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Die Stadt St.Gallen verbrennt den Plastik lieber selbst

In den Gemeinden der Region können Einwohner Plastik bald in einer gemischten Kunststoffsammlung entsorgen. Die Stadt verzichtet auf ein ähnliches Konzept: Der Aufwand zahle sich in der Ökobilanz kaum aus.
Seraina Hess
Kunststoffverpackungen in Kuh-Bags - das gibt es in der Stadt auch künftig nicht. (Bild: Andrea Stadler)

Kunststoffverpackungen in Kuh-Bags - das gibt es in der Stadt auch künftig nicht. (Bild: Andrea Stadler)

In 30 Gemeinden der Abfallregion St. Gallen-Rorschach-Appenzell können Einwohner Kunststoffabfall wie Shampoo-Flaschen, Becher oder Milchverpackungen in einem separaten Sack entsorgen. Die sogenannten Kuh-Bags zur gemischten Kunststoffsammlung sind ab 1. Januar erhältlich. Das Sammelgut soll nach der Abgabe bei der Sammelstelle dem Recycling zugeführt werden (Ausgabe vom 7. November). Obschon die A-Region den Kehricht der angeschlossenen Gemeinden im Kehrichtheizkraftwerk St. Gallen entsorgt, ist die Stadt selbst kein Verbundmitglied und verfolgt eine eigene Entsorgungsstrategie. Das hat zur Folge, dass sie auf die Einführung der gemischten Kunststoffsammlung mittels Kuh-Bag verzichtet.

Städter sollen Kunststoff daheim trennen

Nicht, dass die Stadt etwas gegen Recycling einzuwenden hätte. Im Gegenteil: «Kunststoff soll so oft recycelt werden, wie es der Kreislauf zulässt», sagt Marco Sonderegger, Leiter von Entsorgung St. Gallen. Doch die Stadt stützt sich auf die Empfehlung des Bundesamtes für Umwelt und der Branchenverbände. Diese spricht sich für die «Trennung bei der Quelle» aus: Der Plastikabfall soll nicht gemischt entsorgt und danach wieder getrennt werden, sondern in den Haushalten sortiert zu den entsprechenden Sammelstellen – vorwiegend im Detailhandel – gebracht werden.

Die aufwendige Logistik und der Sortieraufwand begünstigen den Entschluss, von der gemischten Kunststoffsammlung abzusehen. Gemeinden mit vergleichsweise kleiner Einwohnerzahl fällt es leichter, eine Kuh-Bag-Sammelstelle beim Werkhof zu betreiben. Die Stadt müsste auf das Entsorgungs-Center Ost oder den Entsorgungsfachmarkt in Winkeln ausweichen, wo es bereits eine selektive Kunststoffsammlung gebe, sagt Armin Huser. Der Ressortleiter Logistik und Recycling von Entsorgung St. Gallen ergänzt: «Eine Abfuhr wie beim Kehricht eignet sich nicht.» Sobald Plastik anonym an die Strasse gestellt werden könne, sei die Hemmschwelle tiefer, auch Güsel mit in den Sack zu packen, der nicht hinein gehöre.

Wie die A-Region schreibt, hat sich der Kuh-Bag bei den Nachbarn, beim Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid und KVA Thurgau, bereits bewährt. Im zweiten Jahr nach der Einführung verdoppelte sich die Sammelmenge. Gemäss einer Studie der Empa werden 50 bis 57 Prozent des Sammelguts stofflich wiederverwertet. Gut die Hälfte der gemischten Kunststoffsammlung stellt sich allerdings als nicht recyclierbar heraus. Beispiele sind Fleischverpackungen, Einweggeschirr, Spielzeug oder Kunststoffe im Verbund mit anderen Materialien. Sie dienen letzten Endes als Ersatzbrennstoff, beispielsweise in der Zementindustrie.

Ein Teil landet im nahen Ausland

Die abgegebenen Kuh-Bags werden für die Weiterverarbeitung zur InnoRecycling AG in Eschlikon gefahren. Dort wird das Material zu Ballen gepresst und landet entweder im vorarlbergischen Lustenau zur maschinellen Sortierung oder im aargauischen Rheinfelden, wo im Schwimm-Sink-Verfahren sortiert wird. Der recyclierbare Teil geht danach entweder zurück nach Eschlikon, oder aber zu anderen Verwertern in Europa. Auch ein Teil des nicht recyclierbaren Materials gelangt ins Ausland – wie gross dieser ausfällt, bleibt unbekannt, da er mit anderen Abfällen in der Verbrennung landet.

«Auch aufgrund dieses Umstands steht die Stadt der gemischten Kunststoffsammlung kritisch gegenüber», sagt Marco Sonderegger. Ob es sinnvoll sei, Plastik allein zur Sortierung kilometerweit zu fahren, bezweifelt er. «Recycling ist oberstes Gebot, muss aber in der Region geschehen. Genauso wie die energetische Verbrennung des Materials.»

Die Fernwärme braucht den Plastik

Im Kehrichtheizkraftwerk St. Gallen werden jährlich 75000 Tonnen Abfall verbrannt. Dem gegenüber stehen 500 Tonnen Plastik, die im bisherigen Kuh-Bag-Einzugsgebiet gesammelt wurden. Obwohl die Menge Kunststoff in den Kuh-Bags verschwindend klein ist: Siedlungsabfall, der im Kehrichtheizkraftwerk verbrannt wird, generiert Strom und Abwärme fürs Fernwärmenetz. Und zwar einen nicht unwesentlichen Teil. Würde ein grösserer Kunststoffanteil wegen gemischter Kunststoffsammlungen wegfallen, müsste die Fernwärmeproduktion auf alternative Brennstoffe zurückgreifen, heisst es auf der Stadt-Website: «Auch auf fossile Energieträger».

In gewisser Weise ist die Stadt also auf Plastik im Kehricht angewiesen, will sie die Ziele des Energiekonzepts 2050 erreichen. Das stimme zwar, habe aber wenig mit dem Entscheid zu tun, auf die gemischte Plastiksammlung zu verzichten, sagt Marco Sonderegger. Zu klein sei der Anteil Einwohner, die ein Angebot wie den Kuh-Bag nutzen würden.

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