Wenn schon Maske tragen, dann eine schöne: St.Galler produzieren Designermasken

Verschiedene St.Galler Hersteller stellen Masken her. Sie wollen damit helfen, aber auch ein bisschen sich selber retten.

Diana Hagmann-Bula
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Nähen momentan Masken statt Hochzeitskleider: Kathrin Baumberger (r.), Karin Bischoff (3. v. r.) und ihr Team von Die Manufaktur.

Nähen momentan Masken statt Hochzeitskleider: Kathrin Baumberger (r.), Karin Bischoff (3. v. r.) und ihr Team von Die Manufaktur.

Bild: Nik Roth

Von dramatisch gesunkenen Umsätzen ist die Rede. Fashion-Shows sind wegen Corona abgesagt. Der Luxuskonzern LVMH lässt in seinen Produktionsstätten Desinfektionsmittel statt Parfum herstellen. H&M, Zalando sowie andere Online-Modehändler gewähren hohe Rabatte, um ihre Ware doch noch loszuwerden. Wer braucht schon neue Kleider, wenn man daheim bleiben soll. Covid-19 setzt der Modeindustrie zu.

Doch die Modeindustrie wäre nicht die Modeindustrie, würde sie sich nicht auch während der Coronakrise neu erfinden: Neben Luxusklamotten produzieren Marken wie Louis Vuitton nun halt Designerschutzmasken. Was auf den Laufstegen in Paris begonnen hat, ist in St.Gallen angekommen. Kathrin Baumberger von «Die Manufaktur» sagt:

«Wenn schon Maske tragen, dann wenigstens eine schöne»

Auf Facebook hätten Freunde, die in Thailand eine Textilproduktionsfirma führen, modische Masken gepostet. «Coole Idee, dachten wir uns. Und haben auch welche gemacht und auf den sozialen Medien präsentiert», erzählt Baumberger.

Ein aufgesticktes Lächeln für mehr Freundlichkeit

Die vielen Kommentare, die Kathrin Baumberger und ihre Geschäftspartnerin Karin Bischoff erhalten haben, zeigen: Es handelt sich um ein Bedürfnis. Seither nähen die 44-Jährige und ihr Team täglich Masken, meist aus Baumwolle oder Stickerei, gelegentlich aus Leinen, gefaltete rechteckige sowie ungefaltete rundliche. Verkauft werden sie online. Mehrere hundert Bestellungen sind bereits eingegangen, aus der Ostschweiz, aus der restlichen Schweiz und aus den USA.

Farbe in den Corona-Alltag bringen, das sollen die Hygienemasken. «Es bleibt nichts anderes übrig, als das Beste aus der Situation zu machen. Unsere Masken stehen dafür», sagt Baumberger. Nichts von Spitalmief, dafür afrikanische Muster, moderne Streifen, elegante Spitzen. Und dann noch «The Big Smile», ein Modell mit aufgesticktem Lachen, das in Zusammenarbeit mit der Stickerin Ursula Waldburger entstanden ist.

Für mehr Freundlichkeit in Zeiten von Social Distancing: Die Maske The Big Smile.

Für mehr Freundlichkeit in Zeiten von Social Distancing: Die Maske The Big Smile.

Bild: Nik Roth

«Es trägt hoffentlich zu mehr Freundlichkeit bei in einer Zeit, in der Menschen sich aus Sicherheitsgründen voneinander distanzieren müssen.» Der Preis: 22 bis 38 Franken.

Normalerweise würden Baumberger und ihre Mitarbeiterinnen jetzt Hochzeitskleider, Roben und Anzüge für Sommerfeste schneidern. Doch viele Kunden haben den Auftrag verschoben. «Das Maskennähen ist ein Versuch, uns finanziell über Wasser zu halten. Zugleich aber auch eine sinnvolle Aufgabe, die uns erst noch Spass bereitet», sagt Baumberger. Statt im Atelier wie üblich einzeln vor sich hin zu nähen, arbeitet das Team nun zusammen. «An einer sogenannten Produktionsstrasse: Jemand faltet und bügelt den Stoff, der andere ist für die Nähte zuständig, eine Mitarbeiterin näht die Gummis an, wiederum eine andere verpackt. So benötigen wir pro Maske im Durchschnitt nur 15 bis 20 Minuten.» Ein Projekt, das auch den Zusammenhalt stärkt.

Die Manufaktur fertigt stilvolle Masken. Aus neuen Stoffen und solchen aus dem Lager.

Die Manufaktur fertigt stilvolle Masken. Aus neuen Stoffen und solchen aus dem Lager.

Bild: Nik Roth

Baumberger betont, dass es sich nicht um Schutzmasken nach medizinischem Standard handelt. «Wir entwickeln sie aber stetig weiter.» Soeben hat «Die Manufaktur» zusammen mit der Bischoff Textil AG eine Hygienemaske fertigentwickelt, die im Stickereiwerk in Diepoldsau industriell hergestellt wird. «Damit können wir nun ebenfalls Masken für Firmen herstellen und auf individuelle Wünsche eingehen. Und höhere Stückzahlen liefern», sagt Baumberger.

Empa forscht in St.Gallen an wiederverwendbaren Masken Schutz

(pd/dag) Um den Bedarf der Schweiz mit Schutzmaterial sicherzustellen, haben Forscher der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), der ETH Zürich, der EPFL und des Labors Spiez gemeinsam mit Partnern aus dem Gesundheitswesen und der Industrie das Projekt «ReMask» gestartet. Dieses verfolgt gemäss Mitteilung unter anderem das Ziel, Technologien zur Wiederverwendung von vorhandenen Masken sowie Masken mit neuen Eigenschaften, um Viren zu binden und abzutöten, zu entwickeln. Im Empa-Labor in St.Gallen haben die Forscher mit Tests für die Wiederverwertung von Masken begonnen. Dabei muss geklärt werden, wie sich die Masken zerstörungsfrei sterilisieren lassen, wie sie haltbar gelagert werden können und wie sich ihre Effektivität auch nach mehrfachem Gebrauch zweifelsfrei nachweisen lässt. Die Versuche führen die Forscher mit nicht-infektiösen Partikeln durch.  

Dass der Bundesrat schon bald nicht mehr nur für die Reise in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maske empfiehlt, sondern grundsätzlich, hofft Baumberger dennoch nicht. «Es ist schön, den Menschen ins Gesicht schauen zu können. Momentan geht aber die Gesundheit vor.»

«Die grösste Krise, die ich erlebt habe»

Auch Matthias Heé, Geschäftsführer des St.Galler Stoffherstellers Okutex, sagt: «Im Zug vielleicht. Aber sonst verzichte ich gerne darauf, eine Maske tragen zu müssen.» Vor drei Monaten ist Heés Tochter in den Betrieb eingestiegen. Und nun das: Wegen Corona sind 90 Prozent der Aufträge weggebrochen. Die Hauptkunden der Firma sind Labels und Stoffläden in Afrika, Japan, Singapur und Dubai. Heé sagt:

«Überall steht das Geschäft still. Zum Glück haben wir Reserven. Aber so ein Start ist für meine Tochter ein Frust.»

Er lässt nun ebenfalls Masken produzieren. Bei einem Hemdenproduzenten in der Slowakei, aus Biobaumwolle eines österreichischen Lieferanten. Mit beiden Partnern arbeitet die Firma auch sonst zusammen. Hellblaue, weisse Popeline und edelweisse stehen zur Auswahl. Der Preis: neun Franken. «Immerhin gibt das wieder Arbeit und Sinn.» Viele Krisen habe er schon erlebt, sagt Heé. Und denkt dabei etwa an jene vor fünf, sechs Jahren.

«Damals grassierte Ebola in Afrika. Eine Krankheit, die tödlicher ist als Corona. Trotzdem ist die Wirtschaft in dem Land nicht so stark zusammengebrochen wie jetzt.»

3000 Masken hat der 63-Jährige vorerst anfertigen lassen. Am Freitag sind sie in St.Gallen eingetroffen und können nun online gekauft werden. «Keine Ahnung, wie gut das Masken-Business anläuft», sagt Heé. Zwar sagen gemäss einer Tamedia-Umfrage unterdessen 59 Prozent Ja oder eher Ja zu einer Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, noch aber widersprechen sich Experten bezüglich Wirksamkeit.

Wie Heé kann auch Hansjörg Winiger vom St.Galler Massherrenausstatter Probody nicht untätig zuschauen, wie die Coronakrise sein Geschäft blockiert. «Ich kann keine Kunden empfangen, somit kein Mass nehmen und keine neuen Aufträge an Land ziehen», sagt er. Beklagen will er sich dennoch nicht: «Jammern bringt nichts.» Winiger beschreibt sich als Vollblutunternehmer, der stets nach Lösungen suche. Auch jetzt. Und so hat er seinen Produktionspartner in Thailand beauftragt, stilvolle Masken zu nähen. Uni und solche mit Karo, vier- und dreilagige, waschbar. Der Preis: 6.50 oder 5.60 Franken, je nach Modell. Von Pflegefachleuten habe er vernommen, dass die medizinischen Masken unangenehm zu tragen seien. Er sagt:

«Meine Modelle drücken sicher nicht.»

Maske bald ein Werbegeschenk?

In Deutschland unterstützen Prominente wie die Sängerin Lena Meyer-Landrut die Aktion «Maske auf». Sie betonen: Schutzmasken, der sinnvollste Modetrend aller Zeiten. So weit will die St.Galler Modedesignerin Veronika Brusa nicht gehen. «Ich habe lange in China gewohnt, und da waren stilvolle und humorvolle Masken schon immer überall zu kaufen. Ausserdem ist umstritten, wie effektiv sie schützen», sagt Brusa. Nach Ateliers in der Gallusstadt, Schanghai, Paris und New York entwirft sie die Stücke für ihre Marke Berenik seit eineinhalb Jahren im spanischen Fischerdorf Fisterra.

Brusa glaubt, dass viele Brands Masken nun als neues Werbegeschenk entdecken. «So wie vorher Tote Bags oder Kugelschreiber.»

Brusa stellt selber Masken her. Weil es geheissen habe, es gäbe zu wenig, wie sie sagt. Aber auch um etwas Sinnvolles zu tun zu haben in einer seltsamen Zeit. In einem Land mit einer der striktesten Ausgangssperren weltweit. «Spanien ist über Nacht zum Polizeistaat geworden.» Die Designerin hat es zuerst mit einem Schnittmuster aus dem Internet probiert. «Der Stoff befand sich aber zu nah am Gesicht. Ich hatte das Gefühl, zu ersticken», erzählt sie. Darum hat sie ein eigenes Schnittmuster entwickelt, mit zwei grossen Falten über der Nase. Sodass Luft zum Atmen bleibt. Der Preis: umsonst. Brusa verschenkt die Masken. Vorerst an Nachbarn und an Freunde im Dorf.

www.manufaktur-shop.ch; www.swiss-textiles-shop.com; www.berenik.ch; www.probody.ch