Im Sommer surren die E-Scooter wieder durch St.Galler Strassen

Bald sollen wieder elektrische Trottinette durch St. Gallen rollen. Einen ökologischen Vorteil bringen sie nicht.

Adrian Lemmenmeier
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Ein Vertreter des Anbieters Voi bei einem Pressetermin im vergangenen Juli.

Ein Vertreter des Anbieters Voi bei einem Pressetermin im vergangenen Juli.

Benjamin Manser

Anfänglich gab es Bedenken: Ist die hügelige Gallusstadt überhaupt geeignet für die elektrischen Flitzer? Sind diese ökologisch gesehen sinnvoll? Liegen sie am Ende demoliert in den Pärken? Zumindest die erste Frage ist nach der Evaluation, die die Stadt nach einem dreimonatigen Pilotprojekt durchgeführt hat, restlos geklärt: Anscheinend wurden die Trottinette gerade für die Fahrt vom Bahnhof an die HSG rege genutzt.

Stadtrat Peter Jans

Stadtrat Peter Jans

Michel Canonica

Aber auch generell sausten die St.Gallerinnen und St.Galler mehr auf den Trottinetten, als es Stadtrat Peter Jans erwartet hätte: Fast vier Fahrten pro Tag verzeichnete der schwedische E-Scooter-Sharing-Dienst Voi im Schnitt pro Fahrzeug. Die durchschnittliche Fahrt dauerte gut zehn Minuten.

Der Stadtrat hat beschlossen, Elektrotrottinette im Selbstverleih weiterhin zuzulassen. «Das Bedürfnis, dieses Verkehrsmittel zu nutzen, ist da», sagt Peter Jans, Vorsteher der Direktion technische Betriebe.

Die Stadtflitzer seien ein modernes, scheinbar trendiges Verkehrsmittel. Diesem Trend wolle man folgen.

Klare Auflagen für Betreiber

Allerdings will die Stadt die Bewilligungen an klare Auflagen knüpfen. Damit wolle man «negativen Effekten» entgegenwirken, heisst es in einer Medienmitteilung.

Zu diesen gehört etwa der Umstand, dass die Trottinette in der Pilotphase oft nicht in einem Veloparkfeld abgestellt wurden, sondern mitten auf dem Trottoir. Nicht selten verstellten sie den Strassenputzmaschinen den Weg. Deshalb erwägt der Stadtrat, die Betreiber in die Pflicht zu nehmen, falsch parkierte Trottinette einzusammeln. Auch eine Strafgebühr sei denkbar.

Die E-Trottinette sollen im Sinne des städtischen Energiekonzepts 2050 zu einem umweltfreundlichen und cleveren Mix verschiedener Verkehrsmittel beitragen. Die Evaluation hat aber gezeigt, dass viele das Trottinett als Ersatz für eine Busfahrt oder einen Fussmarsch nutzen; vom Auto steigt kaum wer aufs E-Trottinett um. Für Jans ist deshalb klar:

«Aus ökologischer Sicht bringen die Geräte keinen Vorteil.»

Einsammeln nur mit Elektroauto?

Die Roller haben ausserdem oft eine geringe Lebensdauer. Und wenn sie nachts eingesammelt werden, um die Akkus aufzuladen, muss dafür ein Auto durch die Stadt kurven, oft angetrieben von einem Verbrennungsmotor. Deshalb erwäge man, das Einsammeln nur mit einem Elektrofahrzeug zu erlauben, so Jans.

Eine weitere Bedingung der Stadt werde voraussichtlich eine Anlaufstelle für Beschwerden sein. Wer Reklamationen zu den Stadtflitzern habe, soll sich unkompliziert an den Trottinettverleih wenden können.

300 Trottinette von maximal zwei Anbietern

Nicht nur das schwedische Start-up Voi, das im Sommer mit der Stadt das Pilotprojekt durchgeführt hat, möchte in St.Gallen elektrische Trottinette bereitstellen. «Wir haben Anfragen von verschiedenen Anbietern», sagt Jans.

Davon werden allerdings nur zwei eine Bewilligung der Stadt erhalten. «Mehr als zwei Betreiber wären zu viel.» Mit der Beschränkung wolle man verhindern, dass die Leute unnötig viele Apps herunterladen müssten.

Gleichzeitig spiele unter zwei Betreibern immer noch ein ausreichender Wettbewerb. Dieser soll künftig auf dem gesamten Stadtgebiet spielen. In der Pilotphase war das Einsatzgebiet auf die Innenstadt beschränkt.

Die Datenauswertung von Voi habe aber gezeigt, dass viele Fahrten erst an der Grenze des Versuchsperimeters aufhörten, so Jans. Daraus lässt sich schliessen, dass viele Leute gern noch weitergefahren wären. Damit der Weg zum nächsten verfügbaren E-Trottinett trotz erweitertem Einsatzgebiet kurz bleibt, soll auch die Anzahl der Fahrzeuge erhöht werden. Jans spricht von gut 300 Fahrzeugen. In der Testphase waren es 100.

Die genauen Rahmenbedingungen für die Bewilligungen werden voraussichtlich Ende März publiziert. Peter Jans geht davon aus, dass im Sommer wieder E-Trottinette durch St.Gallens Gassen flitzen.

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