Stadt Gossau will mageres Coronajahr mit Reservenbezug überbrücken

Während die Infektionszahlen explodieren, präsentiert die Stadt Gossau ihr Budget für das Jahr 2021. Die Pandemie spielt auch darin eine Hauptrolle. Die Stadt erwartet ein betriebliches Minus von fast zehn Millionen Franken, könnte durch den Bezug von Reserven aber trotzdem zu einem ausgeglichenen Gesamtergebnis kommen.

Johannes Wey-Eberle
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Im Zuge der Pandemie wird eine Zunahme der Arbeitslosenzahlen erwartet.

Im Zuge der Pandemie wird eine Zunahme der Arbeitslosenzahlen erwartet.

Luca Linder (25. Februar 2013)

Zu den Symptomen, die das Coronavirus hervorruft, gehören auch Bauchschmerzen. Zumindest in der Risikogruppe in Finanzämtern und Gemeindebehörden, die während einer unberechenbaren Rezession ihre Budgets aufstellen müssen.

Die Pandemie bestimmt den Ton im Integrierten Aufgaben- und Finanzplan (IAFP) der Stadt Gossau, der auch das Budget 2021 enthält. Für 2020 rechnet die Expertengruppe des Bundes mit dem stärksten Wirtschaftsrückgang seit Jahrzehnten, auch wenn sie ihre Schätzungen jüngst von -6,2 Prozent auf -3,8 Prozent korrigiert hat.

Bei der Budgetierung geht die Stadt für 2021 von einem Wirtschaftswachstum um 4,9 Prozent aus, erwartet aber auch eine Zunahme der Arbeitslosenquote. Unter den Risiken für seine Finanzstrategie nennt der Stadtrat als erstes «nicht absehbare Veränderungen der Wirtschaftsentwicklung», ausgelöst durch Covid-19.

Die Ausgleichsreserve ist prall gefüllt

Trotzdem erwartet die Stadt für 2021 eine rote Null im Gesamtergebnis. Im Betriebsergebnis rechnet der Stadtrat bei einem Gesamtaufwand von 107,5 Millionen Franken zwar mit einem Minus von 9,6 Millionen. Durch Finanzerträge und vor allem die Auflösung von Reserven plant er die Erfolgsrechnung aber auszugleichen.

Budget 2021 Stadt Gossau

Zahlen in Millionen Franken
Betriebsergebnis Operatives Ergebnis Reservenbezug Gesamtergebnis
-9,594 –6,024 6,335 0

Zum einen sind das 4,8 Millionen Franken, die nach der Umstellung auf das neue Rechnungslegungsmodell jährlich aus der Aufwertungsreserve entnommen werden müssen. Zum anderen aber auch 1,3 Millionen aus der Ausgleichsreserve. Das kann diese Kasse vertragen, ist sie doch in den letzten beiden Jahren um neun Millionen Franken angewachsen und würde auch nach dem budgetierten Bezug noch über 41 Millionen betragen.

Tiefere Steuereinnahmen...

Für das kommende Jahr rechnet der Stadtrat mit Steuereinnahmen von 46,6 Millionen Franken bei den natürlichen Personen. Das sind 800'000 weniger als im Budget des laufenden Jahres und 2,4 Millionen gegenüber der Rechnung 2019. «Neben der Steuerfusssenkung macht sich coronabedingt die unsichere, kaum planbare wirtschaftliche Situation bemerkbar», heisst es im IAFP.

Nicht nur in der Gastronomie ist mit einem Wirtschaftsrückgang zu rechnen.

Nicht nur in der Gastronomie ist mit einem Wirtschaftsrückgang zu rechnen.

Ralph Ribi (12. Mai 2020)

Mit Rückgängen rechnet die Stadt auch bei den Steuern juristischer Personen – durch die Umsetzung der Unternehmenssteuerreform, aber auch durch die rezessive Wirtschaftslage. Der Stadtrat erwartet Einnahmen von 5,3 Millionen, was 650'000 Franken weniger sind als im Budget 2020. Durch Neuerungen beim Finanzausgleich entgehen Gossau weitere 900'000 Franken.

...höhere Ausgaben

Während mit sinkenden Einnahmen zu rechnen ist, nehmen der betriebliche Aufwand (Budget: 107,5 Millionen) und der Kernaufwand (83,7 Millionen) weiter zu. Das hat auch mit dem Stellenplan zu tun, der im Vergleich zum Vorjahr um acht Vollzeitstellen zunimmt.

«Die immer komplexer werdenden Anforderungen und Vorschriften zwingen die personell sehr schlank aufgestellte Stadt in diversen Bereichen zum Handeln», heisst es im IAFP. Denn komplexe Vorhaben zögen sich durch Personalmangel «massiv» in die Länge.

Komplizierter Budgetierungsprozess

Wolfgang Giella, Stadtpräsident Gossau.

Wolfgang Giella, Stadtpräsident Gossau.

Ralph Ribi

Stadtpräsident Wolfgang Giella spricht angesichts der Ausgangslage von einem schwierigen Budgetierungsprozess. «Das Budget musste mehrfach korrigiert und nachgebessert werden.» Da sich nun die Prognosen für das laufende Jahr nach und nach etwas verbessern, hoffe er, dass auch die Rechnung im Jahr 2021 am Ende besser aussehe als das Budget. Die Frage, wie verlässlich das vorliegende Budget sei, beantwortet er mit einer Gegenfrage:

«Wie verlässlich ist Corona? Wir haben nach aktuellem und bestem Wissen budgetiert.»