Kulturfreunde bei Reithalle uneins

ST.GALLEN. Braucht es die Reithalle als Kulturraum? Und welche Art von Kultur möchte man in der Stadt? Darüber ist am Dienstag im Palace diskutiert worden. In eineinhalb Wochen wird über die Initiative «Kultur für die Reithalle» abgestimmt.

Michel Burtscher
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Noch gehört die Reithalle den Reitern. Bald wird darüber abgestimmt, ob daraus Kulturraum werden soll. (Bild: Luca Linder)

Noch gehört die Reithalle den Reitern. Bald wird darüber abgestimmt, ob daraus Kulturraum werden soll. (Bild: Luca Linder)

«Die Reithalle ist uns versprochen und dann weggenommen worden», sagte Etrit Hasler, SP-Stadtparlamentarier und einer der «Köpfe» hinter der Initiative «Reithalle für die Kultur». Unter der Leitung von Journalist René Hornung diskutierte er am Dienstagabend im Palace im Rahmen der «Erfreulichen Universität» mit «Saiten»-Redaktorin Corinne Riedener und Dani Fels, Dozent an der Fachhochschule St. Gallen. Dabei kam es zu einer teilweise angeregten Diskussion darüber, welche Art von Kultur wo stattfinden soll. Grösstenteils ging es um die Reithalle. Was nicht erstaunlich ist, denn am 28. September wird über die Initiative abgestimmt.

Nachfrage besteht

Mit seiner anfangs erwähnten Aussage spielte Etrit Hasler auf ein Reglement an, dass die Doppelnutzung der Reithalle für den Reitsport und kulturelle Aktivität vorschreibt. Dieses gelte eigentlich immer noch, werde aber nicht mehr umgesetzt, sagte Hasler. Heute wird die Halle hauptsächlich von den Reitern genutzt. Mit Ausnahme einiger ehemaliger Stallungen, in denen heute Künstlerateliers untergebracht sind. Geht es nach den Initianten, soll die Halle umgebaut werden und darin zukünftig nur noch Kulturelles stattfinden. Nicht viel, das musste Hasler selber zugeben. «Mehr als zwei bis drei Konzerte im Monat wird es am Anfang nicht geben.» Dass in der Stadt St. Gallen eine Nachfrage nach einer so grossen Lokalität besteht, ist für ihn trotzdem klar. Als Beispiel nannte er die Lokremise. «Die ist immer vermietet.» Und er kenne viele Veranstalter, die Interesse an einem solchen Raum hätten.

Der Mut fehlt

Nicht alle waren damit einverstanden, dass es einen Kulturraum wie die Reithalle in der Stadt St. Gallen braucht. «Warum kann man für ein Konzert nicht auch einmal nach Rorschach oder Herisau gehen?», fragte Corinne Riedener. Sie sehe das Problem nicht und kritisierte, dass man sich auf einen Ort fixiert. «Die Kultur sollte von den Räumen befreit werden», sagte sie. Man müsse den «Mut zur Nichthalle» haben. Ähnlich argumentierte Dani Fels. Ihm fehle der «Mut zum Temporären». «Warum probiert man nicht einfach irgendwo etwas aus und hört wieder auf, wenn es nicht funktioniert?» Das ginge bei der Reithalle nicht, denn die Initianten hätten den Anspruch, sie müsse finanziell selbsttragend sein.

Die Diskussion drehte sich aber nicht nur um die Räume, sondern auch um die Kultur, die darin stattfinden soll. Wenn man einen Anlass mit 1000 Leuten plane, dann bringe man Kultur in die Stadt, die schon etabliert sei, sagte Corinne Riedener. «Kultur sollte aber nicht nur einen schönen Abend bieten, sondern auch unbequem sein.» Man solle nicht kleine Räume gegen grosse ausspielen, es brauche beides, sagte Hasler. Die Reithalle sei auch keine Konkurrenz zu bestehenden Kulturräumen in der Stadt, versicherte er. Ganz im Gegenteil: «Es wird mehr Publikum nach St. Gallen bringen.» Und davon würden auch andere Kulturveranstalter profitieren.

Diskussion kommt wieder

Offensichtlich sei man in St. Gallen aber zufrieden mit der kulturellen Situation, sagte Hasler. «Das nervt mich gewaltig.» Die Initiative werde an der Urne einen schweren Stand haben, sagte denn auch Hornung. Er sei trotzdem optimistisch, entgegnete Hasler und sagte voraus: «Wird die Initiative abgelehnt, werden wir in 20 Jahren nochmals über genau das Gleiche diskutieren müssen.» Es gebe nämlich immer weniger Reiter. Moderator René Hornung widersprach: Die Zahlen zeigten etwas anderes, sagte er.

Bild: MICHEL BURTSCHER

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