Stadt St.Gallen will bis 2027 Bauordnung und Zonenplan revidieren: Dabei bleibt kein Stein auf dem andern

St.Gallen ist daran, eine Gesamtrevision von Bauordnung und Zonenplan aufzugleisen. Der Prozess interessiert jetzt vor allem Fachleute,
ist aber für alle Städterinnen und Städter von Belang: Die Resultate der Reform werden das Stadtbild nach 2030 stark prägen.

Reto Voneschen
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Was St.Gallen ausmacht, nicht zerstören, aber Raum für Neues schaffen. Das ist die Gratwanderung bei der Revision von Bauordnung und Zonenplan. Im Bild die Militärkantine vor den Neubauten auf dem Chrüzacker.

Was St.Gallen ausmacht, nicht zerstören, aber Raum für Neues schaffen. Das ist die Gratwanderung bei der Revision von Bauordnung und Zonenplan. Im Bild die Militärkantine vor den Neubauten auf dem Chrüzacker.

Bild: Benjamin Manser (22. 6.2016)

Dieses Geschäft der Stadtsanktgaller Direktion Planung und Bau ist ein kleines Monster. Es ist nicht nur sehr umfangreich, sondern es wird in den nächsten Jahren auch sehr viele Ressourcen «fressen». Bis Ende 2027 muss die Stadt ihre Bauordnung und ihren Zonenplan einer Gesamtrevision unterziehen. Und anders als bei der letzten Revision zwischen Ende der 1980er- Jahre und 2006 werden diesmal tatsächlich die Grundlagen fürs städtische Bauwesen auf den Kopf gestellt.

Nötig ist das, weil die Stadt das neue kantonale Planungs- und Baugesetz einführen muss. Sie ist dabei auch nicht allein: Alle Gemeinden im Kanton müssen die neue kantonale Gesetzgebung umsetzen. Im Fall der Kantonshauptstadt ist das aufgrund ihrer Grösse aber eine spezielle Herausforderung. Kürzlich hat die Stadt die Mitglieder des Parlaments darüber informiert.

Eine Revision, die alle Städterinnen und Städter betrifft

Die Gesamtrevision von Bauordnung und Zonenplan soll Platz für 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner in St.Gallen schaffen. Im Bild das Achslen-Qurtier.

Die Gesamtrevision von Bauordnung und Zonenplan soll Platz für 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner in St.Gallen schaffen. Im Bild das Achslen-Qurtier.

Bild: Hannes Thalmann

Bauordnung und Zonenplan, das tönt nach Futter für Fachleute. Desinteresse an diesem Geschäft seitens der Bevölkerung wäre aber komplett falsch. Die Rechtsgrundlagen fürs Bauwesen, die da in den kommenden sieben Jahren geschaffen werden, bestimmen ganz massgeblich das Stadtbild und damit das Alltagsleben ab den 2030er-Jahren mit.

Bei der Erarbeitung geht es nicht nur darum, wo was gebaut werden kann. Es geht auch darum, wo die bestehende Bausubstanz verdichtet wird, wo intensivere Nutzungen möglich sein sollen. Dafür muss unter anderem der Richtplan nachgeführt werden. Andere Themen werden der Umgang mit Freiräumen, die Entwicklung von Wohnraum oder der Umgang mit städtischen Liegenschaften sein.

Revisionsprozess mit vielen Interessenkonflikten

Ebenfalls nachgeführt, teils neu geschaffen werden Inventare, in denen schutzwürdige Bauten und Naturobjekte aller Art aufgeführt sind. Es ist absehbar, dass bereits diese Vorbereitungsarbeiten kontrovers verlaufen könnten: Über das Inventar schützenswerter Bauten und Anlagen ausserhalb der Altstadt wurde im Parlament in der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre lange gestritten.

Bei den Schutzobjekten wird aber nur jener allgemeine Interessenkonflikt sichtbar, der den ganzen Revisionsprozess begleiten wird: Wie viel von der heutigen Substanz der heutigen Stadt muss geopfert werden, um eine zukunftsträchtige Entwicklung zu ermöglichen? Das ist letztlich auch eine Frage der politischen Prioritäten.

Fahrplan: Schritt für Schritt zu neuen Fundamenten fürs Bauen

  • 2019 bis 2022
    Erarbeitung der Grundlagen für die Revision von Bauordnung und Zonenplan.
    Dazu zählen Strategien für Innenentwicklung (bis Ende 2020), Freiraum (bis Ende 2020), Wohnraum (bis Ende 2020) und Liegenschaften (bis drittes Quartal 2021).
  • 2021 und 2022
    Anpassung Richtplan mit Verabschiedung im Stadtparlament.
  • Mitte 2022 bis Mitte 2024
    Bear­beitung Zonenplan, Bauordnung, Schutzverordnung und Strassenplan samt kantonaler Vorprüfung und Entscheid Stadtrat.
  • Zweite Hälfte 2024
    Öffentliche Vernehmlassung
    sowie Auswertung und Bereinigung der Entwürfe.
  • Erstes Quartal 2025
    Öffentliche Auflage der Entwürfe.
  • Ab zweitem Quartal 2025
    Ein­spracheverfahren und Einspra­cheverhandlungen.
  • Viertes Quartal 2025
    Einspracheentscheide Stadtrat, Vorlage ans Stadtparlament und Start Arbeit der vorberatenden Kommission.
  • Drittes Quartal 2026
    Parlamentsentscheid
    und Start 30-tägige Frist fakultatives Referendum.
  • Viertes Quartal 2026
    Falls per Referendum verlangt: Volksabstimmung.
  • Anfang 2027
    Genehmigungs-, Rechtsmittel- und Beschwerdeverfahren starten.
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