FÖRDERUNG: Den Jüngsten einen Platz geben

Die Gemeinde Wittenbach hat zum ersten Mal ein Kinder- und Jugendleitbild ausgearbeitet. Knapp 70 Massnahmen sollen künftig zu einem kinder- und jugendfreundlichen Dorf beitragen.

Perrine Woodtli
Drucken
Teilen
Das Ziel der Gemeinde Wittenbach ist, dass mit den Kindern von heute eine zukunftsfähige Generation heranwächst. (Bild: Urs Bucher)

Das Ziel der Gemeinde Wittenbach ist, dass mit den Kindern von heute eine zukunftsfähige Generation heranwächst. (Bild: Urs Bucher)

Perrine Woodtli

redaktiongo

@tagblatt.ch

2570. So viele Kinder und Jugendliche unter 25 Jahren leben in Wittenbach. Die Generation von morgen macht gut einen Viertel der Gesamtbevölkerung von Wittenbach aus. Für die Kinder und Jugendlichen hat die Gemeinde jetzt zum ersten Mal ein Kinder- und Jugendleitbild entworfen. Dieses beinhaltet sieben Leitsätze mit mehreren Zielen und Massnahmen, welche die Situation für die jungen Wittenbacher verbessern sollen. «Die jetzige Situation ist schon sehr gut. Wir haben ein breites Angebot für Kinder und Jugendliche», sagt der zuständige Gemeinderat Benjamin Gautschi. «Jedoch gibt es immer Bereiche, in denen wir noch besser werden können.»

Kinder und Jugendliche, die in Wittenbach aufwachsen, begleiten die Gemeinde eine lange Zeit. Gewisse Bereiche wie die Erziehung oder das Umfeld könne die Gemeinde nur sehr wenig steuern, sagt Gautschi. «Gemeinde, Behörden und Vereine können jedoch förderliche Angebote schaffen für Kinder und Jugendliche und somit deren Entwicklung und Zukunft beeinflussen.» Das Leitbild soll den Kindern und Jugendlichen sowie den Bürgern als Orientierung dienen und den Behörden als Leitlinie für die Legislaturperiode 2017 bis 2020.

Wittenbach aktiv mitgestalten

Das Kinder- und Jugendleitbild wurde von der Kinder- und Jugendkommission in Zusammenarbeit mit Vertretern von Schulen, Kirche, Organisationen, Fachstellen und Vereinen sowie mit Kindern und Jugendlichen entwickelt. Den Anstoss dazu gab die ehemalige Gemeinderätin Marlies Lorenz. Rund 400 Kinder und Jugendliche wurden zu diversen Themen in Wittenbach befragt. «In dieser Umfrage wurde uns vieles bestätigt», sagt Gautschi. So habe es nicht überrascht, dass das Schwimmbad bei den Kindern beliebt ist, der Zentrumsplatz hingegen als kinderunfreundlich empfunden wird. Manche hätten sich dann auch zu Träumereien hinreissen lassen, sagt Gautschi schmunzelnd. «Ein Kind hat sich einen Zoo in Wittenbach gewünscht.»

Das Leitbild enthält nun folgende Leitsätze: Die Kinder und Jugendlichen haben starke Eltern und Bezugspersonen, wachsen in anregenden Umwelten auf, haben Freiräume und wirken mit. Sie bilden sich umfassend, haben gerechte Chancen sowie vielfältige Lebenskompetenzen. Jeder Leitsatz ist mit Zielen und Massnahmen ergänzt. Bei den Massnahmen handelt es sich teils um bestehende Angebote, wie das Frühförderprogramm «ElternKind-Spielgruppe für fremdsprachige Eltern». Unter den Massnahmen befinden sich aber auch neue Ideen. Unter anderem wird derzeit ein Vorprojekt zu einem Familienzentrum ausgearbeitet. Zudem sollen Jugendliche und Familien bei der Neugestaltung des Zentrumsplatzes mitwirken. Ein wichtiger Punkt ist es auch, dass Kinder und Jugendliche ihre Rechte und Pflichten kennen. So sollen Kinderrechte künftig jährlich in der Spielgruppe und in der Schule thematisiert werden.

Ziel ist es gemäss Gautschi, dass alle Massnahmen bis 2020 umgesetzt werden. «Einige Ideen sind schwer messbar, da wir noch nicht sagen können, wie diese ankommen. Einige Ideen können wir zudem nicht im Alleingang angehen. Beim 30er-Zone-Konzept beispielsweise arbeitet die Gemeinde mit der Kantonspolizei zusammen.» Die Kinder- und Jugendkommission wird sich 2018 vier Mal mit allen Beteiligten des Leitbilds treffen, um den Stand der Dinge zu besprechen.

Gautschi ist zuversichtlich, dass die Massnahmen zur positiven Veränderung beitragen werden. «Das Leitbild ist breit abgestützt und das Angebot wird ausgebaut. Schlechter kann es also nicht werden, sondern nur besser.» Er betont, dass das Leitbild in den nächsten Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, erhalten bleiben und mit der Zeit überarbeitet werden soll. «Es ist ein nachhaltiges Produkt. Kein Papiertiger.»