Stadt St.Gallen: Nasser Schnee macht schwer zu schaffen

Der erste grosse Schnee in diesem Winter war für Autofahrer, Buschauffeure und die 200 Mitarbeitern der Schneeräumung eine Herausforderung. Und das nicht nur am Wochenende. Die Bilanz in der Stadt: Verspätete Busse, sieben Unfälle, eine Dachlawine und 25 abgeschleppte Autos.

Christina Weder
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Der Winter ist da: Seit Samstag hat die Schneeräumung in der Stadt alle Hände voll zu tun – hier am St.Galler Hauptbahnhof. (Bild: Urs Bucher, 5. Januar 2019)

Der Winter ist da: Seit Samstag hat die Schneeräumung in der Stadt alle Hände voll zu tun – hier am St.Galler Hauptbahnhof. (Bild: Urs Bucher, 5. Januar 2019)

Das Schneeschaufeln hat wohl manch einem Stadtbewohner Muskelkater beschert. Auch für die Männer der Schneeräumung war es ein strenges Wochenende. Sie haben den ersten Grosseinsatz in diesem Winter hinter sich. Rund 40 Zentimeter Neuschnee wurden am Sonntagabend in höheren Lagen der Stadt gemessen, 30 waren es in tieferen. Und der Schnee hatte es in sich. «Er war sehr nass und entsprechend schwer», sagt der städtische Strasseninspektor Gerald Hutter. Ein Grossaufgebot von 200 Mitarbeitern war am Sonntag im Einsatz und machte sich mit Schaufeln, Schneefräsen und Pfadschlitten zu schaffen. 80 Fahrzeuge vom Einachser bis zum Lastwagen standen ihnen zur Verfügung.

Der schwere Schnee sei eine Herausforderung gewesen. Insgesamt 8,5 Kilometer Treppen mussten die Mitarbeiter von Hand freischaufeln. Hutter sagt:

«Das ist Knochenarbeit.»

Hinzu kommt ein Strassen- und Wegnetz von rund 220 Kilometern, das vom Schnee befreit werden musste. Das habe nicht nur die Mitarbeiter ermüdet; auch Maschinen und Geräte seien an den Anschlag gekommen. «Alles brauchte Zeit», sagt Hutter.

Bächlein, Matsch und Rutschpartien

Normalerweise sei es zu dieser Jahreszeit kälter, der Schnee trockener und luftiger. Doch bereits am Montag herrschte wieder Tauwetter. Der Schnee sackte in sich zusammen, auf den Trottoirs lag Matsch, und am Strassenrand flossen Bächlein. Die Mitarbeiter des Tiefbauamts waren am Nachmittag damit beschäftigt, die Schneehaufen abzutragen und die weisse Masse in die Deponie Tüfentobel zu transportieren.

(Bild: Samson Spagnuolo)
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Alpakas in Güttingen haben ihre Freude am Schnee. (Bild: Desirée Müller)
Alpakas in Güttingen haben ihre Freude am Schnee. (Bild: Desirée Müller)

(Bild: Samson Spagnuolo)

Auch die Buschauffeure der städtischen Verkehrsbetriebe (VBSG) waren dieses Wochenende gefordert. Unternehmensleiter Ralf Eigenmann sagt, nicht die Schneemenge sei das Problem gewesen. «Aber es handelte sich um einen ekelhaften Nassschnee.» Er spricht von einem Aprilschnee, der völlig untypisch für den Januar sei. Beim Drüberfahren verfestigte er sich und verwandelte die Strassen in Rutschpartien. Die Verhältnisse seien für die Chauffeure schwierig gewesen. Zudem sei der Schnee zu einem Zeitpunkt gekommen, zu dem der neue Fahrplan noch nicht zur Routine geworden sei. Verspätungen waren die Folge. «Doch alles in allem sind wir glimpflich davongekommen», sagt Eigenmann. «Es ging einfach alles ein bisschen gemächlicher.»

25 Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden

Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei, zieht ein ähnliches Fazit. Es sei «relativ gut gegangen» – trotz mehrerer Unfälle auf Stadtgebiet. So kam es am Samstag zu sechs Unfällen, am Sonntag zu einem weiteren. Die Bilanz sind sechs leicht verletzte Personen, Blechschaden und mehrere umgefahrene Strassentafeln und Inselschutzpfosten. In den meisten Fällen sei es zu den Unfällen gekommen, weil die Lenker ihre Fahrweise nicht den winterlichen Verhältnissen angepasst hätten, sagt Widmer. Kein schönes Erwachen war es am Sonntagmorgen für Fahrzeugbesitzer, die ihr Auto an der Zwinglistrasse am Rosenberg abgestellt hatten. Die Stadtpolizei schleppte dort 25 Fahrzeuge ab. Der Grund: An der eher schmalen Zwingli­strasse gilt bei winterlichen Verhältnissen ein Parkverbot, damit der Winterdienst den Schnee abladen und abführen kann und damit Busse trotz Schneehaufen am Strassenrand durchfahren können. «Natürlich haben wir zuerst versucht, die Fahrzeughalter zu erreichen», sagt Widmer.

In einigen Fällen sei dies auch gelungen. Die anderen kommt das Parkieren teuer zu stehen: Sie müssen nicht nur eine Parkbusse von 40 Franken begleichen, sondern auch für die Abschleppkosten von 300 Franken pro Auto aufkommen.

So schwer wie Beton

Ebenfalls keine Freude hatte ein Mann, als er in der Nacht auf Montag im Osten der Stadt zu seinem Auto zurückkehrte. Eine Dachlawine hatte sich darüber entladen. Die Schneemassen drückten das Dach ein. «Der Schnee ist enorm schwer – fast wie Beton», sagt Widmer. Noch immer liege viel Schnee auf den Dächern. Er ruft Fussgänger zur Vorsicht auf. Laut Wetterprognose ist diese Woche mit weiterem Schneeregen oder Schnee zu rechnen.

«Es ist weiss - das reicht doch schon zum Skifahren»

Die Schneemassen der letzten Tage haben viele veranlasst, die Skier und Snowboards aus dem Keller zu holen. Die Skilifte in St.Gallen eröffneten vorgestern Sonntag die Saison. Trotz fehlender Sonne, teils Schneefall, teils stürmischer Bedingungen haben sich zahlreiche Besucher auf die Skier getraut. Am Schlösslihang im Haggen ist der Schnee sehr nass; Kathrin Schmid, Zuständige des Skilifts Schlösslihang, sieht darin kein grosses Problem. «Es ist weiss – das reicht doch schon.» Vor allem Kinder hätten sich über den Schnee gefreut. Sie konnten am Teller- und am Seillift üben, während sich Eltern und Grosseltern in der Skihütte bei einem Punsch unterhielten.

Wer sich in St.Georgen auf die Pisten wagen will, für den ist der Skilift an der Beckenhalde in Betrieb. Auch Christof Chapuis, Präsident der Genossenschaft Skilift Vögelinsegg in Speicher, ist zufrieden mit dem Saisonstart: «Es wäre natürlich schön gewesen, wenn der Schnee schon vor Weihnachten da gewesen wäre.» Doch die vergangenen Jahre zeigten, dass vor Weihnachten nur selten Schnee lag. Dass der Anfang nicht immer leicht ist, zeigt sich am etwas kleineren Skilift Blatten in Speicher. Bis zum Mittag mussten Sylvia Vetsch und einige Helfer die Piste aufbereiten, lediglich mit Hilfe eines Schneemobils. «Der Andrang der Leute aus dem Dorf war gross, und so war es uns wichtig, noch vergangenes Wochenende zu öffnen.» (red.)