Stadtparlament St.Gallen
Trotz weniger Rabatt: Personal der Verkehrsbetriebe St.Gallen soll das GA weiterhin für 700 Franken erhalten

Bundesweit sollen Mitarbeitende im öffentlichen Verkehr deutlich weniger Rabatt auf das GA erhalten. Geht es nach dem Stadtrat, soll für Mitarbeitende der Verkehrsbetriebe St.Gallen der Preis von knapp 700 Franken beibehalten werden. Das kostet die Verkehrsbetriebe allerdings jährlich 205'000 Franken.

Dinah Hauser
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Wer selbst am Steuer sitzt, erhält das GA vergünstigt. Die Stadt St.Gallen setzt sich dafür ein, dass dies so bleibt.

Wer selbst am Steuer sitzt, erhält das GA vergünstigt. Die Stadt St.Gallen setzt sich dafür ein, dass dies so bleibt.

Bild: Hanspeter Schiess

Wer in der ÖV-Branche tätig ist, erhält oftmals einen grossen Rabatt auf das Generalabonnement. Vor allem grosse Transportunternehmen wie die SBB, Postauto oder die Verkehrsbetriebe Zürich geben das GA sogar gratis an ihre Mitarbeitenden ab.

Ab diesem Jahr tritt allerdings eine neue Regel für die Fahrvergünstigung in Kraft. Darauf haben sich das eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (Uvek), der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) und die Arbeitnehmendenverbände des ÖV geeinigt. So soll der Rabatt auf den Normalpreis des GA nur noch 35 Prozent betragen. Das GA für Erwachsene kostet aktuell 3860 Franken. Transportunternehmen können das Generalabonnement den aktiven Mitarbeitenden allerdings weiterhin gratis oder zum bisherigen Preis abgeben.

Über 150 Franken Mehrkosten pro Monat

Für Letzteres setzt sich der St.Galler Stadtrat nun ein und gibt eine entsprechende Vorlage an das Stadtparlament weiter. Der Stadtrat will dem Personal der Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) das GA weiterhin mit einer branchenüblichen Vergünstigung anbieten. Trotz neuer Regelung sollen Mitarbeitende das GA 2. Klasse wie bis anhin für 695 Franken kaufen können. Die VBSG erwerben dazu zum vergünstigten Preis die Generalabonnements und geben diese zum selben Preis an die Mitarbeitenden weiter. Wie der Stadtrat schreibt, nutzen derzeit 113 Mitarbeitende dieses Angebot.

Per 1. Januar verteuert sich aber der Einstandspreis auf 2509 Franken pro GA, heisst es im Antrag an das Parlament. Würden die VBSG wie bis anhin den Einkaufspreis unverändert weiterverrechnen, so hätten die betroffenen Mitarbeitenden einen Preisaufschlag von 1814 Franken zu tragen. Das entspricht monatlichen Mehrkosten von rund 150 Franken. Gemäss Antrag des Stadtrates wären VBSG-Mitarbeitende nahezu die einzigen in der Branche, die vom neuen System derart stark benachteiligt würden. Denn die grossen Transportunternehmen gäben die Zweitklasse-Abonnemente weiterhin gratis ab – wie es vom Verband empfohlen werde. «Alle anderen Transportunternehmen auf dem Platz St.Gallen geben das Abo gratis oder mit einer massgeblichen Vergünstigung ab.»

Benachteiligung als problematisch eingestuft

Diese brancheninterne Benachteiligung der VBSG-Mitarbeitenden beurteilt der Stadtrat als «personalpolitisch problematisch» und sie schwäche die VBSG als Arbeitgeberin bei der Suche von qualifiziertem Personal. Obschon die Abgabe eines GA 2. Klasse zu stark vergünstigtem Preis innerhalb des Personals der Stadtverwaltung eine Privilegierung darstellt, will die Stadt dem Personal der Verkehrsbetriebe branchenübliche Anstellungsbedingungen gewähren, heisst es weiter. Es werde aber an einer Beteiligung an den Kosten seitens der Mitarbeitenden festgehalten; zudem werde auf eine vergünstigte Abgabe von vergünstigten GA 1. Klasse verzichtet.

Dieses Vorhaben kostet allerdings 205'000 Franken im Jahr. Die künftig höheren Kosten für den GA-Einkauf können Transportunternehmen aber in den subventionsberechtigten Verkehrssparten beim Bund und den Kantonen geltend machen.

Wie es im Antrag des Stadtrates heisst, würden gemäss Hochrechnung der Clearingstelle «Direkter Verkehr» schweizweit rund 100 Millionen Franken Mehrertrag in diesem Ticketsegment generiert. An diesen Erträgen partizipieren die VBSG mit einem definierten Prozentanteil. Entsprechend stehen gemäss Antrag des Stadtrates den jährlichen Ausgaben von 205'000 Franken voraussichtliche Mehreinnahmen in mindestens gleicher Höhe gegenüber.

Das St.Galler Stadtparlament befindet über den Antrag an der nächsten Sitzung vom 11. Januar.

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