SP-Parlamentarierin kritisiert St.Galler Stadtrat: «Das Breitfeld ist eine heilige Kuh»

Gegen die Vision, auf dem Breitfeld ein Pferdesportzentrum zu bauen, gibt es seit einiger Zeit Widerstand. Jetzt kritisiert SP-Parlamentarierin Doris Königer den Stadtrat: Er hätte den Initianten von Beginn weg eine deutliche Absage erteilen müssen.

Christoph Renn
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Das Breitfeld neben Gründenmoos und Kybunpark ist ein Amphibienlaichgebiet. (Bild: Urs Bucher)

Das Breitfeld neben Gründenmoos und Kybunpark ist ein Amphibienlaichgebiet. (Bild: Urs Bucher)

Der Verband Ostschweizer Kavallerie- und Reitvereine (OKV) plant ein Nationales Pferdesportzentrum Ostschweiz. Zur Auswahl stehen drei Standorte: Dielsdorf, Frauenfeld und das Breitfeld in St. Gallen. Schon kurz nach der Bekanntgabe der Idee meldete sich der Naturschutzverein St. Gallen und Umgebung: Mit aller Kraft wolle er ein Pferdesportzentrum verhindern. Nun gibt es Gegenwind aus der St. Galler Stadtpolitik. Genauer gesagt in Form einer Interpellation von Doris Königer und Lisa Etter Steinlin (beide SP). Ihre Kritik richtet sich aber nicht gegen die Verantwortlichen von OKV, sondern gegen die Direktion Schule und Sport von Markus Buschor.

SP-Stadtparlamentarierin Doris Königer.

SP-Stadtparlamentarierin Doris Königer.

Doris Königer hält sich mit Kritik nicht zurück: «Markus Buschor hätte von Beginn an deutlich Nein sagen müssen.» Nun verstecke er sich hinter der Aussage, dass sich das Projekt erst in der Projektierungsphase befinde. «Die Chancen, dass auf einem Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung ein Sportzen­trum gebaut werden kann, ist minim. Und das weiss der Stadtrat», sagt Königer. Das hätte er dem Stadtparlament und den Projektinitianten sagen müssen.

Es handelt sich lediglich um eine Projektskizze

In der Interpellation «Breitfeld ist nicht nur ein Ort des Rückzugs» wollten die beiden SP-Stadtparlamentarierinnen unter anderem erfahren, ob der Stadtrat die entsprechenden kantonalen Stellen bereits kontaktiert hatte. Zudem wollten sie wissen, ob die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung geschützt werden müsse und aus welchen Gründen der Stadtrat bereit sei, ein solches Reitsportzentrum zu bewilligen. Auch, wie der Bund eine Abweichung von Schutzzielen eines Amphibienlaichgebietes beurteilt, wollten sie in Erfahrung bringen.

In seiner Antwort schreibt der Stadtrat wiederholt: Gegenstand der Gespräche zwischen OKV und der Stadt war eine Projektskizze. Ob das Amphibienlaichgebiet betroffen sein könnte, hänge von der beabsichtigten Lage eines allfälligen Pferdesportzentrums ab, die der Stadt heute aber nicht bekannt sei. Denn das Amphibienlaichgebiet erstrecke sich nicht über das gesamte Breitfeld. Deshalb seien seitens der Stadt auch noch keine Abklärungen zur Frage der Zonenkonformität respektive zu einer allfälligen Zonenplanänderung eingeleitet worden. Erst wenn sich aus den Gesprächen eine Machbarkeitsabklärung oder ein konkretes Projekt entwickle, wären diese Fragen umfassend zu prüfen.

Mit dieser Antwort des Stadtrates auf ihre Interpellation gibt sich Doris Königer nicht zufrieden. «Das Breitfeld ist neben den Drei Weieren, dem Waltramsberg, der Kreuzbleiche, dem Kybunpark und dem Breitfeld eine heilige Kuh», sagt sie. So hätten noch viele den Kampf gegen den Waffenplatz in Erinnerung und die Abmachung, das Breitfeld der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und das Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung zu schützen. Aber Markus Buschor und seiner Direktion sei dieser Umstand wohl nicht bekannt. Ihr erscheine es seltsam, dass er den Initianten diese Problematik des Ortes nicht bereits im Jahr 2017 darlegte und versucht habe, gemeinsam eine andere Lösung zu finden. Denn Platz gäbe es für die Reithalle mit Aussenplatz und einen Übungsplatz für Vierspänner genug und an besseren Orten.

Es gibt ein Moratorium für Zonenplanänderungen

Weiter kritisiert Königer, dass die Zonenkonformität sehr leicht abzuklären gewesen wäre. Zudem gebe es in der Stadt zurzeit ein Moratorium für Zonenplanänderungen. «Zumindest dies hätte den Initianten auch mitgeteilt werden müssen.» Für Königer sei sowieso fraglich, ob die Skizze, die der Direktion Schule und Sport vorgelegt wurde, nicht aufzeigte, dass sehr wohl das Laichgebiet betroffen ist. «Als kundenfreundliche Direktion hätte dieses absolute ‹No-Go› klarer kommuniziert werden müssen.»

Ob der Stadtrat das Vorhaben unterstützen und bewilligen wird, lässt er in seiner Antwort offen. Denn der Planungs- und Bewilligungsprozess sei noch weit entfernt. Deshalb habe der Stadtrat noch keine Beschlüsse gefasst. «Mir erscheint diese Aussage seltsam. Immerhin hat sich Markus Buschor im Namen des Stadtrates in der Öffentlichkeit bereits als Befürworter des Pferdesportzentrums geäussert.»

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Reto Voneschen