Stadtregierung

Der St.Galler Stadtrat stellt sich neu auf: Drei von fünf Direktionen erhalten eine neue Vorsteherin oder einen neuen Vorsteher – und die Finanzen werden Sache der Chefin

Es gibt Anfang 2021 ein kleine Rochade im Stadtrat: Stadtpräsidentin Maria Pappa übernimmt die Finanzen, Markus Buschor wechselt zum Bau, und der neu gewählte Mathias Gabathuler übernimmt die Schule.

Daniel Wirth
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Der neue Stadtrat auf dem Weg ins Waaghaus zur Pressekonferenz: Stadtschreiber Manfred Linke, Mathias Gabathuler, Sonja Lüthi, Stadtpräsidentin Maria Pappa, Peter Jans und Markus Buschor (von links).

Der neue Stadtrat auf dem Weg ins Waaghaus zur Pressekonferenz: Stadtschreiber Manfred Linke, Mathias Gabathuler, Sonja Lüthi, Stadtpräsidentin Maria Pappa, Peter Jans und Markus Buschor (von links).

Bild: Ralph Ribi (3. Dezember 2020)

Gerade einmal vier Tage nach dem entscheidenden zweiten Wahlgang der Stadtratswahlen steht fest: Die St. Galler Stadtregierung stellt sich für die Legislatur 2021 bis 2024 mehrheitlich neu auf; drei von fünf Direktionen erhalten am 1. Januar nächsten Jahres eine neue Vorsteherin oder einen neuen Vorsteher. Dies, obschon der neu gewählte Stadtrat im Vergleich zum amtierenden Gremium mit Mathias Gabathuler (FDP) ein einziges neues Mitglied zählt.

Übernimmt die Finanzen: Stadtpräsidentin Maria Pappa (SP).

Übernimmt die Finanzen: Stadtpräsidentin Maria Pappa (SP).

Ralph Ribi

Maria Pappa, die am Sonntag zur ersten Stadtpräsidentin gewählt worden war, sagte gestern im Waaghaus vor den Medien, die konstituierende Sitzung habe rund zwei Stunden gedauert und sei nach dem Anciennitätsprinzip abgehalten worden. Das heisst: Der amtsälteste Stadtrat Markus Buschor (parteilos) konnte seine Wünsche als Erster äussern, gefolgt von Peter Jans (SP), Maria Pappa (SP), Sonja Jüthi (Grünliberale) und Mathias Gabathuler (FDP). Danach sei diskutiert und verteilt worden, so Pappa.

Wechselt von der Bildung in die Baudirektion: Der Architekt Markus Buschor (parteilos).

Wechselt von der Bildung in die Baudirektion: Der Architekt Markus Buschor (parteilos).

Ralph Ribi

Mit folgendem Ergebnis: Markus Buschor, der seit bald acht Jahren der Direktion Bildung und Freizeit vorsteht, wechselt per Anfang 2021 in die Direktion Planung und Bau. Buschor sagte, die Bildung sei ihm in den vergangenen acht Jahren ans Herz gewachsen. Gleichwohl freue er sich riesig auf den Wechsel in die Baudirektion, wo er die Stadt der Zukunft baulich mitgestalten könne. Der Wechsel falle ihm insofern leicht, als er seinem Nachfolger eine «aufgeräumte Direktion» übergebe.

Die FDP verliert die Finanzdirektion

Die aktuelle Baudirektorin Maria Pappa übernimmt vom zurücktretenden Stadtpräsidenten Thomas Scheitlin (FDP) die Direktion Inneres und Finanzen. Damit verlieren die Freisinnigen die einflussreiche und prestigeträchtige Finanzdirektion, ein Querschnittsressort, das alle übrigen Direktionen tangiert. Im Wahlkampf liess Pappa öfters durchblicken, dass sie sich auch hätte vorstellen können, als Stadtpräsidentin weiterhin dem Bau vorzustehen. Sie hat diese Idee verworfen.

Ab dem nächsten Jahr habe sie viele präsidiale Aufgaben zu erfüllen; diese seien mit der grossen Direktion Planung und Bau schwieriger zu vereinbaren als mit den Finanzen, begründete die Sozialdemokratin ihren Sinneswandel. Somit hat eines Kontinuität: Die Finanzen bleiben in der Stadt St.Gallen Chefsache.

Der neu gewählte Mathias Gabathuler wird städtischer Schuldirektor.

Der neu gewählte Mathias Gabathuler wird städtischer Schuldirektor.

Ralph Ribi

Der neu gewählte Mathias Gabathuler, heute Rektor der Kantonsschule am Brühl, schliesst die Lücke in der Direktion Bildung und Freizeit, die Buschor durch seinen Wechsel zum Bau hinterlässt. Er freue sich, als städtischer Schuldirektor weiterhin in der Bildung tätig sein zu dürfen, sagte Gabathuler. Er hatte im Wahlkampf betont, die Finanzen müssten nach seinem Ermessen in präsidialen Händen sein.

Lüthi und Jans bleiben ihren Direktionen treu

Peter Jans, der am Sonntag eine 17-Millionen-Vorlage für die Erneuerung der Rauchgasanlage im Kehrichtheizkraftwerk (KHK) mit einer 93-Prozent-Mehrheit bei den Stimmberechtigten durchbrachte, bleibt Vorsteher der Direktion Technische Betriebe.

Führt seine Arbeit als Vorsteher der Direktion Technische Betriebe fort: Peter Jans von der SP.

Führt seine Arbeit als Vorsteher der Direktion Technische Betriebe fort: Peter Jans von der SP.

Ralph Ribi

Er übe sein Amt auch in der neuen Legislatur mit viel Freude aus und wolle die Aufträge, die der Stadtrat vom Stadtparlament erhält und zuletzt mit dem Festschreiben eines Klimaartikels in der Gemeindeordnung vom Volk erhalten hat, umsetzen. Bei den Themen Umwelt, Energie und Klimawandel gilt gemäss Jans in der Stadt St.Gallen das Credo «Dranbleiben».

Die grünliberale Sonja Lüthi bleibt "Sozialministerin" der Stadt.

Die grünliberale Sonja Lüthi bleibt "Sozialministerin" der Stadt.

Ralph Ribi

Sonja Lüthi, die vor drei Jahren in den Stadtrat gewählt wurde, bleibt Vorsteherin der Direktion Soziales und Sicherheit. Sie sei jetzt in der Direktion angekommen und wolle ihre Projekte in der neuen Legislatur fortführen, sagte sie. In «ihrer» Direktion stünden Menschen im Zentrum, das gefalle ihr.

Die neue Stadtpräsidentin Maria Pappa sagte zu Beginn der Medienorientierung zur Direktionsverteilung, die mit Spannung erwartet worden war, der Stadtrat sei eine Kollegialbehörde. Entscheide würden gemeinsam erarbeitet, genauso wie die Legislaturziele, und auf diese werde gemeinsam hingearbeitet. Der neu gewählte Stadtrat in seiner neuen Konstituierung zeigte sich vor den Medien in Minne. Unzufriedene Gesichter waren keine auszumachen. Maria Pappa sagte, das Gremium habe auch eine grössere Rochade diskutiert, schliesslich habe man sich darauf verständigt, eine kleine Rochade vorzunehmen. Eine solche wurde allgemein erwartet.

Zwei Routiniers und drei mit wenig Erfahrung

Mit Markus Buschor und Peter Jans sitzen zwei erfahrene Exekutivpolitiker im Stadtrat. Maria Pappa ist seit vier Jahren Stadträtin, Sonja Lüthi seit drei Jahren. Mathias Gabathuler ist neu. Das heisst: Ein relativ unerfahrenes Gremium führt die Stadt in die Zukunft, in eine Zukunft, die wegen der Coronapandemie und drohender Steuerausfälle viele Herausforderungen bringen wird. Ein Start in Eintracht schadet da gewiss nicht.