CRICKET: Ein Sport in Kinderschuhen

Kaum einer kennt das Spiel und noch weniger wissen, dass in St. Gallen einer der besten Clubs der Schweiz beheimatet ist. Der englische Mannschaftssport Cricket hat es hierzulande schwer, Fuss zu fassen.

Pascal Koster
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Der in Grün spielende St. Gallen Cricket Club bei einem Meisterschaftsspiel auf dem Gründenmoos. (Bilder: Urs Bucher)

Der in Grün spielende St. Gallen Cricket Club bei einem Meisterschaftsspiel auf dem Gründenmoos. (Bilder: Urs Bucher)

Pascal Koster

pascal.koster@tagblatt.ch

Am 1. März 2014 setzten sich Ali Abbas, Falak Sher und Nasir Mahmood im Restaurant Hörnli zusammen und gründeten den «St. Gallen Cricket Club», kurz SGCC. Nicht zufällig wählten sie dieses geschichtsträchtige Lokal, worin bereits der FC St. Gallen gegründet worden war. Die drei Männer hatten die Vision, mit ihrem Team eines Tages ebenfalls eine bekannte nationale Grösse zu sein.

Als Mahmood vor sieben Jahren aus den Vereinigten Staaten in die Schweiz kam, fand er in St. Gallen und Region keinen Cricket-Verein vor. Dies überraschte ihn. Die ersten drei Jahre spielte er für ein Winterthurer Team, ehe er das stetige Pendeln satthatte. Mahmood suchte in der Umgebung nach Cricket-Begeisterten und wurde fündig. Nach nur dreieinhalb Jahren zählt der SGCC bereits zu den erfolgreichsten Teams auf nationaler Ebene.

Schweizer Cricket stagniert wegen Verbandsstreit

Trotz der eigenen Erfolge betrachten Abbas, Mahmood und Sher die Entwicklung des Schweizer Crickets skeptisch. Seit 2012 ist die Schweiz aufgrund eines Verbandsstreits aus dem ICC, International Cricket Council, ausgeschlossen und darf keine Nationalmannschaftspartien auf Pflichtspielebene mehr austragen. Mahmood ist selbst Teil des Schweizer Nationalteams. Er ist überzeugt, dass sich gerade junge Spieler dadurch nicht optimal weiterentwickeln können, da ihnen die wertvolle Erfahrung aus internationalen Partien verwehrt bleibt. «Das ist Talentverschwendung», sagt er.

Der Streit zwischen den zwei Verbänden, die beide die Vertretung des Schweizer Crickets beanspruchen, ist ein Muster­beispiel für die hierzulande vorherrschende Unprofessionalität. Die Sponsorensuche verläuft schwierig, das meiste Equipment wird nur im Ausland vertrieben und richtige Cricket-Trainingsplätze gibt es schon gar nicht.

Dennoch sind sich die drei Gründer des SGCC einig, dass in der Schweiz ein leicht positiver Trend im Gang ist. Jedes Jahr würden neue Teams der «Cricket Switzerland Premier League», der offiziellen Meisterschaft, beitreten und auch das Niveau der Spiele habe sich verbessert. ­Schade sei nur, dass sich nach wie vor kaum Schweizer für die Sportart interessieren.

«Das ist also Baseball»

Wenn Spaziergänger zufällig ein Spiel des SGCC sehen, sind sie begeistert, doch würde es ihnen nie in den Sinn kommen, diesen Sport selbst zu praktizieren. Passend dazu erzählt Mahmood: «Ein Paar, das zufällig vorbeikam, beobachtete uns und dann sagte der Mann überzeugt: ‹Das ist also Baseball.›» Ein Satz, der alles über das gesellschaftliche Interesse für Cricket aussagt. Dabei hätte der SGCC nicht nur des Erfolges wegen mehr Aufmerksamkeit verdient. Seit der Gründung nimmt der Club auch eine soziale Rolle wahr.

Im Team spielen derzeit drei politische Flüchtlinge. Diejenigen, die einen Job haben, bezahlen ihnen solidarisch die gesamte Ausrüstung. Vorwiegend besteht die Gruppe aus Afghanen, Pakistani, Indern und Tamilen. Das bunt gemischte Team zählt auch dieses Jahr zu den schweizweit besten Mannschaften. Nur zwei Siege trennen den St. Gallen Cricket Club noch vom Schweizer-Meister-Titel. «Hopp St. Gallen gilt nicht nur im Fussball», betont Abbas deshalb.

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