WEGWEISUNGEN: Ärger in der Quartieroase

Auf dem Spielplatz bei der Linsebühlstrasse halten sich regelmässig soziale Randgruppen auf. Das stört Anwohner und Eltern. Die Stadtpolizei greift durch – und hat nun auch Nicht-Randständige weggewiesen.

Luca Ghiselli
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Als Spielplatz gedacht, oft von Randständigen genutzt: Das Pärkli an der Ecke Linsenbühlstrasse/Hafnerstrasse. (Bild: Jil Lohse)

Als Spielplatz gedacht, oft von Randständigen genutzt: Das Pärkli an der Ecke Linsenbühlstrasse/Hafnerstrasse. (Bild: Jil Lohse)

Angelo Zehr staunte am Wochenende nicht schlecht: Als der Journalist und ehemalige Stadtparlamentarier mit einer Freundin auf einer Parkbank beim Spielplatz an der Ecke Linsebühlstrasse/Hafnerstrasse einen Eiskaffee trank, traten zwei Beamte der Stadtpolizei an ihn heran. Sie wiesen Zehr, seine Begleitung und einen weiteren Mann, der sich auf dem Spielplatz aufhielt, an, auszutrinken und sich vom Spielplatz zu entfernen. Dieser sei nämlich für Kinder gedacht, und die Präsenz von Erwachsenen würde sie abschrecken.

Zehr brachte sein Erstaunen über das Verhalten der Polizei am Montagabend auf Facebook zum Ausdruck, eine Diskussion über Gentrifizierung und soziale Verdrängung folgte unter dem Post.


Wer in dem kleinen Park im Linsebühl nun wen verdrängt – Randständige die Kinder oder die Polizei die Randständigen – daran scheiden sich die Geister, und zwar nicht nur in den sozialen Medien.
 

Erste Massnahmen bereits ergriffen

Der Spielplatz ist nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen. Bereits im März äusserte der Quartierverein Südost an seiner Hauptversammlung Bedenken wegen der starken Präsenz von Süchtigen in dem kleinen Park. Beim Hinterhof zur Liegenschaft Harfenstrasse 6 wurde ein Gartenhag errichtet, um den Durchgang zum Spielplatz zu versperren. Auch ein mobiles WC-Häuschen wurde installiert, um die Situation auf dem Spielplatz zu entschärfen. Zudem wurde eine Umfrage durchgeführt, in der Eltern ihre Wünsche zum Spielplatz äussern konnten.

Mitarbeiter der Gassenküche würden ausserdem regelmässig auf dem Spielplatz nach dem Rechten sehen, hiess es damals. Auch die Stadtpolizei hat, nachdem von Anwohnern und Quartierverein wiederholt entsprechende Bedenken geäussert wurden, die Personenkontrollen auf dem Spielplatz intensiviert.
 

"Randständige schrecken spielende Kinder ab"

"Wir haben bei Begehungen Spritzen vorgefunden. Ausserdem wird Abfall liegen gelassen", sagt Roman Kohler, Mediensprecher der Stadtpolizei, auf Anfrage. Man habe sich deshalb mit verschiedenen Partnern wie der Fachstelle für aufsuchende Sozialarbeit abgesprochen und kontrolliere vermehrt.

Wenn Patrouillen der Stadtpolizei Süchtige oder Randständige im Park antreffen, würden sie laut Kohler angewiesen, den Park zu verlassen. "Das Areal ist zwar öffentlich, aber als Spielplatz gedacht. Die Präsenz solcher Personengruppen schreckt die Kinder ab", sagt Kohler. Die Verantwortlichen der Stiftung Suchthilfe, zu der auch die aufsuchende Sozialarbeit gehört, waren gestern ferienbedingt nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
 

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Es sei zwar klar, dass auch Randständige und Süchtige das Recht hätten, sich im öffentlichen Raum aufzuhalten. "Sie sollten dabei aber nicht die Freiheit anderer einschränken. Wir wollen verhindern, dass einzelne Personengruppen den öffentlichen Raum für sich alleine beanspruchen." Zudem gelte es, konsequent gegen Littering und Drogenkonsum vorzugehen. Das heisse aber nicht, dass die Stadtpolizei sich ein leeres Pärkli wünsche. Das Ziel sei vielmehr, dass es von allen Bevölkerungsschichten genutzt werden könne.

Dass auch Personen, die im Park keinen Alkohol und keine Drogen konsumierten, von der Stadtpolizei weggewiesen werden, sei nicht das Ziel, sagt Kohler. "Es dürfen sich durchaus auch Erwachsene auf dem Spielplatz aufhalten», sagt er. "Die polizeiliche Praxis erfordert Fingerspitzengefühl." Deshalb sensibilisiere man seitens der Stadtpolizei die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder diesbezüglich. Kohler betont: "Wer in diesem Park mit einer Freundin einen Eiskaffee trinkt, soll keineswegs weggeschickt werden." Warum es am Wochenende trotzdem dazu kam, kann Kohler nicht abschliessend beantworten. "Dafür kenne ich die Einzelheiten noch zu wenig."