Gastrobetriebe sollen Rorschach erhalten bleiben: Der Stadtrat erlässt deshalb Pächtern den Mietzins, um deren Verluste wegen Corona zu mindern

Beim durch den Bundesrat verordneten Lockdown mussten auch Betriebe und Einrichtungen temporär schliessen, die in einem Miet- oder Pachtverhältnis mit der Stadt Rorschach stehen. Um deren Überleben zu sichern, hat der Stadtrat eine proaktive Finanzhilfe beschlossen.

Rudolf Hirtl
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Gartenwirtschaft beim Pavillon: Einer von der Stadt Rorschach bewirtschafteten öffentlichen Plätze.

Gartenwirtschaft beim Pavillon: Einer von der Stadt Rorschach bewirtschafteten öffentlichen Plätze.

Bild: Rudolf Hirtl

Unabhängig von den nationalen Debatten habe der Stadtrat Rorschach beschlossen, dass für Betriebe und Einrichtungen, die aufgrund der Bundesverordnung im Zusammenhang mit Covid-19 geschlossen bleiben mussten und in einem Vertragsverhältnis mit der Stadt stehen, ein Miet-/Pachtzinserlass für die Dauer des jeweiligen Lockdowns gewährt wird, heisst es in der jüngsten Stadtratsmitteilung.

Für betroffene Gewerbetreibende bringe die Stadt als Vermieterin die notwendige Unterstützung zur Abfederung der finanziellen Auswirkungen der Coronakrise damit so zum Ausdruck und zeige sich solidarisch.

Stadtpräsident Röbi Raths betont, dass dieser Unterstützungsentscheid vom Stadtrat nicht etwa unter Druck und aufgrund von wiederholter Anfragen gefällt worden sei.

«Für uns war klar, dass wir den Betrieben unter die Arme greifen wollen, damit sich deren Fixkosten bei den ausbleibenden Umsätzen während des Lockdowns reduzieren»,

sagt der Stadtpräsident und freut sich, dass der Entscheid im Stadtrat Rorschsch eine Mehrheit gefunden hat.

Raths bezeichnet Unterstützung als gerechtfertigt

Er sei sich bewusst, dass dieser Entscheid zu Diskussionen führen könnte. «Es ist uns aber wichtig, dass diese Betriebe in der Stadt erhalten bleiben, daher sehe ich die Unterstützung als gerechtfertigt an.» Ausserdem wisse er, so Raths weiter, dass auch private Vermieter ihren Mietern entgegengekommen seien, um die Ausfälle wegen der Covid-19-Beschränklungen etwas zu mildern.

Nicht abwegig ist, dass die Verantwortlichen der Stadt mit ihrem Entscheid andere Vermieter unter Druck setzt. Diplomatisch äussert sich dazu Stadtrat Stefan Meier. Er weiss als Gewerbevereinspräsident Mieter als auch Vermieter unter seinen Mitgliedern und empfiehlt diesen, einen konstruktiven Dialog zu führen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Auch private Vermieter zeigen sich grosszügig

Einer der grössten privaten Vermieter in der Stadt Rorschach ist Gottlieb Kündig. «In der ersten Phase des Lockdowns habe ich jenen Gewerblern, die finanziell wegen der Covid-19-Situation deutliche finanzielle Einbussen hatten, freiwillig die Hälfte der Miete erlassen», sagt der Besitzer von zahlreichen Liegenschaften. Er fühle sich durch den Stadtratsentschluss zwar nicht unter Druck gesetzt, doch dürfe nicht vergessen werden, dass auch er den Lockdown zu spüren bekommen habe. Es sei ihm bisher gelungen, ohne Coronakredit über die Runden zu kommen. «Sollte sich die Situation für die Gewerbler durch neue Einschränkungen erneut zuspitzen, so werden wir die Lage analysieren und miteinander reden.»

Auch Urs Räbsamen ist seinen Mietern und Pächtern in der Region Rorschach unkompliziert entgegengekommen. «Ich habe allen gewerblichen Pächtern die Mietzinse für zwei Monate erlassen», sagt der Carl-Stürm-Preisträger, dem neben Wohnhäusern auch das Schloss Wartensee und die Restaurants Mariaberg, Hafenbuffet und Treppenhaus gehören. Sollte es nötig sein, so werde er seinen Mietern nochmals entgegenkommen.

Rabatt auf Gebühren für öffentliche Plätze

Die Stadt Rorschach tritt nicht nur als Vermieter auf, sie stellt Gastgewerbebetrieben auch öffentlichen Grund für die Führung von Aussenwirtschaften zur Verfügung. Für die Nutzung des öffentlichen Bodens werden laut Mitteilung aufgrund der reglementarischen Bestimmungen Gebühren erhoben.

Die Beschränkung der Anzahl Sitzplätze, sowie die Umsetzung von Abstandsregeln und Hygienevorschriften habe auch die Gastronomie hart getroffen und zu erheblichen Umsatzeinbussen geführt. Der Rorschacher Stadtrat habe daher beschlossen, auch die Benützungsgebühren für die öffentlichen Plätze zu reduzieren. Für das laufende Jahr gewährt er einen Rabatt von 35 Prozent.

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