franken, nachdem das Stimmvolk 2011 und 2015 eine Vorlage relativ deutlich bachab geschickt hatte.

SVP: «Das wollten wir immer»

Bei den Sprechern der Fraktionen im Stadtparlament kommt der Neustart mehrheitlich gut an. «Jetzt macht der Stadtrat genau das, was wir immer forderten», sagt Karin Winter-Dubs, Präsidentin der SVP-Fraktion. Sie findet es sinnvoll, dass mit Michael Emmenegger eine unvoreingenommene externe Fachperson engagiert wurde, um den Prozess zu moderieren und zu begleiten. Emmenegger hat sein Büro in Zürich und hat in anderen Städten schon ähnliche Prozesse begleitet, etwa in Winterthur oder in Bregenz. Winter legt Wert darauf, dass der Perimeter vom Waaghaus im Osten bis und mit Taubenloch im Westen festgelegt wird und die Planung bei null beginnt, wie sie sagt. Winter äussert Bedenken, ob ein Forum mit 70 Teilnehmern nicht etwas gar gross sei.

Alle an einen Tisch bringen

Auch Daniel Stauffacher, Präsident der CVP/EVP-Fraktion, begrüsst den Neustart. Jetzt müssten wirklich alle Interessengruppen an einen Tisch geholt werden; Partizipation habe zwar schon vor der zweiten Abstimmung stattgefunden, aber vielleicht zu wenig intensiv. Es gehe darum, wie beim Kochen mit den richtigen Zutaten ein Menu hinzukriegen, das am Schluss allen schmecke. Stauffacher, von Beruf Architekt und als solcher auch schon in Stadtentwicklungskonzepte involviert, hat Zweifel daran, ob dies bei der Ausschreibung eines neuen Projektwettbewerbs schliesslich gelänge. Roger Dornier, Präsident der FDP-Fraktion im Stadtparlament, begrüsst, dass «jetzt wieder etwas geht» bei der geplanten Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt.

FDP gegen ein Denkverbot

Wie Karin Winter-Dubs von der SVP wünscht sich auch der Freisinnige Dornier, dass der Perimeter für die Neugestaltung auf das Waaghaus ausgedehnt wird. Im partizipativen Verfahren dürfe es kein Denkverbot geben, sagt Roger Dornier. Es müsse auch darüber gesprochen werden dürfen, den öffentlichen Verkehr unter dem Marktplatz hindurch zu führen. Und es müsse erlaubt sein, unbequeme Fragen zu stellen, beispielsweise die nach dem aktuellen Bedürfnis eines ständigen Marktes und ob dieser allenfalls im Gewölbe des Waaghauses Platz finden könnte.

Pragmatische SP

Auch die SP begrüsst, dass der Stadtrat jetzt «nicht mehr im stillen Kämmerlein brütet», sondern die Bevölkerung in die Planung einbezieht, wie es Stadtparlamentarier und Stadtparteipräsident Peter Olibet formuliert. Im Gegensatz zu seinen bürgerlichen Gegenüber Winter und Dornier wünscht sich der Sozialdemokrat eine schnelle pragmatische Lösung. Vieles sei schon getan, wenn der Stadtrat die SP-Initiative für einen autofreien Marktplatz endlich umsetze. Die ewige Diskussion um Parkplätze sei müssig; das Public Viewing während der EM über dem Taubenloch und der Acrevis-Container auf dem Marktplatz hätten gezeigt, dass es auch mit weniger Parkplätzen geht.

Clemens Müller, Präsident der Fraktion von Grünen, Jungen Grünen und Grünliberalen, findet es gut, dass die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt «jetzt angepackt» wird. Das partizipative Verfahren sei richtig. Wichtig sei jetzt, sagt Müller, dass im Parlament alle auf ein neues Projekt eingeschworen würden. Der Grünen-Politiker fordert auch, dass die klaren Ergebnisse der Vox-Analyse nach der ersten Abstimmung ins Verfahren einfliessen.

Aktuelle Nachrichten