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Stadt soll Dolmetscher einsetzen

Dolmetscher für Hörbehinderte an allen öffentlichen Informationsanlässen: Das fordert Cem Kirmizitoprak vom St. Galler Stadtrat. Jetzt hat er eine Petition lanciert.
Seraina Hess
«Spirituell» oder «Massstab» – das bedeutet diese Gebärde je nach Fortsetzung der Bewegung. (Bild: Getty)

«Spirituell» oder «Massstab» – das bedeutet diese Gebärde je nach Fortsetzung der Bewegung. (Bild: Getty)

Bessere Bedingungen für hörbehinderte Menschen: Dafür kämpft Cem Kirmizitoprak mit seiner Beratungsstelle Inklusion. Nun hat er eine Petition gestartet, die dem Anliegen Gewicht verleihen soll. Der Vorstoss richtet sich an Stadträtin Sonja Lüthi und verlangt einen besseren Zugang zu Informationen für die gemäss Beratungsstelle 1000 hörbehinderten Menschen in der Stadt St. Gallen. Kirmizitoprak fordert: «Gehörlose müssen auch verstehen können!»

Der Name der Petition, die der Gehörlosenbund unterstützt, ist Programm: Die Stadt soll an all ihren öffentlichen Informationsanlässen Dolmetscher einsetzen, die Gesprochenes in Gebärdensprache übersetzen. «Nur wer Informationen versteht, kann auch mitreden und wichtige Entscheidungen treffen», begründet Kirmizitoprak. Der Zugang zu Information sei eine zentrale Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und für die Teilnahme an der Gesellschaft. «Er muss für alle Menschen gewährleistet sein, unabhängig von einer allfälligen Beeinträchtigung.»

Unterschriften für die Petition sammelt Cem Kirmizitoprak derzeit nicht ausschliesslich, aber vor allem online – am Donnerstagabend haben auf der Petitionsplattform Act bereits 150 Personen unterzeichnet. Nach einem Workshop zum Thema Barrierefreiheit für Hörbehinderte im Oktober, an dem auch Stadtparlamentarier teilnehmen sollen, werde Kirmizitoprak die Petition schliesslich einreichen.

Gebärdensprache auf jedem Amt

Der 27-jährige Cem Kirmizitoprak sitzt sein ganzes Leben im Rollstuhl und setzt sich mit seiner Beratungsstelle Inklusion seit Jahren engagiert für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein. Die Petition ist nicht die erste, und sie wird wohl auch nicht die letzte sein. Denn der aktuelle Vorstoss beschränkt sich auf Dolmetscher an städtischen Anlässen – getan sei es damit aber noch lange nicht, meint Cem Kirmizitoprak. Der selbst ernannte Inklusionsagent sähe es gerne, wenn alle städtische Anlaufstellen Gebärdensprache ansprechbar wären. Abstimmungsvorlagen sollen mittels Video in Gebärdensprache erklärt und wichtige Mitteilungen auf der Website der Stadt in Gebärdensprache übersetzt werden. Letzteres erstaunt, denn Lesen dürfte für hörbehinderte Menschen kein Problem darstellen. Kirmizitoprak widerspricht:

«Nicht alle Hörbehinderten waren von Anfang an in Regelklassen, weshalb viele nicht wirklich gut lesen können.»

Cem Kirmizitoprak, Beratungsstelle Inklusion. (Bild: Coralie Wenger)

Cem Kirmizitoprak, Beratungsstelle Inklusion. (Bild: Coralie Wenger)

Er lobt aber auch Verbesserungen, die in St. Gallen bereits umgesetzt wurden. Die VBSG und die Appenzeller Bahnen besässen noch nicht allzulange Anzeigetafeln, die Gehörlosen eine grosse Stütze seien.

Stadträtin Sonja Lüthi erachtet die Petition als wichtig, wie sie auf Anfrage schreibt: «Cem Kirmizitoprak macht auf ein Thema aufmerksam, bei dem es heute noch Luft nach oben gibt, sowohl in der Stadtverwaltung als auch auf Stufe Kanton und auf Stufe Bund.» Im Fall der Hörbehinderten liege der Fokus etwa auf Medienkonferenzen, Veranstaltungen oder Tagungen. Aktuell sei die gesetzliche Anerkennung der drei schweizerischen Gebärdensprachen auf nationaler Ebene ein Thema, so beispielsweise am Jahreskongress des Schweizerischen Gehörlosenbundes Ende Mai. Einzelne Politikerinnen und Politiker, Parteien und Exekutivmitglieder hätten bereits erste Gehversuche mit Auftritten in Gebärdensprache unternommen – oder sie liessen wichtige Veranstaltungen von Gebärdendolmetschern übersetzen.

Für aussergewöhnliche Videobotschaften

«Bisher hat sich die Stadt auf diesem Gebiet wenig engagiert», sagt Lüthi. «Es ist aber aus meiner Sicht durchaus vorstellbar, solche Angebote zu entwickeln und ausgewählte Medienorientierungen oder Videobotschaften von Stadträtinnen und Stadträten durch Gebärdendolmetscher barrierefrei für Hörbehinderte zugänglich zu machen.» Grundsätzlich stehe man aber erst am Anfang. Das Behindertengleich- stellungsgesetz sei als Ausgangspunkt für Massnahmen zu sehen: «Wir müssen analysieren, wie sich eine grosse politische Gemeinde wie die Stadt St. Gallen auf diesem Gebiet positionieren und der Forderung der Barrierefreiheit noch umfassender nachkommen kann.»

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