Stadtrat will den Gossauerinnen und Gossauern keine Einkaufsgutscheine schenken

Die Verwaltung und die Schule dürfen nur noch in lokalen Läden einkaufen. Damit soll dem Gossauer Gewerbe in der Coronakrise geholfen werden. Hilfspakete sollen aber weiterhin nur Bund und Kanton schnüren.

Johannes Wey
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Von Einkaufsgutscheinen für die Fachgeschäfte würde beispielsweise die Gastronomie nicht profitieren.

Von Einkaufsgutscheinen für die Fachgeschäfte würde beispielsweise die Gastronomie nicht profitieren. 

Ralph Ribi

Was kann man gegen die Folgen der Coronakrise für die Stadt Gossau tun? Diese Frage treibt die Stadtparlamentarierinnen und -parlamentarier um. Drei Vorstösse zum Thema sind in den vergangenen Wochen eingereicht worden. Auch andere Gesuche seien bei der Stadt eingegangen, heisst es in einer Mitteilung.

Nun zeigt der Stadtrat auf, was er für das lokale Gewerbe zu tun bereit ist: Bau- und Sanierungsarbeiten werden wenn möglich vorgezogen, damit das Gewerbe Aufträge erhält. Und Verwaltung und Schule dürfen Kleineinkäufe in diesem Jahr «ausschliesslich in Gossauer Fachgeschäften tätigen».

Brief vom Stadtpräsidenten: «Kaufen Sie vor Ort ein»

Der Gossauer Stadtrat will das lokale Gewerbe auch ideell unterstützen. In einem Brief an alle Haushalte fordert Stadtpräsident Wolfgang Giella die Einwohnerinnen und Einwohner zu Solidarität auf: «Kaufen Sie vor Ort ein, kaufen Sie Wertgutscheine oder spenden Sie. Jede und jeder nach seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen.» Das Gewerbe sei ein wichtiger Teil einer Gemeinschaft wie der Stadt Gossau. Es versorge die Einwohnerinnen und Einwohner mit Gütern und Dienstleistungen, schaffe Arbeits- und Ausbildungsplätze und bringe Farbtupfer ins Stadtleben und -bild. Im Brief verweist Giella auf die Initiative «Gossau hilft Gossau» der Gossauer Fachgeschäfte. Unter www.lokalhelden.ch kann man Gewerbebetriebe mit Spenden oder dem Kauf von Gutscheinen unterstützen. «Wir hoffen alle, dass sich unser Alltag in den nächsten Wochen wieder etwas normalisiert. Und ich wünsche Ihnen allen, bleiben Sie gesund!», schliesst Giella seinen Brief. (jw)

Gutscheinaktion wäre ungerecht

Die Gossauer Fachgeschäfte mit ihren rund 60 Mitgliedern hatten vorgeschlagen, jedem Haushalt einen Einkaufsgutschein in der Höhe von 30 Franken zu schenken, um die lokal Wirtschaft anzukurbeln. Die SP Gossau hatte die Idee in einem Vorstoss aufgegriffen. Der Stadtrat ist dagegen:

«Diese Aktion hätte die rund 60 Mitglieder der Fachgeschäfte-Vereinigung bevorzugt.»

Ein grosser Teil des Gewerbes und der Gastronomie wäre von der Aktion ausgeschlossen gewesen.

2009 machte die Stadt St.Gallen mit einem Gutschein von 50 Franken für jede Einwohnerin und jeden Einwohner schweizweit Schlagzeilen.

2009 machte die Stadt St.Gallen mit einem Gutschein von 50 Franken für jede Einwohnerin und jeden Einwohner schweizweit Schlagzeilen.

PD
Itta Loher, Stadtparlamentarierin SP.

Itta Loher, Stadtparlamentarierin SP.

PD

Deshalb verzichte der Stadtrat darauf, dem Parlament ein entsprechendes Regelwerk zu unterbreiten. Ein solches wäre nötig gewesen, weil die geschätzten 300'000 Franken die Finanzkompetenz des Stadtrats überschritten hätten. Itta Loher, die Urheberin des Vorstosses, hatte zudem verlangt, im Juni eine ausserplanmässige Parlamentssitzung anzusetzen, um das Geschäft zu behandeln.

Hilfspakete kommen von Bund und Kanton

Wenn es um die finanzielle Unterstützung für die Wirtschaft geht, verweist der Stadtrat hingegen auf Bund und Kanton: Dort würden umfangreiche Massnahmenpakete bereitgestellt. Für vergleichbare Massnahmen auf städtischer Ebene fehle die rechtliche Grundlage und der Stadtrat verzichte darauf, diese auszuarbeiten und vors Parlament zu bringen.

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