Altersheime unter Spardruck

ST.GALLEN. Sechs St.Galler Alters- und Pflegeheime planen derzeit Um- oder Ausbauten. Auch wegen der grossen Nachfrage aus den umliegenden Gemeinden. Der Stadtrat kürzt indes die Subventionen. Das wirkt sich wohl auf die Pensions-Taxen aus.

Sarah Schmalz
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Die Villa Jacob (im Hintergrund) soll verschoben werden. (Archivbild: Urs Jaudas)

Die Villa Jacob (im Hintergrund) soll verschoben werden. (Archivbild: Urs Jaudas)

Gut 100 Millionen Franken kosten die Umbau- und Erweiterungsprojekte der Stadtsanktgaller Alters- und Pflegeheime insgesamt. Alle sechs sollen bis im Jahr 2017 abgeschlossen sein. Die Wartelisten seien lang, heisst es bei den Heimen einhellig. Abgesehen von zwei Projekten soll denn auch überall mehr Platz geschaffen werden.

Auch die Stadt muss sparen

Neue Zimmer entstehen beispielsweise im Altersheim Rotmonten. Zahlreiche zusätzliche Wohnungen für Paare sind im Neubau des Seniorenwohnsitzes Singenberg geplant (siehe Kasten). Insgesamt sollen 75 zusätzliche Zimmer entstehen.

Nun hat der Stadtrat beschlossen, die Subventionsbeiträge für die Umbauprojekte massiv zu kürzen. Mit 40 Prozent unterstützte die Stadt solche bisher. Für die kommenden Um- und Ausbauten sind laut Cozzio etwa 10 bis 20 Prozent realistisch. «Dafür prüfen wir die Bereitstellung von zinsgünstigen Darlehen.» Der Stadtrat will die definitiven Kürzungen noch vor den Sommerferien festsetzen und dem Parlament vorlegen.

Man wolle die Projekte keinesfalls verhindern, betont Cozzio. «Wir sind den privaten Trägerschaften im Gegenteil sehr dankbar für ihren Einsatz.» Doch die Stadt steht unter einem grossen Spardruck: Rund 20 Millionen Mehrausgaben beschert ihr das Sparprogramm des Kantons. Mit dem Entlastungsprogramm Projekt Fit 13+ will sie nun ihrerseits den Gürtel enger schnallen. Da kommen die geballten Bauvorhaben der Heime ungelegen. «Die Kostenlawine ist vor diesem Hintergrund schlicht zu gross», sagt Cozzio.

«Auswärtige erzeugen Druck»

Laut Carolina Weber, Fachspezialistin Alter und Behinderung des städtischen Amtes für Gesellschaftsfragen, erfüllt St. Gallen die kantonalen Richtlinien bereits heute knapp: Die Gemeinden sind angehalten, für 30,2 Prozent der über 80jährigen Heimplätze zur Verfügung zu stellen. In St. Gallen sind es derzeit 30,5 Prozent oder 1328 Plätze. Hundert davon werden laut Weber von Senioren aus umliegenden Gemeinden belegt. Diese trügen denn auch massgeblich zu den langen Wartelisten der Stadtsanktgaller Heime bei. «Gemeinden wie Mörschwil oder Wittenbach erfüllen die kantonalen Richtlinien derzeit nicht. Das erzeugt einen grossen Druck auf die Stadt.» Der Kanton entscheide zwar über zusätzliche Plätze auf der Pflegeheimliste, «die Subventionen leisten aber wir».

Für Stadtrat Nino Cozzio ein «Problemkreis»: Da die St. Galler Altersheime privat geführt sind, liegt die Planung nicht in den Händen der Stadt. «Die Subventionen – auch für auswärtige Bewohner – werden dennoch mit städtischen Steuergeldern bezahlt.» Cozzio ist deshalb «bereit, mögliche Massnahmen zu diskutieren». Denkbar seien beispielsweise höhere Pensions-Taxen für Auswärtige. «So handhabt das auch der Kanton Appenzell Ausserrhoden.» Bei den ganzen Diskussionen will er aber eines nicht vergessen: «Die Stadt hat eine Zentrumsfunktion.» Nicht nur aus Platzgründen würden sich im Alter viele für St. Gallen entscheiden. «Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle.»

Höhere Pensions-Taxen

Das betont auch Matthias Mayrhofer, Leiter Abteilung Alter des kantonalen Amtes für Soziales. Er verweist ausserdem auf die demographische Entwicklung. Laut der kantonalen Bedarfsprognose müssen bis 2015 800 Plätze geschaffen werden. Gut 3000 gar bis im Jahr 2030. Mayrhofer sieht deshalb alle Gemeinden in der Pflicht. «Ein Überangebot wird es durch den Ausbau in St. Gallen nicht geben.»

Für die Trägerschaften der St. Galler Alters- und Pflegeheime heisst es derzeit warten, bis der Entscheid des Stadtrates steht. «Erst dann können wir weiter planen», sagt etwa Robert Etter, Präsident des Kompetenzzentrums Gesundheit und Alter Singenberg. Würden jegliche Subventionen wegfallen, rechnet das Altersheim Rotmonten mit einem Anstieg der Pensions-Taxen um 15 bis 20 Franken pro Tag. Ganz ohne Erhöhung werde es wohl nicht gehen, sind sich auch die anderen Heime bewusst. Das Ziel sei, 180 Franken, die Maximal-Taxe für Ergänzungsleistungs-Bezüger, nicht zu überschreiten. «Sonst droht eine Zweiklassengesellschaft.»