Neuer Raum für alte Menschen

ST.GALLEN. Das Projekt für ein neues Marthaheim wird konkret: Geplant ist ein Gebäude neben dem Alterszentrum Josefshaus mit 80 Zimmern. Durch die Zusammenlegung der Heime versprechen sich die Betreiber Rentabilität.

Janique Weder
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Sobald die Villa Jacob hin zu den Lüftungstürmen der Autobahnausfahrt Kreuzbleiche verschoben wird… (Bild: Hanspeter Schiess)

Sobald die Villa Jacob hin zu den Lüftungstürmen der Autobahnausfahrt Kreuzbleiche verschoben wird… (Bild: Hanspeter Schiess)

Zwölf Jahre. So lange hat die Gemeinnützige und Hilfs-Gesellschaft der Stadt St. Gallen (GHG) eine Lösung für das sanierungsbedürftige Alterszentrum Marthaheim gesucht. Jetzt ist sie da. «Cardamines» heisst das Projekt des St. Galler Architektenbüros Oestreich + Schmid. Es plant einen Neubau des Marthaheims neben dem Alterszentrum Josefshaus und hinter der Villa Jacob. Damit das möglich ist, muss die schutzwürdige Villa Jacob verschoben werden (Tagblatt von gestern). Das historische Gebäude rückt 25 Meter Richtung Süden – und macht so Platz für das Altersheim.

Synergien nutzen

Grund für das von GHG-Präsident Heinz Loretini als «Mordsprojekt» bezeichnete Vorhaben ist die heutige Situation des Marthaheims: Das Betagtenheim, in dem vor allem Senioren mit einer Suchtvergangenheit oder psychischen Erkrankungen wohnen, ist veraltet. Die meisten Zimmer haben kein eigenes Bad, ein Bettenlift fehlt. Ausserdem ist es viel zu klein geworden.

…kann dahinter der Neubau für das Marthaheim realisiert werden. Geplanter Baustart ist 2017. (Bild: pd)

…kann dahinter der Neubau für das Marthaheim realisiert werden. Geplanter Baustart ist 2017. (Bild: pd)

Der Neubau schafft diesen Problemen Abhilfe. Und: Durch die Zusammenlegung mit dem Josefshaus können Synergien im Betrieb genutzt werden, sagt Bauherrenvertreter Martin Widmer von der Blumergaignat AG. Das sei wichtig, denn «anders können die Heime nicht mehr rentabel betrieben werden».

Pragmatisch und kompakt

Auf den Plänen sieht der Neubau wenig spektakulär aus. Etwa so steht es auch im Bericht der neunköpfigen Wettbewerbsjury. Sie schreibt: «Eine pragmatische Umsetzungs des Raumprogramms in einem kompakten Gebäudevolumen zeichnet den Projektvorschlag aus.» Das neue Marthaheim steht parallel zum Josefshaus, ist in den Rosenberg eingebettet und hat einen gegen Westen orientierten Hof.

Doppelt so viele Zimmer

Zentral sind die zwei Hausgemeinschaften mit insgesamt 80 Zimmern. Das heutige Marthaheim bietet 40 Bewohnern ein Zuhause. Der zusätzliche Platz relativiere sich aber dadurch, dass im Josefshaus durch die Koppelung der Gebäude Plätze verloren gingen, sagt Heinz Loretini. Je zwei Stockwerke werden durch einen zweigeschossigen Wohnbereich verbunden. «Der Maisonette-Charakter hat uns schliesslich dazu bewogen, uns für dieses Projekt zu entscheiden», sagt Martin Widmer.

Nicht nur das Marthaheim, auch das Josefshaus erfährt Änderungen: Es wird mit dem Neubau verbunden. Die Obergeschosse werden erneuert und es entsteht eine Dachterrasse. Ausserdem wird die Küche, die durch die Verschiebung der Villa Jacob verloren geht, ersetzt.

Bezug in fünf Jahren

Wie hoch die Kosten für den Bau sein werden, ist laut Loretini noch nicht bekannt. Die Stadt St. Gallen wird sich daran beteiligen. Nachdem sie im vergangenen Jahr die Subventionen für Betagtenheime gekürzt hat, dürfte ihre Beteiligung bei 20 Prozent liegen. Im Frühling 2015 soll ein gemeinsames Baugesuch für alle drei Teilprojekte – Neubau Marthaheim, Umbau Josefshaus und Verschiebung Villa Jacob – eingereicht werden. Geplanter Baubeginn ist 2017, Bezug 2019.