St.Galler Stadtkulturgespräch: Das liebe Geld und die Kultur am Apéro der Neuzuzüger

Am Stadtkulturgespräch vom Montagabend haben Kulturschaffende wie Politiker den Entwurf fürs neue Stadtsanktgaller Kulturkonzept verhalten freundlich aufgenommen.

Reto Voneschen
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Stadtpräsident und «Kulturminister» Thomas Scheitlin wohnte natürlich allen Forumsveranstaltungen zum Kulturkonzept 2020 bei. (Bild: Simon Netzle - Lokremise, 3. Dezember 2018)

Stadtpräsident und «Kulturminister» Thomas Scheitlin wohnte natürlich allen Forumsveranstaltungen zum Kulturkonzept 2020 bei. (Bild: Simon Netzle - Lokremise, 3. Dezember 2018)

In der Diskussion nach der Präsentation des Papiers gab’s relativ wenig Fragen. Und an einer Pinnwand überwogen am Ende die freundlichen Kommentare die Zettel, was am Entwurf nicht gefällt: 40 Prozent der Antworten betrafen negative, 60 Prozent aber positive Punkte.

Übernimmt sich die Stadt?

Auf der negativen Seite sichtbar wurde das Misstrauen darüber, wohin die Kulturmittel fliessen. Vor einem ähnlichen Hintergrund dürfte der Hinweis zu sehen sein, dass sich die Stadt mit all dem übernehmen könnte, was sie neu angehen will.

Sehr positiv aufgenommen wurde, dass ein Haus für die freie Szene auf der Traktandenliste bleibt; danach gibt es offensichtlich ein grosses Bedürfnis. Ebenfalls gut aufgenommen wurde das Ziel, die finanzielle Planungssicherheit für Gruppen aus der freien Szene zu verbessern. Eine Überraschung war, dass Kultur quer durch die Szene auch als Tourismusfaktor verstanden wird.

Professionelle Bildungsstätten fehlen weitgehend

Eine kritische Bemerkung in der Diskussion kam von Musiker Urs C. Eigenmann: Er monierte das Fehlen von professionellen Bildungsmöglichkeiten, insbesondere auch einer Kunstakademie, in St.Gallen. Bildungsinstitutionen seien nämlich mit eine Voraussetzung für eine lebendige Kulturszene.

Dass im Entwurf fürs neue Kulturkonzept dazu keine Aussagen zu finden seien, sei kein Zufall, hiess es von Barbara Affolter und Kristin Schmidt von der städtischen Kulturförderung. Schaffung und Betrieb einer Hochschule für Kunst wäre eine Aufgabe des Kantons.

Schon heute wird aktiv über Kultur informiert

Ein Aktiver des Männerchors St.Gallen vermisste im Konzeptentwurf Aussagen über Kultur für Seniorinnen und Senioren sowie zur Förderung kleiner Vereine wie seines Chors. Natürlich gab’s auch eher schräge Fragen: Wieso beispielsweise hält sich die Kultur vom Apéro für die Neuzuzüger fern?

Tut sie gar nicht, wurde der Fragesteller von Brigitte Kemann von der Kulturzentrale belehrt. Sie verteile seit Jahren höchst eigenhändig an jedem dieser Apéros «Kulturbeutel» mit Informationen über rund 40 Kulturinstitutionen der Stadt. Und der Männerchor habe sich übrigens auch noch nie bei ihr dafür interessiert, Unterlagen in diesem Beutel zu platzieren.

Vor dem Hintergrund eines Verteilkampfes

Auch in der Fragerunde wurde mehrfach deutlich, dass die Kulturdiskussion vor dem Hintergrund eines Verteilkampfs und damit einer Konkurrenz zwischen den Empfängerinnen und Empfängern von Fördergeldern abläuft. Bei der Kulturförderung geht’s bei vielen – logischerweise – ums liebe Geld.

Die erste Frage in der Diskussionsrunde brachte das auf den Punkt: Wo bitte finde ich, wie viel Geld meiner Institution zusteht? Antwort: Im Entwurf zum Kulturkonzept sind einzelne Institutionen nicht erwähnt. Für die konkrete Fördertätigkeit werden die darin allgemein aufgeführten Massnahmen konkretisiert und vertieft. Dabei erst wird es um die Verteilung der Kulturgelder gehen.