STADION
Wie neu und doch wie immer: Das altehrwürdige Espenmoos öffnet nach der Sanierung seine Türen

Knapp neun Monate sind vergangen, seit die Sanierung der Tribüne im Stadion Espenmoos abgeschlossen ist. Nun lässt die Coronalage endlich einen Tag der offenen Tür zu.

Luca Ghiselli
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Die Bestuhlung auf der Espenmoos-Tribüne war jahrelang ein heissdiskutiertes Thema.

Die Bestuhlung auf der Espenmoos-Tribüne war jahrelang ein heissdiskutiertes Thema.

Bild: Andri Vöhringer (6. September 2021)

Was will man noch zum Espenmoos schreiben, das nicht schon geschrieben worden ist? Das Stadion, von dem seit dem Umzug des FC St.Gallen nach Westen vor 13 Jahren nur noch die Haupttribüne übrig geblieben ist, war der Schauplatz von so vielen schönen wie tragischen Geschichten, dass es längst selbst zur Legende geworden ist. Ihm wurden nicht nur Lieder und eine Fankurve gewidmet. Wenn die Imbissstände vor der mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Arena in Winkeln seit diesem Sommer «Esperia» heissen, ist das verunglückte Wortspiel des Cateringanbieters auch darauf zurückzuführen.

Hätte die Verbundenheit von Stadt und Region mit dem Fleckchen Grün im Heiligkreuz noch eines Beweises bedurft, Hunderte Fans hätten ihn vor zwei Jahren auf Einladung der Stadt und des St.Galler Fussballmagazins «Senf» definitiv erbracht. Als klar war, dass bald die Sanierungsarbeiten an der Tribüne beginnen und die alten Holzschalensitze ausgetauscht werden, liessen sie sich die Gelegenheit nicht entgehen und nahmen einen der rund 1400 Sitze der Espenmoos-Haupttribüne nach Hause. Rund 900 der insgesamt knapp 1400 Stühle konnten innert weniger Stunden verkauft werden. Der Anlass wurde zum nostalgischen Fest, der Bratwurstduft lag endlich wieder in der Luft im Espenmoos.

Video: Stadt St.Gallen

Nicht nur die Bestuhlung ist neu

Am Samstag nun soll im Espenmoos, das von 1910 bis 2008 als Heimstätte des FC St.Gallen diente, der Bratwurstduft zurückkehren. Die Stadt feiert die Sanierung der im Sommer 1969 eingeweihten Haupttribüne mit einem Tag der offenen Tür. Eigentlich ist das Sanierungsprojekt bereits seit Dezember 2020 vollendet, doch die Coronalage liess einen Festakt bisher nicht zu.

Nicht nur die charakteristischen Holzschalensitze wurden erneuert. Weil die Anlage mittlerweile nicht wie ursprünglich vorgesehen nur vom Breitensport, sondern auch wieder vom Spitzensport genutzt wird, mussten verschiedene Bereiche der Tribüne ertüchtigt werden.

(Bild: Michel Canonica)
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(Bild: Michel Canonica)
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(Bild: Michel Canonica)

Neben der Bestuhlung wurde auch die Verglasung an der Tribünenrückseite ersetzt und das Gebäude mit dem Einbau einer Evakuationsanlage zusätzlich gesichert. Die Erfüllung der Brandschutzvorschriften erforderte gemäss der Baudokumentation des Hochbauamts weitere bauliche Anpassungen im Tribünen-Innenbereich. In der Eingangshalle wurde eine moderne Beleuchtung eingebaut, die ehemalige Hauswartwohnung wurde durch eine neue Treppe erschlossen und für eine zukünftige Büronutzung saniert. Parallel wurde die alte Ölheizung durch eine Gasheizung ersetzt, der ehemalige Tankraum als Lagerraum umgenutzt, der gemauerte Kamin rückgebaut und der angrenzende Speakerraum angepasst. Kostenpunkt: Knapp 1,7 Millionen Franken.

Stadtparlament sagte nur knapp Ja

Geld, das das Stadtparlament im Mai 2017 nur nach einer langen, hitzigen Debatte sprach. Die SVP hatte sich dafür stark gemacht, den Kredit über knapp 2,3 Millionen Franken zu halbieren und statt der angedachten rund 2000 Sitzplätze nur 300 Stühle einzubauen. Für Anlässe mit grösserem Andrang gebe es das Gründenmoos, so die Argumentation damals. Teile der damaligen CVP/EVP-Fraktion und vereinzelte Exponentinnen und Exponenten von Linksgrün unterstützten den Antrag, der in der Schlussabstimmung aber unterlag.

Espenmoos-Feeling pur: Die Gegentribüne des Stadions mit Blick auf den Fansektor. (Rainer Bolliger)
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Die St.Galler Fankurve im Espenmoos war berühmt-berüchtigt. (Trix Niederau)
Der Stehplatzsektor, in dem auch die Gästefans waren. (Rainer Bolliger)
Bereits im Espenmoos kamen die Cheerleader des FC St.Gallen zu Pauseneinsätzen. (Michael Freisager)
Ja, auch diese Szene spielt im Espenmoos - und zwar bei einer Partie des FCSG im Jahr 1911. (Archiv)
Blick aufs Espenmoos im Jahr 1932. (Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde)
Die alte Haupttribüne in den 1950er-Jahren. (Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde)
Im März 2006 war das Espenmoos von einer dicken Schneeschicht bedeckt. (Michel Canonica)
Bereits im Espenmoos begeisterten die St.Galler Fans mit tollen Choreographien. (Trix Niederau)
Frenetische Unterstützung war dem FC St.Gallen im Espenmoos gewiss. (Ralph Ribi)
«Ein Leben lang stolz auf Euch»: Die St.Galler Fans feiern im Frühjahr 2000 ihre Meisterhelden. (Hannes Thalmann)
Grenzenlose Enttäuschung nach dem Abstieg im letzten Spiel im Espenmoos im Mai 2008. (Hanspeter Schiess)
Die Wut der Anhänger über den Abstieg und die massive Polizeipräsenz entlud sich nach Spielschluss in Ausschreitungen. (Ralph Ribi)
Ein Bild der Zerstörung nach dem letzten Spiel im Espenmoos. (Reto Martin)
Ein letzter Blick auf den St.Galler Fansektor im Mai 2008. (Reto Martin)
Selbst auf den Stehrampen verewigten sich die Fans. (Ralph Ribi)
Ein Satz, den wohl die meisten Espenmoos-Gänger unterschreiben würden: Espenmoos für immer! (Ralph Ribi)
Der Abbruch des legendären Quartierstadions begann kurz nach dem Abstieg. (Ralph Ribi)
Bagger rissen die Tribünen im Espenmoos ein. (Ralph Ribi)
Blick in den neu gestalteten Bereich des Espenmoos, das mittlerweile eine Breitensport-Anlage ist. (Hanspeter Schiess)
Unverkennbar: Die Haupttribüne des Espenmoos besteht bis heute. (Urs Jaudas)
Blick von der Haupttribüne des Espenmoos, die bestehen blieb, auf den grünen Rasen. (Reto Martin)
Hopp Sanggalle! (Ralph Ribi)

Espenmoos-Feeling pur: Die Gegentribüne des Stadions mit Blick auf den Fansektor. (Rainer Bolliger)

Die neue Bestuhlung auf der Espenmoos-Tribüne war jahrelang ein Politikum. Anfang 2014 gab die Stadt bekannt, die Schalensitze durch Holzbänke ersetzen zu wollen. Nach einem Fan-Aufschrei krebsten Hochbau- und Sportamt jedoch zurück. 2017 präsentierten sie als Lösung den Austausch der Schalen- durch Klappsitze aus Holz. Das Hochbauamt war der Auffassung, wegen der feuerpolizeilich vorgeschriebenen Mindestfluchtwegbreite keine Schalensitze einbauen zu können. Dies erwies sich jedoch als Missverständnis.

Dank geringfügiger Änderungen des Auflagewinkels wurde der Sitzwinkel der Schalen verändert und daraus folgend deren Abstand zueinander vergrössert. Dies führt dazu, dass mit der neuen Bestuhlung die geforderte Fluchtwegbreite zwischen den Sitzreihen von mindestens 35 Zentimetern erreicht werden konnte.

Von weitem ist kaum ein Unterschied zu erkennen: Die neuen Sitze auf der frisch sanierten Espenmoos-Tribüne haben die Vorgänger zum Vorbild.

Von weitem ist kaum ein Unterschied zu erkennen: Die neuen Sitze auf der frisch sanierten Espenmoos-Tribüne haben die Vorgänger zum Vorbild.

Bild: Andri Vöhringer (6. September 2021)

FC St.Gallen-Staad empfängt den FC Basel

Ende gut, alles gut also. Es sitzt sich auf den neuen Stühlen fast gleich wie früher, nur noch ein bisschen besser. Nicht nur das lässt sich am Tag der offenen Tür vom kommenden Samstag ausprobieren. Von 15 bis 16 Uhr ist eine freie Besichtigung der Anlage vorgesehen, um 16.30 Uhr stellt Architekt Martin Engeler das Projekt vor. Im Anschluss erfolgt die Schlüsselübergabe mit den Stadträten Mathias Gabathuler und Markus Buschor, bevor dann das eigentliche Highlight ansteht: Der FC St.Gallen-Staad empfängt den FC Basel in der dritten Runde der Women's Super League.

Der Eintritt ist gratis, für den Einlass ist ein Covid-Zertifikat (geimpft, getestet, genesen) für alle Personen ab 16 Jahre notwendig. Das Zertifikat wird – zusammen mit einem gültigen Ausweis – am Eingang auf seine Gültigkeit geprüft. Ein Testzentrum steht laut Ankündigung der Stadt nicht zur Verfügung.

Sa, 11. September, ab 15 Uhr; Tag der offenen Tür, Sportanlage Espenmoos; Zertifikatspflicht.

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