Vereinter Kampf gegen Neophyten

Im Goldachtobel wimmelt es von Goldruten und Sommerflieder. Die invasiven Pflanzen bedrängen die heimische Flora und können Menschen Schaden zufügen. Mehrere Gemeinden gehen die Bekämpfung nun gemeinsam an.

Sebastian Schneider
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Der Sommerflieder (links) verbreitet sich an Flussufern und Kiesbänken, wie hier im Goldachtobel in der Nähe der Lochmühle in Untereggen. (Bild: Christoph Renn)

Der Sommerflieder (links) verbreitet sich an Flussufern und Kiesbänken, wie hier im Goldachtobel in der Nähe der Lochmühle in Untereggen. (Bild: Christoph Renn)

Regelmässig streift Benjamin Gautschi durch das Goldachtobel. Die Schlucht, die halbschattigen Wälder und der launische Bach gehören zum Gebiet, das der Revierförster unter Beobachtung hält. Leider muss er feststellen, dass sich immer mehr Neophyten ausbreiten. Die Invasion der fremden Pflanzen (siehe Zweittext) werde durch den Bach begünstigt: «Die Goldach hilft der Verbreitung der Pflanzen. Es genüge etwa schon, wenn sie ein Blatt einer Springkraut-Staude hinunter schwemmt.» Die Samen könnten rasch an einem neuen Ort einwurzeln. Auch wenn es unmöglich sei, Neophyten jemals gänzlich aus dem Tobel zu schaffen, sagt Gautschi: «Gegen die Pflanzen muss aktiv vorgegangen werden.»

Bekämpfung wird koordiniert

Ausreissaktionen haben bereits mehrmals stattgefunden. Auch in diesem Jahr waren Helfer mit Pickel und Schaufel unterwegs. Im Gemeindegebiet von Untereggen etwa haben im Juni Jäger der Jagdgesellschaften Mörschwil und Untereggen-Goldach zusammen mit Mitarbeitern der Raiffeisenbank Goldach und Schülern von «Rheinspringen» Hand angelegt. Neuerdings sollen solche Aktionen aber koordiniert werden. Anfang Juni hat unter der Leitung des kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei eine Zusammenkunft von Vertretern verschiedener Anstössergemeinden stattgefunden.

Mörschwil noch nicht im Boot

Unterdessen haben die Stadt St. Gallen, Eggersriet, Untereggen und Goldach zugesichert, sich an einer gemeinsamen Bekämpfung zu beteiligen. Dies bestätigt Urban Fenner, Agronom der Fröhlich Wasserbau AG. Fenner ist der operative Leiter des Bekämpfungsprojekts. Zu den Anstössergemeinden gehört auch Mörschwil; allerdings fehle von dieser Gemeinde noch die Zusage für eine Teilnahme.

Kampf bachabwärts führen

Bereits sind laut Fenner Bestandesaufnahmen vorgenommen worden. Auffällig sei vor allem das grosse Vorkommen von Sommerflieder gewesen. «Diese Pflanze kann ihre Samen gut mit dem Wind verbreiten, und es ist daher schwierig, sie zu eliminieren.» Erfreulich auf der anderen Seite sei der eher tiefe Bestand vom japanischen Staudenknöterich, der starke Wurzeln schlage und von Hand schwierig zu entfernen sei.

Ab 2015, erstmals vor der Blütezeit im Mai oder Juni, werden laut Fenner die Ausreissaktionen durchgeführt. Zu Beginn würden sie vor allem auf dem Gebiet der Stadt St. Gallen sowie Eggersriet und Untereggen stattfinden. Weil die Goldach Samen mitführe, müsse man oben im Tobel beginnen und erst später die Arbeit im Gebiet von Goldach und Mörschwil intensivieren.

Kanton zahlt für Arbeit

Das Projekt kann dauern. Nach zwei Jahren sollte laut Urban Fenner die Situation im oberen Bereich des Goldachtobels besser sein. Eine starke Abschwemmung von Samen aus höher gelegenen Regionen sei nicht zu befürchten. Appenzell Ausserrhoden hat gegenüber den St. Galler Gemeinden in der Neophytenbekämpfung nämlich einen grossen Vorsprung.

Die Gesamtleitung obliegt dem kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Dies vor allem, weil es pro Arbeitsstunde einen Betrag entrichtet. Wenn man bedenkt, dass allein durch die Unteregger Aktion über 100 Arbeitsstunden anfielen, ist und wird die Neophytenbekämpfung für Kanton und Gemeinden eine kostspielige Angelegenheit.