Stadtbelebung
Stadtrat Rorschach will Zentrum mit Wochenmarkt beleben: Marktfahrer müssen für Standplatz nichts bezahlen

Der Rorschacher Marktplatz soll seinen Wochenmarkt zurückerhalten. Vorerst vom 7. August bis 30. Oktober wird ein Probebetrieb aufgenommen. Der samstägliche Markt soll laut Stadtpräsident Röbi Raths ein Mosaikstein zur Belebung der Innenstadt sein. Erste Marktfahrer haben bereits Interesse signalisiert; Bewerbungen müssen bis Mitte Juni eingereicht werden.

Rudolf Hirtl
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Stadtpräsident Röbi Raths (links) und Stadtrat Stefan Meier sind zuversichtlich, dass es diesmal gelingt, einen attraktiven Wochenmarkt für Rorschach auf die Beine zu stellen.

Stadtpräsident Röbi Raths (links) und Stadtrat Stefan Meier sind zuversichtlich, dass es diesmal gelingt, einen attraktiven Wochenmarkt für Rorschach auf die Beine zu stellen.

Bild: Rudolf Hirtl

Es regnet, der Himmel ist grau, die Stimmung beinahe herbstlich – mitten im Frühling. Eine blonde Frau, eingemummt in einen schwarzen Mantel, eilt über den Marktplatz. Grund, auf dem zentral in Rorschach gelegenen Platz zu verweilen, hat sie nicht. Er ist leer und nur in den Aussenrestaurants, die den Platz von drei Seiten eingrenzen, verlieren sich ein paar Leute. Auch Stadtpräsident Röbi Raths und Stadtrat Stefan Meier haben dort Platz genommen, trinken einen Kaffee und informieren über die Pläne der Stadt.

Ab August ein vielfältiges Warenangebot

Zumindest samstags soll der Platz mit Hilfe der Stadtregierung wieder belebt werden. Ab 7. August sind Marktfahrer und regionale Landwirte und Produzenten eingeladen, jeweils von 8 bis 12 Uhr ihre Waren anzubieten. Der frühere Gewerbevereinspräsident Stefan Meier sagt:

«Wir wollen mit dem Wochenmarkt keine Konkurrenz für die innerstädtischen Detaillisten schaffen.»

Der Wochenmarkt solle vielmehr eine Ergänzung für das Angebot in Zentrumsnähe sein. Bereits vergangenes Jahr seien dafür erste Gespräche geführt worden, die Coronapandemie habe die Umsetzung aber dann verhindert. Nun will Rorschach Besucherinnen und Besucher aus nah und fern zum Verbleiben in der Innenstadt motivieren. «Einkaufen beim Gewerbe, stöbern im reichhaltigen Marktangebot und dann einen Apéro in einem der vielen Gastronomieangebote geniessen, schöner kann ein Samstag nicht sein», ist Robert Raths überzeugt.

Stadtrat kurbelt das Projekt mit Verzicht auf Standmiete an

Der Markt soll sich langfristig etablieren und zu einem beliebten Treffpunkt der Rorschacherinnen und Rorschacher werden. Damit diese Kontinuität gewährleistet ist, müssen Anbieter laut Röbi Raths eine einzige Voraussetzung erfüllen:

«Marktfahrer müssen jeden Samstag anwesend sein. Dafür erhalten sie den Standplatz während des Probebetriebs kostenlos.»

Es gehe nicht darum, mit Standmieten Geld zu verdienen, vielmehr verzichte der Stadtrat bewusst auf diese Einnahmen, um dem Wochenmarkt eine echte Chance zu geben.

Covid-19 war nicht der Auslöser für den Stadtrat

Die Coronapandemie und auch die geschlossenen Grenzen haben zu einer Rückbesinnung auf regionale Produkte geführt. Der Ansturm auf Gutscheine des Gewerbes in den vergangenen Monaten war ein starkes Zeichen der Solidarität mit der Region Rorschach. Meier und Raths hoffen denn auch darauf, dass der Wochenmarkt in der Bevölkerung den nötigen Rückhalt bekommt. «Wir haben uns mit dem Thema schon vor der Pandemie beschäftigt. Es ist uns wichtig, die Innenstadt zu beleben und etwas zu schaffen, wovon auch die bestehenden Geschäfte und Restaurants profitieren», so Röbi Raths.

Anfangseuphorie wich rasch Ernüchterung

In der Vergangenheit hat Rorschach mehrere Anläufe unternommen, um einen Wochenmarkt zu lancieren. Vergebens. Etwa im Frühling 2007, als ein farbenfroher Flyer die Stadt auf den neuen samstäglichen Markt in Rorschach gluschtig machte. Gemüse, Obst, Backwaren und Fisch und ein Pizzastand waren zu finden. Doch das Angebot reduzierte sich wegen der schlecht laufenden Geschäfte rasch auf drei Stände, und dies erst noch an unterschiedlichen Tagen.

In der 2002 eröffneten Hundertwasser-Halle in Altenrhein sollten Bauernmarkt und Kunst einträchtig nebeneinander funktionieren. Freitags und samstags breiteten Bauern aus der Region im Saal ihre Produkte aus. Die hohen Verkaufspreise schreckten die Kundschaft ab, der Bauernmarkt verschwand so rasch von der Bildfläche, wie er aufgetaucht war.

Wie der Flyer aus dem Jahr 2007 zeigt, ist es nicht das erste Mal, dass Rorschach versucht, einen Wochenmarkt zu lancieren.

Wie der Flyer aus dem Jahr 2007 zeigt, ist es nicht das erste Mal, dass Rorschach versucht, einen Wochenmarkt zu lancieren.

Bild: Rudolf Hirtl

Der Samstagsmarkt in Dornbirn als Vorbild

In Rorschach orientiert man sich nun an Dornbirn. Der Wochenmarkt dort ist eine eigentliche Erfolgsgeschichte und zieht mit seinem Flair auch zahlreiche Besucher aus der Ostschweiz an. «Dornbirn hat eine optimale Mischung von gewachsener Struktur, Marktständen und ergänzendem Angebot der Gastronomie. Wir können uns nicht 1:1 damit vergleichen, Ziel ist es aber, eine ähnliche Attraktivität zu erreichen», sagt Röbi Raths und Stefan Meier betont:

«In Rorschach bekommt man alles. Vom Brot über Kleidung bis hin zu einer Ferienreise. Diese Pluspunkte wollen wir möglichst optimal vermarkten.»

Die Bewerbungen für einen Standplatz können jetzt auf der Website der Stadt Rorschach (www.rorschach.ch) aufgerufen werden. Gesucht werden Angebote, die das breite Angebot der Rorschacher Detaillisten und Gewerbler ergänzen. Die Bewerbungen müssen bis Mitte Juni eingereicht werden. Der Stadtrat wird dann die Auswahl treffen.