Stadt will Grünabfuhr für ihre Gebäude

Bis jetzt hat sich die Stadt mit ihren eigenen Liegenschaften nicht an der Grünabfuhr beteiligt. Das soll sich schrittweise ändern. Ab Oktober werden die ersten 40 Gebäude mit grünen Tonnen erschlossen.

Roger Berhalter
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Einmal pro Woche wird geleert: Zwei Mitarbeiter der Stadt auf Grüngut-Tour. (Bild: Ralph Ribi, 27. Juli 2017)

Einmal pro Woche wird geleert: Zwei Mitarbeiter der Stadt auf Grüngut-Tour. (Bild: Ralph Ribi, 27. Juli 2017)

Die St. Galler Grünabfuhr wächst langsam, aber stetig. Jeden Monat lösen rund 50 Stadtbewohner ein neues Abo, um fortan Garten- und Rüstabfälle sowie Speisereste in der grünen Tonne zu entsorgen. 1677 Abonnentinnen und Abonnenten zählt die Grünabfuhr aktuell, rund 6500 Haushalte sind an den Sammeldienst angeschlossen. Dieses Jahr kamen bis Ende Juli schon 720 Tonnen Grüngut zusammen. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2017 waren es 983 Tonnen.
Nun sollen auch die städtischen Liegenschaften mit der Grünabfuhr erschlossen werden. In einer ersten Etappe sind es 40 Gebäude, die ab Oktober mitmachen. Bis Ende 2020 sollen sich rund zwei Drittel der städtischen Liegenschaften beteiligen. Dies schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf die Interpellation von Andreas Hobi (Grüne), Basil Oberholzer (Junge Grüne), Andrea Scheck (Juso), Andrea Hornstein (PFG), Lisa Etter (SP) und Christoph Wettach (GLP). Die Stadtparlamentarier hatten bemängelt, dass sich das Liegenschaftenamt nicht an der Grünabfuhr beteilige. Damit unterlaufe die Dienststelle die ökologische Entsorgungsstrategie der Stadt.

Im Zentrum stinkt's schneller

In seiner Antwort schreibt der Stadtrat von mehreren Hürden, die bei der Einführung der Grüngutabfuhr bestünden. Bei Liegenschaften in der Innenstadt sei oft der Platz ein Problem. Die Grüngut-Container müssten im Freien aufgestellt werden, und dafür sei nicht überall genügend Raum vorhanden. Zudem seien «die Geruchsemissionen der Container während der warmen Sommermonate in der Innenstadt weit störender als in weniger eng besiedelten Wohnzonen». Deshalb würden sich die meisten Mieterinnen und Mieter in der Innenstadt selber organisieren und sich einer bestehenden Kompostieranlage anschliessen. «Nicht alle städtischen Liegenschaften haben einen Bedarf an einer Grüngutabfuhr.»
Der Stadtrat hat entschieden, in Etappen vorzugehen. Auch deshalb, weil bei jeder Liegenschaft zuerst Abklärungen nötig seien und diese in der Vergangenheit wegen personeller Engpässe in der Dienststelle Liegenschaften mehr Zeit in Anspruch genommen hätten als geplant. Es ging vor allem um die Abrechnung der Abogebühren, die den Mietern typischerweise als Nebenkosten verrechnet werden.
Die Stadt lockt zudem mit einer Aktion: In den ersten drei Monaten ist die Grünabfuhr für die betreffenden Liegenschaften gratis. Auch für private Neukunden soll es 2019 eine solche dreimonatige Gratis-Aktion geben.

Das zweite Fahrzeug braucht's noch nicht

Die zusätzlichen Abonnements könne man mit den bestehenden Strukturen gut auffangen, sagt Marco Sonderegger, Leiter von Entsorgung St. Gallen. Es seien noch Kapazitäten vorhanden, zudem würden die 40 städtischen Liegenschaften ab Oktober nicht allzu stark ins Gewicht fallen.
Bis jetzt können die anfallenden Grüngut-Mengen mit einem Fahrzeug bewältigt werden. Das Stadtparlament hat einen Ausbau der Grünabfuhr schon im September 2015 vorgespurt, als es einen Kredit von 1,1 Millionen Franken für zwei Sammelfahrzeuge bewilligte. Ein zweites Grüngut-Fahrzeug ist also bereits finanziert, aber laut Sonderegger noch nicht bestellt. Dies werde man erst bei Bedarf tun. «Die Grünabfuhr soll Schritt für Schritt wachsen.»

Acht Kündigungen im ersten Jahr

Der Stadtrat windet in seiner Interpellationsantwort der St. Galler Bevölkerung ein Kränzchen: «Die St. Gallerinnen und St. Galler trennen bewusst.» Nur 155 Mal hätten die Grüntour-Mitarbeiter im Jahr 2017 einen Container stehen lassen müssen, weil sich darin Plastik oder anderes Fremdmaterial befand – und dies bei 42000 Container-Leerungen. Dass die Abonnenten mit der Grünabfuhr zufrieden sind, zeigt eine weitere Kennzahl: Nur acht Kunden haben per Ende 2017 ihr Abo wieder gekündigt, wobei sie als Grund einen Um- oder Wegzug angaben. (rbe)