Wetter blockiert Holzschlag

EGGERSRIET. Im Eggersrieter Vogtholz liegen unzählige Bäume am Boden. Mit dem Holzschlag wird der Schutzwald gepflegt. Das Holz kann aber noch nicht abtransportiert werden, wenn der Boden gefroren ist.

Corina Tobler
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Die gefällten Bäume liegen links und rechts der Rückegasse. (Bild: Corina Tobler)

Die gefällten Bäume liegen links und rechts der Rückegasse. (Bild: Corina Tobler)

Das acht Hektare grosse Waldgebiet Vogtholz thront am Hügel über Eggersriet. Es ist auf über 900 Metern über Meer der höchste Punkt im Forstrevier Sitter, das Benjamin Gautschi seit Oktober 2013 betreut. Er bahnt sich mit sicherem Schritt einen Weg über den dichten Teppich aus Tannenzweigen, die umgeben sind von stapelweise Baumstämmen, die auf den Abtransport warten. Sie sind im November im Rahmen des gemeinsamen Holzschlags der elf Waldeigentümer – einer davon ist die Gemeinde – gefällt worden.

Eine Woche Minustemperaturen

«Den Transport erledigt ein Forwarder mit einem Gewicht von rund 14 Tonnen. Um den Boden auf den beiden Rückegassen, über die der Forwarder fährt, möglichst wenig zu beschädigen, müssen wir darauf warten, dass der Boden gefriert», erklärt Gautschi den etwas chaotischen Anblick, den das Vogtholz derzeit bietet. Das höchste der Gefühle war aber leichter Bodenfrost am Morgen. Das reicht nicht. «Ideal wären klare Nächte und Minustemperaturen, die etwa eine Woche anhalten. Dann gefrieren die etwa obersten 30 Zentimeter des Bodens. Das zusammen mit dem Kleinholz, das wir extra auf den Gassen liegen gelassen haben, bietet den besten Schutz.»

Liegen lassen geht nicht

Jetzt ist zwar etwas Schnee gefallen, doch der Boden ist noch immer viel zu nass. Dieses Jahr können die Bäume nicht mehr aus dem Wald geholt werden. Nervös ist Gautschi deswegen (noch) nicht. «Um das bereits gefällte Holz aus dem Wald zu holen, brauchen wir eine Woche. Danach sind noch weitere drei Wochen für den restlichen Holzschlag und Abtransport nötig. Ich gehe davon aus, dass sich bis Februar oder März ein Zeitfenster öffnet.» Liegen bleiben kann das Holz nicht, das zum Grossteil an die Lehmann Holzwerk AG in Gossau geht. «Notfalls würden wir es in einer trockenen Frühlingswoche rausholen.»

Wenn der Holzschlag wie geplant vollendet werden kann, sollen rund 1000 Kubikmeter Holz anfallen. Weil sich die Waldeigentümer zusammengetan haben, resultiert für sie ein Gewinn – auch weil das Vogtholz zu rund zwei Dritteln Schutzwald ist, für dessen Pflege Bund und Kantone Beiträge sprechen. Dieses Geld ist für die Arbeiten im Vogtholz unentbehrlich. Der Schutzwald liegt am Südhang, der steil Richtung Eggersriet abfällt. «Der Wald schützt das Dorf vor Rutschungen und Lawinen, die bei der Neigung von teilweise über 30 Grad abgehen könnten. Daher ist es wichtig, dass dieser Wald stabil und nachhaltig wächst», sagt Gautschi. Im Vogtholz gehe es vor allem darum, den Schutzwald zu verjüngen. «Je durchmischter ein Wald ist, desto besser. Hier ist die Verjüngung nur sehr schwach ausgeprägt, weil die alten, hohen Bäume den jungen das Licht stehlen. Zudem werden die jungen Pflänzchen, weil sie so wenig an der Zahl sind, oft von Rehen angeknabbert.» Mit dem gezielten Fällen von Bäumen entstehen Mini-Lichtungen. Von den jungen Pflänzchen, die sich dort ansiedeln, können nicht alle dem Wild zum Opfer fallen, so dass einige wachsen und sich der Wald verjüngt.

«Lothars» Folgen sind sichtbar

Dass alle Waldeigentümer mitziehen ist Gautschi wichtig. «Der Wald ist in sehr unterschiedlichem Zustand, weil einige Eigentümer ihn jedes Jahr pflegten, andere ihn 30 Jahre nicht antasteten. Jetzt können wir den ganzen Wald pflegen, und zwar über eine zentrale Erschliessung.»

Am Nordhang, der nicht als Schutzwald klassifiziert ist, sind übrigens die Folgen von Sturm Lothar noch sichtbar, der gestern vor 15 Jahren über die Schweiz fegte. Wo der Wald vollständig zerstört wurde, wachsen Adlerfarn und Brombeer; an Stellen, wo noch Bäume standen, wurde der Wald auf natürliche Weise verjüngt.