Stadt St.Gallen
Ein Urban-Gardening-Projekt für alle Kulturen und Altersgruppen: Auf dem Areal Bach entsteht ein «Kennenlerngarten»

Kulturübergreifendes Hobbygärtnern mitten in der Stadt zwischen Häusern und Bahngleisen – auf dem Areal Bach in St.Fiden startet ein neues Projekt. Hilfreich ist dabei der Klimawandel.

Sebastian Rutishauser
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Sibylle Traber und Adelheid Karli können es kaum erwarten, mit der Aussaat zu beginnen. Mit Erde aufgeschüttete Palletten und Holzkisten dienen dabei als Beete.

Sibylle Traber und Adelheid Karli können es kaum erwarten, mit der Aussaat zu beginnen. Mit Erde aufgeschüttete Palletten und Holzkisten dienen dabei als Beete.

Bild: Daniel Steiner

Auf dem Areal Bach sollen schon bald Blumen, Kräuter und Gemüsesorten aus Beeten spriessen. Bepflanzt und bewirtschaftet werden diese von Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtnern aus dem Quartier. Spezifische Angebote entstehen zudem für Migrantinnen und Migranten sowie Seniorinnen und Senioren.

Die beiden Initiantinnen Sibylle Traber vom Verein Quartiergarten Bach und Adelheid Karli vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz wirken bereits bei ähnlichen Projekten wie der Brache Lachen mit. Vom neuen Garten im Areal Bach hat Traber eine klare Vorstellung:

«Es entsteht ein Kennenlerngarten – für den kulturellen und generationenübergreifenden Austausch auf einer belebten Fläche.»

Geplant ist, dass Migranten und Senioren im Rahmen des Projekts Heks-Gärten Ostschweiz während einer Saison ihr eigenes Beet oder Hochbeet bewirtschaften können – ähnlich einem Familiengarten. Unterstützung erhalten sie dabei von einer Mitarbeiterin. Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohner mit einem Faible für das Gärtnern haben ebenfalls die Möglichkeit, auf der Fläche eigene Beete zu unterhalten. Traber sagt:

«Um die Durchmischung zu fördern, soll einmal pro Woche ein Treffen für alle stattfinden.»

Neben wöchentlichen Treffen werden auch Workshops und Aktionstage angeboten. Dazu gehört laut Traber beispielsweise das gemeinschaftliche Anlegen eines Kräuterbeets. Der Austausch soll Migrantinnen und Migranten helfen, Deutsch zu lernen und Alltagsthemen zu besprechen, während sie sich der Gartenarbeit widmen.

Das Urban-Gardening-Projekt startet zunächst auf einer rund 200 Quadratmeter grossen Fläche, die sich direkt gegenüber dem neuen Standort des alternativen Kulturzentrums Rümpeltum befindet. Mit der Zeit und nach Bedarf kann die Fläche Schritt für Schritt erweitert werden.

Noch fehlt der finanzielle Beistand

Rechtzeitig zur Eröffnung des Areals am 8. Mai wollen auch Traber und Karli loslegen. Was die Finanzierung angeht, sind die beiden im Moment noch dabei, nach Unterstützung zu suchen und Anträge zu schreiben.

Traber zeigt sich aber optimistisch: «Wir sind guten Mutes, dass wir Sponsoren finden, bevor die erste Pacht einbezahlt werden muss.» Bis dahin wolle sie zumindest Teile der Materialkosten auch aus eigener Tasche bezahlen. Man freue sich über sämtliche finanzielle und materielle Spenden. Die städtische Dienststelle Stadtgrün assistiert mit der Bereitstellung von Erde und Kompost.

Im hinteren Teil des Areal Bach – gegenüber vom Rümpeltum – sollen schon bald Gemüsesorten und Kräuter aus den Beeten spriessen.

Im hinteren Teil des Areal Bach – gegenüber vom Rümpeltum – sollen schon bald Gemüsesorten und Kräuter aus den Beeten spriessen.

Bild: Arthur Gamsa (25. November 2020)

Gemüse aus der Heimat

Aus Erfahrung weiss Karli, dass sich die Projektteilnehmer mit grossem Interesse engagieren. Meistens sind sie bestrebt, die Erträge aus ihren Beeten vollends auszuschöpfen. Auch, weil sie damit ihre Familien versorgen und ihr Portemonnaie entlasten können.

Hinzu kommt, dass aufgrund der wärmer werdenden Temperaturen der Anbau von südländischen Gemüsesorten auch in der Schweiz immer besser möglich ist. Karli sagt:

«Das Anpflanzen von mitgebrachtem Saatgut hilft Migranten dabei, die alte Heimat mit der neuen zu verbinden.»

Dies erleichtere das Wurzelnschlagen in der Schweiz.