Den ÖV-Korridor freihalten

Die Appenzeller Bahnen haben eine Einsprache gegen das geplante Parkhaus Schibenertor beziehungsweise den damit verbundenen Strassenplan eingereicht. Sie befürchten, dass der zusätzliche Verkehr den Zugbetrieb massiv einschränkt.

David Gadze
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Wegen des Parkhauses Schibenertor, geplant unter der Baumgruppe, befürchten die Appenzeller Bahnen Rückstaus über die Kreuzung hinaus. (Bild: Michel Canonica)

Wegen des Parkhauses Schibenertor, geplant unter der Baumgruppe, befürchten die Appenzeller Bahnen Rückstaus über die Kreuzung hinaus. (Bild: Michel Canonica)

Das Projekt für ein neues Parkhaus am Schibenertor steht derzeit im Gegenwind. Die Opposition gegen die Tiefgarage mit insgesamt 210 Parkplätzen, von denen rund 130 öffentlich bewirtschaftet werden sollen, kommt aber nicht nur von einer Anwältin aus der Nachbarschaft und von einigen Privatpersonen. Eine der sieben Einsprachen stammt von den Appenzeller Bahnen (AB). Das bestätigt Verwaltungsratspräsident Fredy Brunner auf Anfrage.

Einsprache gegen Strassenplan

Die Einsprache habe nicht der Verwaltungsrat, sondern die operative Leitung der Appenzeller Bahnen eingereicht, sagt Brunner. Sie richtet sich nicht gegen das Baugesuch für die Parkgarage, sondern gegen den damit verbundenen Strassenplan. Dieser sieht in südlicher Fahrtrichtung eine Reduktion von heute drei Fahrspuren (inklusive der Busspur) auf deren zwei vor. Dort wird auch die Ausfahrt der Tiefgarage in den Oberen Graben einmünden.

Fredy Brunner Verwaltungsratspräsident der Appenzeller Bahnen (Bild: Ralph Ribi)

Fredy Brunner Verwaltungsratspräsident der Appenzeller Bahnen (Bild: Ralph Ribi)

Rückstau zum Blumenbergplatz

Der Knoten Schibenertor sei ein «zentraler Nerv des öffentlichen Verkehrs» in der Stadt St.Gallen, sagt Brunner. Die AB hätten dort schon heute fast täglich mit betrieblichen Störungen zu kämpfen, welche durch den Verkehr verursacht werden. Und mit der Eröffnung des Parkhauses werde der Verkehr bestimmt nicht abnehmen. Aus diesem Grund befürchten die Appenzeller Bahnen, die Autos könnten sich in Spitzenzeiten vom Oberen Graben bis zum Blumenbergplatz stauen und so den ÖV-Korridor blockieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Züge der AB nach der Eröffnung der Durchmesserlinie zwischen Appenzell und Trogen zum einen länger (von heute 37 auf rund 50 Meter) und zum anderen im Viertelstundentakt verkehren werden. Vor diesem Hintergrund sei die zu erwartende Verkehrssituation am Schibenertor mit den Auflagen des Bundesamtes für Verkehr bezüglich Betrieb und Sicherheit nur schwer vereinbar.

Langfristige Ideen bewahren

Nebst einigen weiteren offenen Fragen, die geklärt werden müssten, spricht Fredy Brunner aber auch von der «langfristigen betrieblichen Ausgangslage» für den öV am Schibenertor, für die verschiedene Aspekte berücksichtigt werden müssten. So dürfe eine Eigentrassierung nicht durch den Bau des Parkhauses beziehungsweise dessen Auswirkungen auf den Verkehr verhindert werden – gerade auch im Hinblick auf eine mögliche Wiedereinführung des Trams in St.Gallen, das zwischen dem Hauptbahnhof und dem Brühltor wohl auf den Schienen der AB fahren würde. «Aber auch der unterirdische Korridor in jenem Bereich für eine allfällige Verlegung des öffentlichen Verkehrs in den Untergrund muss freigehalten werden», sagt Brunner. Er müsse durch Baulinien gesichert werden.