Geothermie-Projekt abgebrochen - Gasnutzung wird geprüft

ST.GALLEN. Das St.Galler Geothermie-Projekt wird gestoppt. Der zuständige Stadtrat Fredy Brunner gab den Entscheid "schweren Herzens" bekannt. Eine Machbarkeitsstudie soll nun zeigen, ob das Erdgas genutzt werden kann.

René Rödiger
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Blick auf den Geothermie-Platz im Sittertobel. (Bild: Urs Bucher/Archiv)

Blick auf den Geothermie-Platz im Sittertobel. (Bild: Urs Bucher/Archiv)

Dass für ein Geothermiekraftwerk in St.Gallen zu wenig heisses Wasser gefördert werden kann, war schon länger klar. Nach verschiedenen Produktionstests und Analysen hat sich der Stadtrat nun entschieden, das Projekt zu begraben und weiter zu schauen, ob das vorhandene Erdgas genutzt werden kann.

Bei dieser sogenannten Variante "Singlette" könnte das gefundene Erdgas in das städtische Netz eingespeist und könnten weitere Langzeittest durchgeführt werden. Laut Stadtrat Fredy Brunner sei dies aus technischer Sicht machbar, in Bezug auf das Erdbebenrisiko vertretbar und auch wirtschaftlich interessant.

Rechtliche und technische Fragen
In einem möglichen Langzeittest soll sich zeigen, ob die Gasmengen im Untergrund für eine Förderung ausreichen. Zum weiteren Vorgehen sagte Marco Huwiler, Leiter Geothermie, dass nun rechtliche und technische Fragen zur Gaseinspeisung ins städtische Netz geprüft werden sollen.

Januar 2010: Vibrationsfahrzeuge fahren durch St.Gallen und die nähere Umgebung. Die Messungen geben Aufschluss darüber, wo dereinst gebohrt werden soll. (Bild: Urs Jaudas)
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Mai 2012: Im Sittertobel wird der Bohrplatz vorbereitet. Optimistisch verkündet eine Tafel bereits den Bau eines Geothermie-Heizkraftwerks. (Bild: Urs Jaudas)
Februar 2013: Stück für Stück wird die Bohranlage ins Sittertobel transportiert. (Bild: Ralph Ribi)
Februar 2013: Der Bohrturm in der Au steht. (Bild: Benjamin Manser)
Februar 2013; Bischof Markus Büchel weiht den Bohrturm mit einer traditionellen Barbarafeier ein. (Bild: Luca Linder)
April 2013: In 4000 Metern Tiefe soll heisses Wasser in Massen gefunden werden - Meter für Meter dringt der Bohrer ins Erdinnere. (Bild: Urs Jaudas)
Mai 2013: Ein ausrangierter Meissel steht vor dem Bohrturm des Geothermie-Projekts. (Bild: Keystone)
Juli 2013: FDP-Stadtrat Fredy Brunner besucht den Bohrplatz. Das Geothermie-Projekt ist sein "Baby". (Bild: Jonny Schai)
Juli 2013: Blick auf das grosse Areal im Sittertobel, wo dereinst auch Grosses entstehen soll. (Bild: Ralph Ribi)
Juli 2013: Stadtpräsident Thomas Scheitlin betreibt Aufklärungsarbeit und Schadensbegrenzung nach dem Erdbeben, das durch die Bohrungen ausgelöst wurde. Viele kleine Nachbeben werden noch folgen. (Bild: Urs Jaudas)
Oktober 2013: Auf dem Bohrplatz wird kontrolliert Erdgas abgefackelt, das im Bohrloch entdeckt wurde. (Bild: Coralie Wenger)
November 2013: Der Bohrturm in der Au wird abgebaut, das Bohrloch verschlossen. Nun werden die Daten ausgewertet. (Bild: Urs Bucher)
April 2014: Vom Bohrplatz ist nur noch eine grosse geteerte Fläche übrig. Hier hätte einst das Kraftwerk gebaut werden sollen. (Bild: Urs Bucher)
Mai 2014: Das Geothermie-Projekt ist gescheitert, die Enttäuschung bei Stadtrat Fredy Brunner ist gross. (Bild: Hanspeter Schiess)

Januar 2010: Vibrationsfahrzeuge fahren durch St.Gallen und die nähere Umgebung. Die Messungen geben Aufschluss darüber, wo dereinst gebohrt werden soll. (Bild: Urs Jaudas)

Weitere Entscheide sollen bis im August getroffen werden. Dabei gibt es noch zwei Optionen: Der Langzeittest wird durchgeführt oder das Projekt abgebrochen.

Den Entscheid, das Erdwärme-Projekt abzubrechen, habe man "schweren Herzens" fällen müssen, sagte Stadtrat Fredy Brunner: "Wir wurden von der Bevölkerung immer wieder ermutigt, das Geothermie-Projekt weiter zu verfolgen. Trotz dieser Unterstützung mussten wir einen Schlussstrich ziehen und das ursprüngliche Projekt einer <Doubletten-Bohrung> abbrechen."

Investitionen von 55 Millionen Franken
Bis Mitte Jahr werden damit voraussichtlich 55 Millionen Franken ins Geothermie-Projekt gesteckt. 19 Millionen davon übernimmt das Bundesamt für Energie (BFE), das eine Risikogarantie zusicherte.

Unter dem Strich kostet das Projekt die Stadt damit 36 Millionen Franken. Eine Stillegung des Bohrlochs würde nochmals zwei Millionen kosten. Gemessen am Kredit, den die St. Galler Stimmberechtigten 2010 guthiessen, bleibt derzeit noch ein finanzieller Spielraum von rund sieben Milionen für weitere Schritte.


Die Tests vom vergangenen Oktober ergaben eine Fördermenge von etwa 6 Litern Heisswasser pro Sekunde im Malmkalk in gut 4000 Metern Tiefe. Für die Verantwortlichen des Projekts, die auf 50 Liter pro Sekunde gehofft hatten, war dies eine Enttäuschung.

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