Ein Alleswisser für St. Gallen

ST.GALLEN. Die Universität St. Gallen hat eine Plattform entwickelt, auf der Dienstleistungen aller Art online angeboten werden. Noch steckt sie in den Kinderschuhen, sie könnte sich aber zu einem digitalen Marktplatz für die Stadt entwickeln.

Elisabeth Reisp
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Die Plattform Amiona soll den Alltag erleichtern. Daher auch der Name, der aus «ami», für Freund, und «una», für ein, abgeleitet ist. (Bild: Peter Käser)

Die Plattform Amiona soll den Alltag erleichtern. Daher auch der Name, der aus «ami», für Freund, und «una», für ein, abgeleitet ist. (Bild: Peter Käser)

Das Smartphone organisiert mittlerweile fast alles: Es löst Bahntickets, zeigt die nächste Tankstelle oder den nächsten Bancomaten an und lotst Autofahrer bei Bedarf durch unbekannte Gegenden. Die Digitalisierung schreitet in grossen Schritten voran. Das jüngste Projekt soll die St.Galler Quartiere besser verknüpfen und Dienstleistungen aller Art anbieten. Noch steckt es in den Kinderschuhen. Gipfeli für den Sonntagsbrunch können aber bereits auf der Homepage www.amio na.ch bestellt werden.

Digitaler Marktplatz

Die Homepage soll St.Galler Anbieter und Sucher zusammenführen. Entwickelt wurde die Homepage vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St.Gallen. Die Idee des Projekts sei, die Möglichkeiten des weltweiten Internets auf die lokale Ebene runterzubrechen und den Zugang zu lokalen Anbietern zu erleichtern, sagt Philipp Osl vom Institut für Wirtschaftsinformatik und Verantwortlicher des Projekts. Oder einfacher: «Sie soll das Leben erleichtern.» Auf der Seite können Coiffeur, Gärtner, Blumensträusse, Umzüge, Fitnesstrainings und vieles mehr bestellt und gebucht werden.

Zuerst das Gewerbe

So lokal und persönlich, wie es sich die Betreiber vorstellen, ist die Seite allerdings noch nicht. Wer beispielsweise Nachhilfeunterricht sucht, findet keine Anbieter aus der Stadt St.Gallen. Es sind lediglich Angebote aus Altstätten, Gossau und Wil aufgeschaltet.

Vereinzelt gibt es sie aber, die persönlichen Inserate, wie sie am Anschlagbrett im Quartierladen hängen. So bietet eine Frau aus St.Gallen einen persönlichen Katzenservice an, für jene, die ferienhalber weg sind oder wegen eines Spitalaufenthaltes nicht für ihre Tiere sorgen können. Bis jetzt sind diese Inserate, die einen persönlichen Kontakt im Sinne der Nachbarschaftshilfe versprechen, auf der Plattform selten. Noch sind jene der professionellen Gewerbler in der Überzahl.

Dies sei durchaus so gewollt, sagt Philipp Osl. «Um die Seite online zu schalten, brauchten wir eine kritische Grösse an Anbietern.» Mit Gewerbetreibenden war das möglich. In einem nächsten Schritt sollen nun die Quartiervereine einbezogen werden.

Quartiervereine überzeugen

Peter Bischof ist Quartierbeauftragter der Stadt St.Gallen. Er weiss um die Anliegen und Befürchtungen der Quartiere, er weiss, wo sie der Schuh drückt. Ob die Homepage in den Quartieren ankommt, sei schwierig abzuschätzen. Das Projekt werde demnächst den Quartiervertretern vorgestellt. Die Homepage soll niederschwellige Kontaktmöglichkeiten offerieren. «Ob ihnen das gelingt, bleibt offen», sagt Bischof.

Keine Erotik auf Amiona

Nutzen können die Plattform alle. Entsprechend gehört die ganze Bevölkerung zur Zielgruppe. Allerdings werde nicht jedes Angebot freigeschaltet. Für Erotik hat es auf der Seite keinen Platz. «Wir prüfen jedes Angebot, bevor wir es freischalten. Wir haben den Anspruch, eine seriöse Plattform zu betreiben.»

Die Plattform ist Teil des universitären Projekts «Digitales Dorf» und wird von der Gebert-Rüf-Stiftung unterstützt. Die Basler Stiftung hat zum Zweck, die Schweiz als Wirtschafts- und Lebensraum zu stärken. Dazu unterstützt sie Projekte von Schweizer Hochschulen. Für Nutzer und Anbieter ist die Amiona-Plattform daher gratis. Nach Beendigung des Projekts wird die Plattform in eine bereits gegründete Aktiengesellschaft ausgegliedert werden. So ist ihr Weiterbestehen gesichert.

www.amiona.ch

Philipp Osl Institut für Wirtschaftsinformatik Universität St. Gallen (Bild: pd)

Philipp Osl Institut für Wirtschaftsinformatik Universität St. Gallen (Bild: pd)

Peter Bischof Quartierbeauftragter Stadt St. Gallen (Bild: Hanspeter Schiess)

Peter Bischof Quartierbeauftragter Stadt St. Gallen (Bild: Hanspeter Schiess)