Förster und Fasnächtler

Dank Benjamin Gautschi sind die Bühnen für die Fasnacht bereit. Bald steht er selbst darauf. Dann nimmt der Förster statt dem Holzbeil die Schlagzeugstöcke in die Hand.

Noemi Heule
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Vorbereitung für die Fasnacht: Benjamin Gautschi bringt die Bretter für die Bühne per Traktor zum Bärenplatz. (Bild: Ralph Ribi)

Vorbereitung für die Fasnacht: Benjamin Gautschi bringt die Bretter für die Bühne per Traktor zum Bärenplatz. (Bild: Ralph Ribi)

Der Motor des Traktors knattert, als Benjamin Gautschi das schwere Gefährt die Marktgasse hinauf zum Bärenplatz steuert. Auf der Gabel hat er Paletten und Bretter geladen. Daraus entsteht die Bühne für die St. Galler Fasnacht. Der Logistik-Chef der Vereinigten Guggen steht bald selbst auf dem Podest. Als Schlagzeuger der Gugge Tschaggi Waggi tauscht er Funktionskleidung gegen Fasnachtskostüm.

Geschickt lässt Gautschi die Bretter vom Gabelstapler zu Boden sinken. Der Umgang mit dem Gerät ist er gewohnt. Ab und an nimmt er für den Forstbetrieb im Führersitz Platz. Denn der 24-Jährige ist auch der jüngste Revierförster der Region und Herr über 750 Hektaren Land. Von Eggersriet bis Muolen ist er für acht Gemeinden zuständig.

Stehen die Bühnen erst bereit, geht die Fasnacht für ihn erst richtig los. «Dann beginnen die abwechslungsreichsten Tage des Jahres», sagt er. Der gebürtige Stadtsanktgaller ist seit jeher Fasnächtler. Noch kein Umzug liess er sich entgehen. Auch als Pauker war er schon bei zwei Guggen dabei, bevor er vor einem Jahr die Gruppe Tschaggi Waggi mitbegründete. Mit blauer Narrenkappe und Kostüm ist die 15köpfige Gruppe auch in diesem Jahr in St. Galler Gassen und Beizen unterwegs.

Fasnacht statt Ferien

Für das närrische Treiben hat Benjamin Gautschi eine Woche Ferien bezogen. Erholen jedoch wird er sich wohl nicht: «Die Fasnacht ist eine sehr schöne, aber auch anstrengende Zeit», sagt er. Seit Oktober bereitet er sich auf die kommenden Tage vor. Jede Woche übt die junge Gugge für ihren Auftritt. Auch der Transport sowie Auf- und Abbau der Bühne brauchen Vorbereitung. Zwar sei es ein eher kleines «Jöbbli», allein allerdings schaffe er es nicht. Beim Aufbau der Bühne hilft deshalb die Riethüsli-Gugge tatkräftig mit.

Bereits vor einem Jahr half Gautschi beim Aufbau, als er angefragt wurde, die Verantwortung zu übernehmen. Die Entscheidung fiel ihm leicht: «In den letzten Jahren habe ich davon profitiert, dass alles bereitstand.» Jetzt packe er halt mit an.

Gugge bringt Gesellschaft

Anpacken ist sich der Förster schliesslich gewohnt. Um diese Jahreszeit verbringt er die meiste Zeit im Wald. Während im Winter die Vegetation ruht, steht der Holzschlag an. Im Sommer hingegen verbringe er einen Grossteil der Arbeit im Büro, wo Rechnungen geschrieben und administrative Arbeiten erledigt werden müssen. Auch die Beratung und Unterstützung der Waldeigentümer sowie Rücksprachen mit Jägern und Bauern nimmt viel Zeit in Anspruch. Er sei sozusagen der «Waldmanager», sagt Gautschi. Er müsse wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen.

Die Arbeit als Förster und das Hobby als Fasnächtler sei kein Widerspruch, sondern eine «prima Ergänzung». Am Beruf schätze er das selbständige Arbeiten, an der Fasnacht die Gesellschaft. «Ich bin ein Teamplayer», sagt er. Während der närrischen Zeit geniesst er denn auch das Miteinander in der Gugge.

Einziger Wermutstropfen an der St. Galler Fasnacht: «Sie hat einen geringen Stellenwert», sagt er. Einmal im Jahr besuchen die Tschaggi Waggi deshalb einen Umzug in der Innerschweiz. Während am Samstag der Födlebürger vor die Konfettikanone kommt, ist die Gruppe für einmal in Zug unterwegs.

Am meisten freut sich Gautschi aber auf den Freitagabend. Dann zieht die Gugge in Bruggen von Bar zu Bar. «Die Stimmung an der Beizenfasnacht ist familiär, und die Gäste schätzen die Abwechslung», sagt er. Noch lieber als auf seiner Bühne steht der Logistik-Chef deshalb verkleidet in der Beiz.