Stadtrat sieht Entwicklung des Westens von St.Gallen in Gefahr

Der St.Galler Stadtrat zeigt sich in einer Medienmitteilung zwar zufrieden mit den Angebotsausbauten für die Stadt St.Gallen, die der Bahnausbauschritt 2035 mit sich bringt. Dennoch fordert er eine Überarbeitung der Pläne.

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(dag) Es sei jedoch «nicht akzeptabel», dass der Viertelstundentakt der S-Bahn für die Stadtbahnhöfe Winkeln und Bruggen weiterhin nicht verwirklicht werde. «Ein solches Angebot ist für die Positionierung dieses Entwicklungsgebietes als Arbeitsort jedoch zentral. Der Stadtrat fordert deshalb eine Überarbeitung der Ausbaupläne in dem Sinn, dass der Viertelstundentakt zeitnah umgesetzt werden kann.»

Maria Pappa, Stadträtin Direktion Planung und Bau

Maria Pappa, Stadträtin Direktion Planung und Bau

Bild: PD

Es war schon länger klar, dass die für den Viertelstundentakt notwendigen Investitionen, namentlich für ein drittes Gleis zwischen St.Gallen und Gossau, nicht im Bahnausbauschritt 2035 enthalten sein werden. «Wir betonen trotzdem nochmals, dass wir diesen Stillstand an den Stadtbahnhöfen im Westen der Stadt nicht hinnehmen können», erklärt Baudirektorin Maria Pappa die neuerliche Forderung des Stadtrats nach Verbesserungen.

«Wir können nicht darauf verzichten, etwas zu tun»

Der Stadtrat störe sich vor allem daran, dass der Kanton bisher keine Alternativen aufgezeigt habe, sagt Pappa.

«Deshalb pochen wir darauf, dass uns der Kanton mögliche Lösungen für dieses Problem präsentiert.»

Denn der Viertelstundentakt an den beiden Bahnhöfen Bruggen und Winkeln, aber auch Haggen, sei sehr wichtig für die Entwicklung des Westens der Stadt.

«Das ist eines der grössten wirtschaftlichen Entwicklungsgebiete im Kanton. Entsprechend muss auch der Kanton ein Interesse an einer guten Erschliessung haben.»

Der Stadtrat müsse und werde jedenfalls weiter Druck ausüben auf den Kanton und den Bund. Denn selbst wenn die benötigten Infrastrukturverbesserungen in einem nächsten Bahnausbauschritt – also 2040 oder später – berücksichtigt würden, könne man nicht so lange warten.

«Wir können schlicht nicht darauf verzichten, etwas zu tun. Sonst ist die Entwicklung des Gebietes in Gefahr.»

Die Option eines Wendegleises in der Sommerau in Gossau sei jedenfalls noch nicht vom Tisch, sagt Pappa. Die Kosten dafür haben SBB und Kanton gegenüber der Stadt vor einigen Monaten auf mehrere hundert Millionen Franken beziffert – fast so viel wie für ein drittes Gleis zwischen St.Gallen und Gossau. Im Auftrag der Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee überprüft nun ein unabhängiges Planungsbüro die veranschlagten Kosten und mögliche Einsparungen. «Wir müssen überprüfen, ob es Optionen gibt, die nicht so teuer sind.»

Aufhebung der Haltestelle Gübsensee ist definitiv

Verständnis zeigt der Stadtrat hingegen für die definitive Aufhebung der Haltestelle Gübsensee. Dort halten schon seit Ende 2018 keine Züge mehr. Zum einen, weil wegen Anpassungen im S-Bahn-System und mangels Kreuzungsstellen der Fahrplan keinen Halt zulässt. Zum anderen, weil die Fahrgastfrequenzen von durchschnittlich drei Personen pro Tag zu tief waren. Die Aufhebung war zunächst auf zwei Jahre befristet, der Kanton machte aber schon damals klar, dass eine Wiederinbetriebnahme unwahrscheinlich sei.

«Wir bedauern die Aufhebung, können sie aber nachvollziehen», sagt Pappa. Denn würde die Haltestelle wieder in Betrieb genommen, müsste sie zudem behindertengerecht umgebaut werden. Und nicht nur sie, sondern auch der Verbindungsweg zum Gübsensee. «Kosten und Nutzen für einen solchen Eingriff stehen in keinem Verhältnis.» Ausserdem sei der Gübsensee mit den Bussen der VBSG einigermassen gut erreichbar.

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