Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Doch keine Sportstadt? St.Gallen verärgert Vereine wegen verspäteter Rechnungen

Die Stadt St.Gallen hat Rechnungen an Vereine geschickt, die fast ein Jahr lang liegen geblieben sind. Das Versäumnis löst Unmut aus und stellt die Beamten in ein schlechtes Licht. Der Dienststellenleiter erklärt sich.
Christoph Renn
Das Spiel der Schweizer Handballnationalmannschaft in der Kreuzbleiche war für die Organisatoren ein voller Erfolg. Die Stadt erhält hingegen schlechte Noten: Sie stellte die Rechnungen erst elf Monate später aus. (Bild: Michel Canonica)

Das Spiel der Schweizer Handballnationalmannschaft in der Kreuzbleiche war für die Organisatoren ein voller Erfolg. Die Stadt erhält hingegen schlechte Noten: Sie stellte die Rechnungen erst elf Monate später aus. (Bild: Michel Canonica)

Die Schweizer Handballnationalmannschaft spielt in der Kreuzbleiche gegen Bosnien-Herzegowina. Die Sporthalle ist an diesem Mittwochabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Kreuzbleiche verwandelt sich endlich wieder einmal in einen sportlichen Hexenkessel. Trotz Niederlage im WM-Qualifikationsspiel gegen Bosnien-Herzegowina ist die Stimmung gut.

Solche Anlässe zeigen, dass die Stadt das Potenzial hat, neben einer Stickerei-, Stäge- und Spiel- auch eine Sportstadt zu sein. Die Organisatoren ziehen ein positives Fazit. Das war im Januar 2018. Doch vor wenigen Wochen folgt der Dämpfer: Knapp ein Jahr nach der Veranstaltung erhalten die Organisatoren Rechnungen von der 2017 gegründeten Dienststelle Infrastruktur Bildung und Freizeit. Es handelt sich um rund 3000 Franken.

Fritz Bischoff, der Präsident des Organisationskomitees, lässt seinem Unmut freien Lauf:

«Mir geht es nicht um das Geld, sondern dass sich die Stadt für die Rechnungsstellung rund ein Jahr lang Zeit gelassen hat.»

Denn die Buchhaltung der Veranstaltung sei abgeschlossen gewesen. Nun müsse er wiederum mit dem Schweizerischen Handballverband Kontakt aufnehmen. Zudem sei es unmöglich, die aufgeführten Kosten nachzuvollziehen. Dieser Vorfall zeigt, dass St.Gallen noch weit weg von einer Sportstadt entfernt ist. Zumal dieser Vorfall nur einer von vielen ist.

Neue Organisation erschwert die Arbeit der Vereine

Bischoff ist nicht der Einzige, der zu Weihnachten eine Rechnung von der Stadt erhalten hat. Städtische Angestellte haben in einer Feuerwehrübung und in Wochenendschichten in den letzten Tagen des Jahres rund 400 Rechnungen an Vereine ausgestellt. Viele davon für Veranstaltungen, die vor Monaten stattgefunden haben. Mehrere Vertreter der Sportvereine äussern ihren Unmut. Die Kernaussage bleibt die gleiche: Nicht die Kosten ärgern, sondern die Verzögerung.

Kritik äussert auch Vroni Keller, Sportliche Leiterin des LC Brühl Handball. Sie ärgert sich jedoch nicht über die späten Rechnungen zum Jahresende, sondern über die neue Organisation des Sportamtes. «Früher hatten wir eine direkte Ansprechperson für jegliche Anliegen», sagt sie. Diese hätten sie nun verloren.

Sportpolitische Fragen seien nun von organisatorischen Anliegen getrennt. «Das hat es für uns Vereine deutlich schwieriger gemacht.» Ihre Kritik gehe jedoch keinesfalls gegen eine einzelne Person. «Alle bemühen sich und ich bin mir sicher, dass die Probleme in Zukunft gelöst werden können.» Und sie liefert gleich einen Vorschlag:

«Will St.Gallen eine Sportstadt sein, müsste sie wohl auch mehr personelle Ressourcen in diesem Bereich einsetzten.»

Personeller Mangel als Hauptgrund

Bei der betroffenen Dienststelle Infrastruktur Bildung und Freizeit (siehe Zweittext) bedauert man diesen Vorfall: «Ich verstehe den Unmut der Vereine gut», sagt Leiter Andreas Horlacher. Zwei Faktoren hätten zur verspäteten Ausstellung der Rechnungen an die Kunden und die Sportvereine geführt. So hätten im ersten Halbjahr 2018 zwei Sachbearbeiterinnen die noch junge Dienststelle kurzfristig verlassen. «Dadurch haben wir viel Wissen und Ressourcen verloren. Wir mussten neue Leute rekrutieren und einarbeiten.»

Von Bedeutung war auch, dass für die Administration der Belegungen auf den Anlagen eine neue Software evaluiert und eingeführt wurde, was im zweiten Halbjahr viel Zeit in Anspruch genommen habe. Zudem hätten sie eine neue Software entwickelt, was viel Zeit in Anspruch genommen habe. Die Kombination dieser zwei Gründe habe dazu geführt, dass Rechnungen lange liegen blieben.

Die Rechnungen für die Belegungen in den Schulen, Bad- und Eisanlagen seien hingegen alle fristgerecht ausgestellt worden.

«Dieser Vorfall ist für alle Beteiligten unangenehm.»

Doch verspricht er schnelle Verbesserung. «Die Software kommt seit Anfang Jahr zum Einsatz», sagt Horlacher. Künftig sollen die Rechnungen wieder regelmässig, in kurzen Abständen ausgestellt werden.

Viele Aufgaben für eine noch junge Dienststelle

«Sind wir optimal aufgestellt?», diese Frage von Stadtrat Markus Buschor war der Anstoss zur Neuorganisation der ehemaligen Direktion Schule und Sport, der heutigen Direktion Bildung und Freizeit. Eine Auswirkung dieser Neuorganisation war die Schaffung der Dienststelle Infrastruktur Bildung und Freizeit (IBF) am 1. Mai 2017. Die Leitung hat seither Andreas Horlacher inne, der zuvor 13 Jahre lang im städtischen Schulamt (heute Dienststelle Schule und Musik) tätig war.

Heute sind in der Verwaltung der IBF 14 Personen tätig. Insgesamt arbeiten 200 Personen in der Dienststelle – vom Hauswart bis zum Eismeister. Doch was macht die IBF? Die neu geschaffene Dienststelle vereint die zuvor auf drei Stellen verteilten Anlagen (Schul- und Betreuungsanlagen, Sportanlagen, Bad- und Eisanlagen sowie Jugendsportanlagen). Weiter sind der IBF die Bereiche ICT-Koordination sowie Bau und Beschaffung zugeordnet. «Wir dienen als Servicecenter für alle Dienststellen der Direktion Bildung und Freizeit», erläutert Andreas Horlacher.

Ein Servicecenter für andere Dienststellen

Ein Ziel dieser Reorganisation ist laut Horlacher die Nutzung von Synergien. «So können wir heute beispielsweise für alle Anlagen Putzmittel kaufen», sagt er. Früher hätte dies jeweils für Schul- und Sportanlagen separat erledigt werden müssen. «Wir arbeiten engagiert daran, Abläufe zu vereinheitlichen und Schnittstellen zu optimieren.»
Die als Servicecenter organisierte Dienststelle unterscheidet weiter zwischen externen Kunden, direktionsinternen Kunden und stadtverwaltungsinternen Kunden. Externe – Private oder Vereine – können die Nutzung der städtischen Anlagen bei der IBF beantragen. Intern ist die Dienststelle Partner bei allen Aspekten im Zusammenhang mit Material und Gebäudeinfrastruktur. Weiter ist die IBF zuständig für die Informatikkoordination der Direktion Bildung und Freizeit. «Wir arbeiten eng mit dem Hochbauamt und der Dienststelle Informatikdienste zusammen», ergänzt Horlacher.

Aufbau war eine grosse Herausforderung

Der Aufbau der Dienststelle war laut Andreas Horlacher von Anfang an eine grosse Herausforderung. «Wir mussten zuerst die neuen Abläufe klar definieren.» Zudem hätten die Mitarbeitenden ihre Kulturen der Zusammenarbeit aus den anderen Dienststellen mitgebracht. Die verschiedenen Kulturen galt es zuerst zu vereinen. «Dies verlangte zu Beginn eine grosse Flexibilität aller Beteiligten», sagt Horlacher. Er vergleicht den Aufbau der IBF mit einer Operation am offenen Herzen: «Wir mussten von Anfang an funktionieren, uns aber dennoch entwickeln.»

Nach 20 Monaten hat sich die Dienststelle Infrastruktur Bildung und Freizeit etabliert. Doch die ersten Monate zeigen laut Horlacher auch, dass sie von Hürden und Rückschlägen nicht verschont geblieben ist. «Die Umsetzung gestaltete sich weit anspruchsvoller, als ich mir das vorgestellt habe.» Doch spüre er bei den Mitarbeitern hohe Motivation, Gestaltungswille und eine Spur Pioniergeist. (ren)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.