Die CVP und der Cyber War

Das Internet ist für viele Lokalpolitiker ein eher ungewohntes Medium. Auf eine eigene Homepage verzichten kann aber niemand, der wirklich hoch hinauswill. Also etwa am 23. September neu in den St. Galler Stadtrat. Bei zwei vakanten Sitzen streben das bekanntlich sechs Personen an.

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Patrizia Adam in ihrem – noch? – ziemlich versteckten Internetauftritt. (Bild: Reto Voneschen)

Patrizia Adam in ihrem – noch? – ziemlich versteckten Internetauftritt. (Bild: Reto Voneschen)

Das Internet ist für viele Lokalpolitiker ein eher ungewohntes Medium. Auf eine eigene Homepage verzichten kann aber niemand, der wirklich hoch hinauswill. Also etwa am 23. September neu in den St. Galler Stadtrat. Bei zwei vakanten Sitzen streben das bekanntlich sechs Personen an.

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Einzelne Lokalpolitiker haben die Bedeutung des Internets für den Wahlerfolg durchaus erkannt. Einer von ihnen ist CVPler Michael Hugentobler. Er geriet zu Beginn des Sommerlochs in die Schlagzeilen, weil er die Domains, die Internetadressen quasi, des SP-Duos Ruedi Blumer und Sylvia Huber für sich selber reserviert hatte. Was sich als Schuss in den Ofen herausstellte: Die SP-Aspiranten für den Stadtrat sind internetmässig gemeinsam unterwegs. Mit einem Doppelnamen. Fast schon wie ein altes Ehepaar. Unter www.huberblumer.ch.

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Überraschend lange sucht man viereinhalb Wochen vor der Wahl im Internet nach der CVP-Kandidatin fürs hohe Stadtratsamt. Dies, weil's keine Treffer bei den logischen Adressen gibt: www.patrizia-adam.ch und www.patriziaadam.ch führen aufs städtische Internet-Personalblatt von Stadtparlamentarierin Patrizia Adam-Allenspach. Was nicht uninteressant ist, die Frau will aber doch in den Stadtrat. Oder?

Fündig wird man am Schluss nicht über die Internet-Suchmaschine. Dafür weiss ein Fachmann Rat: Wer die logischen Adressen um den Zusatz /wordpress ergänzt, findet plötzlich einen offiziell wirkenden Internetauftritt für jene Patrizia Adam, die in den Stadtrat will. Die Seite sieht – vor allem in der Bildergalerie – noch etwas nach Baustelle aus. Darauf stolpert man dann aber rasch über einen alten Bekannten: Michael Hugentobler. Er ist Inhaber und Gründer des Unternehmens, das diesen Internet-Nicht-Auftritt managt.

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Natürlich ist es schön, wenn der Parteikollege seiner Parteikollegin behilflich ist. Für einen Internetauftritt braucht es ja wirklich Spezialisten. Nur schon wegen der ganzen Technik. Und natürlich haben alle Verständnis dafür, dass so ein Internetauftritt langsam reifen muss, dass er Zeit braucht. Gerade auch, wenn man weiss, wie viel Arbeit der Parteikollege in den letzten Wochen geleistet hat.

Unter dem Namen Specht war Michael Hugentobler im Sommer nämlich Chef des Pfadi-Kantonallagers. Was vom Arbeitsaufwand her sicher kein Zuckerschlecken war. Und vor den Sommerferien (siehe weiter vorne) war er eben unabkömmlich in der CVP-Cyber-War-Kommandozentrale. Für den Internetkrieg gegen die Kandidatin und den Kandidaten der SP für die Stadtregierung. (vre)