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Stadt St.Gallen bekommt eine dritte Mini-Bücherei

Der Quartierverein St.Fiden-Neudorf macht vom Angebot der Swisscom Gebrauch und übernimmt kostenlos die Telefonzelle an der Rehetobelstrasse 30. Eröffnung der kleinsten Bibliothek der Stadt ist im Herbst.
Seraina Hess
Die Kabine an der Rehetobelstrasse wird im September vom Netz genommen. Stattdessen entsteht eine Mini-Bibliothek. (Bild: Michel Canonica)

Die Kabine an der Rehetobelstrasse wird im September vom Netz genommen. Stattdessen entsteht eine Mini-Bibliothek. (Bild: Michel Canonica)

«Die Verträge sind unter Dach und Fach», sagt René Mettler. Der freie Autor des «Tablättli», der Zeitung des Quartiervereins St.Fiden-Neudorf, die Kollegen aus dem Vorstand und die gesamte Nachbarschaft sind erleichtert: Noch in der letzten Ausgabe der Quartierzeitung ging Mettler der Geschichte der Telefonzelle mit grösster Sorgfalt auf den Grund und fragte die Leserschaft nicht minder pathetisch: «Muss unsere ‹48› sterben?»

Seit Anfang Jahr ohne Auftrag

Jein, lautet die Antwort. Die «48» – der Name der Kabine bezieht sich auf die beiden zweitletzten Ziffern der Telefonnummer – wird von ihrer Betreiberin, der Swisscom, tatsächlich vom Netz genommen. So geschieht es früher oder später mit fast allen restlichen 18 St.Galler Telefonkabinen, die noch in Betrieb sind. Grund für ihren Rückbau ist der Entscheid des Bundesrates, die Swisscom vom Betrieb der Publifone zu entbinden. Der Auftrag gehört seit Anfang 2018 nicht mehr zur öffentlichen Grundversorgung.

Gemäss Vertrag zwischen dem Quartierverein und der Swisscom soll die Zelle an der Rehetobelstrasse 30 schon im September vom Netz genommen werden. Die leicht schief stehende Telefonkabine des Typs «Tobler 90» bleibt aber bestehen: Das Häuschen wird vom Quartierverein nach Vorbild der «Lesebiene» im Linsebühlquartier respektive der Hol- und Bring-Bücherei bei der Bushaltestelle Scheidweg in Winkeln umgestaltet und mit so vielen Wälzern bestückt, wie darin Platz finden.

Telefonkabinen in St.Gallen: Die Modernste findet sich derzeit an der Museumsstrasse zwischen Theater und Tonhalle. (Bild: Ralph Ribi)
Die Umgenutzte: An der Bushaltestelle Scheidweg in Winkeln. (Bild: Ralph Ribi)
Die Meistbenutzte: Bei der Unterführung West am Hauptbahnhof St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)
Die Verlassenste: Auf dem Parkplatz vor der Grabenhalle. (Bild: Ralph Ribi)
Die Versteckte: Bei der Bushaltestelle Mühlegg in St.Georgen. Sie ist aufgrund der Bauarbeiten an der Mühleggbahn im Sommer 2018 schon nicht mehr in Betrieb. (Bild: Ralph Ribi)
5 Bilder

Telefonzellen in St.Gallen

Initiant der Aktion ist «Tablättli»-Autor René Mettler selbst. Er lebt nur 100 Meter von der «48» entfernt, sieht sie jeden Tag und hängt dementsprechend an ihr. Die bisher bekannten Projekte gaben schliesslich den Anstoss. Als sich der Grundeigentümer, das Baubüro Pfister, bereit erklärte, dem Verein das Plätzchen kostenlos zur Verfügung zu stellen, stand dem Vorhaben nichts mehr im Weg.

Verein zahlt der Stadt 120 Franken für den Strom

«Nachdem die Swisscom die Kabine ausgehöhlt hat, statten wir sie mit einem Alu-Gestell und einer Lampe aus, zudem wird sie mit dem Logo versehen», sagt Mettler. Bücher sollten das kleinste Problem darstellen, besitze doch fast jeder im Quartier einige, die nicht mehr benötigt werden.

Die Beleuchtung der Kabine wird mit der Strassenbeleuchtung parallel geschaltet. Die Stadtwerke kommen dem Verein mit einem Strompreis von 120 Franken pro Jahr entgegen. Das «Lese-Bienli», wie die bald kleinste Bibliothek der Stadt in Anlehnung an das etwas grössere Vorbild im Linsebühl heissen soll, wird den Anwohnern 24 Stunden pro Tag offen stehen.

Vor Vandalismus fürchtet sich René Mettler nicht: «Erstens stand auch die Telefonkabine immer offen, zweitens wird etwas vermutlich eher beschädigt, wenn es mit einem Schloss versehen ist.» Auch andernorts habe es bisher keine Probleme mit Vandalismus gegeben. Läuft alles nach Plan, soll die Eröffnung des «Bienchens» schon im Herbst gefeiert werden. Bis dahin werden in der Kabine alle Überbleibsel, die an den Telekommunikationsanbieter erinnern, verschwunden sein.

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