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Stadt sucht nach Partnern für Veloverleihsystem

Das Vorhaben der Stadt St.Gallen, bis im Frühling 2020 ein Veloverleihsystem einzuführen, wackelt. Knackpunkt ist die Wirtschaftlichkeit.
David Gadze
In vielen Schweizer Städten – wie hier in Zürich – gehören Leihvelos längst zum Stadtbild. Ob sie dereinst auch in St.Gallen zu sehen sein werden, ist derzeit fraglich. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

In vielen Schweizer Städten – wie hier in Zürich – gehören Leihvelos längst zum Stadtbild. Ob sie dereinst auch in St.Gallen zu sehen sein werden, ist derzeit fraglich. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Sich ein Velo schnappen, kurz durch das Zentrum oder sogar quer durch die ganze Stadt radeln und am Schluss das Velo einfach wieder abstellen: Was in anderen europäischen und Schweizer Städten längst Standard ist, soll auch in St.Gallen eingeführt werden. Im Juni 2018 schrieb der Stadtrat im Bericht zu einem Postulat aus dem Jahr 2009, dass «in naher Zukunft» ein Veloverleihsystem umgesetzt werden soll. «Der Stadtrat rechnet mit einer Inbetriebnahme im Frühling 2020.» In einer ersten Etappe sollten rund 150 Velos zur Verfügung stehen. Sofern das System in der Bevölkerung auf Anklang stosse, sei eine Verdichtung und Ausweitung des Angebots vorgesehen.

Ob das Veloverleihsystem aber überhaupt eingeführt wird, ist derzeit zumindest fraglich. Es könnte an der Finanzierung scheitern. Das bestätigt Stadtrat Peter Jans. «Die Wirtschaftlichkeit ist der Knackpunkt.» In der Schweiz gebe es bisher nirgends ein selbsttragendes Modell. Das zeigt sich etwa beim Blick auf die Zahlen von Publibike, eine Tochter von Postauto. Das staatliche Unternehmen, das unter anderem in Zürich, Bern und Lausanne ein Veloverleihsystem betreibt, hat seit dem Start rund elf Millionen Franken Verlust eingefahren, trotz eines neuen Rekordwerts bei der Vermietung von Velos in Zürich in diesem Jahr.

Es droht ein Minus von 500'000 Franken pro Jahr

Die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) wären interessiert daran, nebst dem Anbieter, der das System und die Velos stellt, als lokaler Betreiber zu fungieren. Deshalb haben sie einen Businessplan erstellt. Als Grundlage nahmen die VBSG die Zahlen des Transportunternehmens Baselland Transport, das in der Region Basel das Sharingsystem Pick-e-Bike für E-Bikes und E-Scooter betreibt, und adaptierte sie auf die St.Galler Verhältnisse. Man habe nicht versucht, eine möglichst optimistische, sondern eine realistische Berechnung vorzunehmen, sagt Jans.

Das Resultat ist ernüchternd: Damit der Betrieb eines Veloverleihsystems in St.Gallen mit voller Kostendeckung möglich wäre, müsste jedes Fahrrad fünf- bis siebenmal pro Tag ausgeliehen werden. Dafür sei die Nachfrage jedoch zu klein, auch aufgrund des mangelnden touristischen Potenzials für die Nutzung. Und für ein funktionierendes System brauche es schlicht eine Mindestzahl an Velos. Gemäss den Berechnungen sei deshalb ein jährlicher Fehlbetrag von «mindestens 500'000 Franken» zu erwarten. Die entscheidende Frage sei nun, wer diesen übernehmen soll. Der Stadtrat sei bereit, einen Teil der Kosten aus der Stadtkasse zu decken, versichert Jans.

«Aber nicht in diesem Ausmass.»

Der Stadtrat sucht deshalb lokale Unternehmen und Institutionen, die sich an der Finanzierung beteiligen würden, indem sie für ihre Angestellten oder Kunden Abos lösten – etwa die Universität St.Gallen oder das Kantonsspital. Die Stadt hat vor den Sommerferien diverse Betriebe angeschrieben, um deren Bereitschaft abzuklären. «Jetzt nehmen wir mit ihnen Kontakt auf und untersuchen, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben könnten.» Bisher habe es vereinzelt positive Rückmeldungen gegeben.

E-Scooter wohl keine Konkurrenz für Veloverleihsystem

Bis im Herbst will der Stadtrat entscheiden, ob er an der Einführung eines Veloverleihsystems in der Stadt St.Gallen festhält oder ob er das Projekt beerdigt. Mit möglichen Anbietern habe man noch nicht gesprochen, sagt Jans.

«Wir müssen zuerst wissen, ob ein solches System wirtschaftlich überhaupt vertretbar wäre.»

Klar sei derzeit nur, dass es für St.Gallen einerseits ein Mindestangebot an E-Bikes und andererseits eine Kombination aus fixen und frei wählbaren Stationen brauche. Das letzte Wort wird vermutlich das Parlament haben. Das Ziel, das Veloverleihsystem im kommenden Frühling 2020 einzuführen, stehe zwar noch, sagt Jans. «Das ist aber sehr ehrgeizig.» Allenfalls brauche es dann auch eine öffentliche Ausschreibung.

Dass das E-Scooter-Sharingsystem, das vor einem Monat in St.Gallen eingeführt wurde, die Realisierung eines Veloverleihsystems zusätzlich erschweren könnte, glaubt Peter Jans nicht. «Die Konkurrenzierung dürfte nicht allzu gross sein, da man die E-Scooter eher für kürzere Strecken nimmt.»

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