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Mehr Geld für die Kulturförderung in der Stadt St.Gallen

Der St.Galler Stadtrat hat das Kulturkonzept 2020 verabschiedet. Gut eine halbe Million Franken mehr als heute soll künftig in die Kultur fliessen.
Daniel Wirth
Die Punkrocker von Tüchel bei einem Konzert in der Grabenhalle, die ab 2020 höhere Subventionen erhalten soll. (Bild: Coralie Wenger, 2. November 2013)

Die Punkrocker von Tüchel bei einem Konzert in der Grabenhalle, die ab 2020 höhere Subventionen erhalten soll. (Bild: Coralie Wenger, 2. November 2013)

Das Kulturkonzept 2020 der Stadt St.Gallen ist in einem partizipativem Verfahren entstanden, das im April vergangenen Jahres seinen Anfang nahm. Unter der Leitung einer Steuergruppe wurden Anregungen gesammelt, in zwei Foren wurden Handlungsfelder definiert (siehe Zweittext unten rechts), Massnahmen formuliert und der Entwurf des Konzepts wurde in einem Stadtkulturgespräch diskutiert. Am Montag stellten Stadtpräsident Thomas Scheitlin, Vorsteher der Direktion Inneres und Finanzen, sowie die Co-Leiterinnen der Dienststelle Kulturförderung, Barbara Affolter und Kristin Schmidt, das neue Kulturkonzept vor.

Scheitlin sagte, mit dem Papier finde ein Paradigmenwechsel vom Was zum Wie statt. Die Basis für das Kulturkonzept seien die in der Vision 2030 des St.Galler Stadtrats formulierten Ziele. Es diene als Arbeitsgrundlage für die Kulturförderung, aufbauend auf dem Kulturbericht 2001 und dem Kulturkonzept 2009. Der Stadtpräsident versteht das neue Kulturkonzept denn auch nicht als Abbruch des Bestehenden, sondern als dessen Entwicklung bis ins Jahr 2030, wie er sagt.

Palace und Sitterwerk erhalten nun doch mehr

Der Stadtrat legt das Kulturkonzept dem Stadtparlament voraussichtlich an der Sitzung vom 19. November vor. Die Legislative kann das Konzept diskutieren, darüber abstimmen kann es nicht. Fakt ist: Der Stadtrat will ab dem nächsten Jahr mehr Geld in die Kulturförderung investieren, rund eine halbe Millionen Franken mehr als heute. 265 000 Franken machen Subventionserhöhungen aus.

Bereits im Budget 2020 eingestellt sind Beitragserhöhungen an das Textilmuseum (150 000 Franken), ans Palace (10 000 Franken) und ans Sitterwerk (15 000 Franken). Beim Palace und beim Sitterwerk handelt es sich exakt um die Subventionserhöhung, die der Stadtrat nach der vom Stadtparlament im Dezember 2018 beschlossenen Steuerfusssenkung um drei Prozent für 2019 wieder gestrichen hatte. Neu beantragt der Stadtrat auch eine Subventionserhöhung für die Kunsthalle (15 000 Franken), ans Figurentheater (60 000 Franken) und an die Grabenhalle (10 000 Franken).

Für die Förderung des aktuellen Kunstschaffens will der Stadtrat in Zukunft jährlich 50 000 Franken mehr zur Verfügung stellen. Das Budget für Werkbeiträge wird zudem um ein Viertel auf 80 000 Franken erhöht. Gemäss Scheitlin werden neu jährlich acht Werkbeiträge à 10 000 Franken ausgesprochen, zwei mehr als bisher.

Haus für die freie Szene ist Bestandteil des Kulturkonzepts

Mit dem Budget 2020 beantragt der Stadtrat dem Stadtparlament 20 000 Franken. Mit diesem Geld will er Abklärungen treffen als Grundlage für eine allfällige Schaffung eines Hauses für die freie Szene. Diese Idee wurde in einem der Kulturkonzept-Foren eingebracht. Gemäss Scheitlin ist das Haus für die freie Szene noch immer erst eine Idee; es gebe noch keinen Raum und kein Gebäude, die dafür bestimmt seien. Die Abklärungen für ein solches Haus sind im Handlungsfeld «Vielfalt pflegen» als Massnahme definiert.

Konkret heisst es dazu im Kulturkonzept 2020: «Ein professionell geführtes Haus bietet Arbeitsräume und Aufführungs-, Ausstellungs- und Co-Produktionsräume für die freie Szene.» Es funktioniere spartenübergreifende und ermögliche Gastspiele auswärtiger Gruppen. Die bestehenden Atelierräume und Proberäume werden weiterhin angeboten, wie es im 24-seitigen Konzept heisst. Geht es nach dem Stadtrat und der Dienststelle Kulturförderung könnten im Haus für die freie Szene auch Kinder- und Jugendtheaterproduktionen stattfinden.

64 500 Franken beantragt der Stadtrat dem Stadtparlament im Handlungsfeld «Kultur kommunizieren». Das Potenzial zur Informationsverbreitung, zum gegenseitigen Austausch unter Kulturschaffenden sowie für die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Kultur sei noch nicht ausgeschöpft, heisst es im Konzept. Demnach will die Stadt sich für eine Veranstaltungsagenda mit integriertem Ticketbuchungssystem einsetzen. Zudem soll die Zahl der Kultursäulen erhöht werden, insbesondere draussen in den Quartieren.

Der Stadtpräsident rechnet mit Opposition von beiden Seiten

Bei einem Budget mit einem Gesamtaufwand von gut 600 Millionen Franken ist eine jährliche Erhöhung der Kulturfördergelder um eine halbe Million Franken je nach Fokus viel oder wenig. Scheitlin sagte gestern vor den Medien, er rechne im Stadtparlament mit Opposition von beiden Seiten. Der Stadtrat überweise das Kulturkonzept 2020 als Postulatsbericht bewusst gleichzeitig mit den Anträgen um verschiedene Subventionserhöhungen ans Stadtparlament. Scheitlin hält die im Kulturkonzept festgeschriebenen Massnahmen für «machbare Investitionen», die im Verhältnis zum Gesamtetat stünden.

Der Stadtrat und die Dienststelle Kulturförderung verstehen das Kulturkonzept 2020 als flexibles Instrument, das innerhalb bestehender Leitplanken ständig weiterentwickelt wird. Denn das St.Galler Kulturleben zeichne sich durch eine hohe Dynamik aus und befinde sich in einem permanenten Veränderungsprozess.

Das neue Kulturkonzept legt gemäss den Verfassern nicht nur konkrete Massnahmen fest, sondern strebt auch nach einer erhöhten Verbindlichkeit, indem Umsetzungsschritte, ein Zeithorizont, Verantwortlichkeiten und finanzielle Mittel zur Umsetzung von Massnahmen definiert werden. Davon profitierten die Kulturinstitutionen.

Sechs Handlungsfelder

Gegenüber den früheren Konzepten wurde im neuen Kulturkonzept die Verbindlichkeit erhöht. Es definiert in folgenden sechs Handlungsfeldern Massnahmen.

  1. Vielfalt pflegen: Thematische Schwerpunkte bei Institutionen, Projekten und Veranstaltungen sowie die Vielfalt tragen dazu bei, sich noch stärker als Kulturstadt zu profilieren sowie breite Bevölkerungskreise anzusprechen.
  2. Verbindungen fördern: Eine bessere Vernetzung unter Kulturschaffenden und -institutionen sowie die Kooperationen über Kultursparten, Disziplinen hinweg bereichern das Angebot und bieten die Chance, neues Publikum anzusprechen und unterschiedliche Gesellschaftsgruppen miteinzubeziehen.
  3. Teilhabe stärken: Vermittlungsangebote in den vielfältigen Kulturbereichen sowie soziokulturelle Angebote sollen vermehrt gefördert werden, um das ganze Spektrum der Gesellschaft anzusprechen und an Kultur und dem städtischen Leben teilhaben zu lassen.
  4. Neues ermöglichen: Um sich als innovative Kulturstadt zu profilieren, braucht es Förderformen, die sich an den spezifischen Bedürfnissen der Kulturarbeit und den gesellschaftlichen Entwicklungen zu orientieren.
  5. Kultur kommunizieren: Analoge und digitale Kommunikation sollen vermehrt zeitnah und aktiv betrieben werden, um Kulturschaffenden den gegenseitigen Austausch zu ermöglichen sowie die Öffentlichkeit für Kultur zu sensibilisieren.
  6. Schnittstellen etablieren: Um das Verständnis für die Förderpraxis zu erhöhen, sollen Vergabekriterien, Mittelverteilung und Zuständigkeiten transparent und nachvollziehbar gemacht werden.

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