SWING: Tanzen wie in den 1930er-Jahren

Der Lindy-Hop erfährt gerade einen Aufschwung in der St. Galler Swing- und Jazz-Szene. Dafür verantwortlich ist der Verein Sitterbugs. Seit einiger Zeit führt dieser beinahe wöchentlich Tanzabende durch.

Eva Ammann
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Die Sitterbugs schwingen ihr Tanzbein im Foyer der Lokremise zu Swing- und Jazzmusik. (Bild: Ralph Ribi)

Die Sitterbugs schwingen ihr Tanzbein im Foyer der Lokremise zu Swing- und Jazzmusik. (Bild: Ralph Ribi)

Eva Ammann

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@tagblatt.ch

Aus den Lautsprechern tönt Louis Armstrongs «The Bare Necessities». An die 30 Frauen und Männer schwingen, wippen und hüpfen über die Tanzfläche des Foyers in der Lokremise. «And five, six, seven, eight: he goes, step, step, back, step», ruft ein Mann in Anzug und Fliege zu den Tänzerinnen und Tänzern. Hin und wieder lachen diese verlegen, weil der Tanzschritt noch etwas hapert. Das ist ein typischer Tanzabend der Sitterbugs, der Lindy-Hop-Tänzer St. Gallens. Einer davon ist Ueli Gut, der den Abend organisiert hat. «Wir führen mittlerweile fast wöchentlich einen Swinganlass durch, weil immer mehr Leute auf uns aufmerksam werden», sagt Gut, der seit rund zwei Jahren bei den Sitterbugs aktives Mitglied ist.

In der «Militärkantine», im «Oya» und im Stadtpark

Die Sitterbugs gibt es seit November 2013. Damals hat sich der Verein zum Ziel gesetzt, Lindy- Hop und verwandte Tanzstile in St. Gallen zu fördern und zu verbreiten. Dieser Vorsatz scheint auf einem guten Weg zu sein. Denn mittlerweile kämen schon Leute von Winterthur oder Kons­tanz extra nach St. Gallen, sagt Gut. Die Swinganlässe, an welchen neben Lindy-Hop auch Tanzeinflüsse des Charlestons oder Boogie-Woogies mit einbezogen werden, finden beispielsweise in der «Militärkantine», im «Oya» oder in der Lokremise statt. Im Sommer tanzen die Sitterbugs auch gerne einmal zusammen unter freiem Himmel im Stadtpark.

Alle tanzen mit allen

Es wird empfohlen, zu zweit in ­einen Kurs zu starten. Grundsätzlich gilt bei den Sitterbugs aber die Regel «Alle mit allen». «Während der Kurse und an den Tanzanlässen wechselt man den Partner fortlaufend. Das ist eine gute Übung», sagt Gut. Der 42-Jährige ist überzeugt, dass schneller ­gelernt werden könne, wenn mit verschiedenen Partnern getanzt werde. Dann gibt es noch eine weitere Regel: «Beim Lindy-Hop gibt es keine Fehler, nur Varia­tionen», sagt Gut mit einem Schmunzeln im Gesicht. Denn an erster Stelle stehe bei den Sitterbugs die Freude am Tanzen und der Austausch von Schritt- und Figurenideen.

Davon ist auch die St. Gallerin Carola Gerschwiler überzeugt. Mit ihrem Freund besucht sie seit rund einem Jahr die Swingevents der Sitterbugs. «Der Tanz löst Glücksgefühle in mir aus. Ich kann gar nicht anders, als zu lachen und Freude daran zu haben.» Ihr gefalle, dass jeder kommen könne, der gerne tanzt. Egal, welchen Alters oder Geschlechts. Ein Augenschein zeigt: Ihr Eindruck stimmt. Die Tänzer im Foyer der Lokremise könnten unterschiedlicher nicht sein. Eine Sache haben sie aber gemeinsam: Die Leidenschaft für das Tanzen.

Von den Ballsälen Harlems in die weite Welt

Der Lindy-Hop entstand in den 1930er-Jahren in den Ballsälen Harlems in New York. Die ­Wurzeln des Tanzes liegen im Charleston und anderen verwandten Jazz- und Swingtänzen. Er war Vorreiter des Boogie- Woogies und des Rock ’n’ Rolls. Der Lindy-Hop ist ein Paartanz und wird zu Swing- und Jazzmusik getanzt. Der Grundschritt hat acht Schläge. Standardisierte Schritte gibt es nicht, auch keine festgelegten Figuren. In den 1980er-Jahren wurde der Lindy- Hop wiederentdeckt und seither auf der ganzen Welt getanzt, seit zehn Jahren nun auch in der Schweiz.

Der Verein Sitterbugs bietet Lindy-Hop-Tanzkurse in der Tanzschule Karrer für verschiedene Stufen an. Die Kurse werden mehrmals pro Jahr durchgeführt. Ein Kurs dauert sechsmal eineinhalb Stunden und kostet 150 Franken. Geleitet werden diese jeweils von einem Tanzpaar. Zusätzlich findet während der Wintermonate wöchentlich ein offenes Training statt, an dem alle Sitterbugs-Mitglieder ohne Anmeldung teilnehmen können.

Nächster Lindy-Hop-Kurs: 19.4. www.sitterbugs.ch