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Kulturstadt St.Gallen soll mit einem «Haus der Künste» an Profil gewinnen

Die Stadt St.Gallen will sich bis Ende 2019 ein neues Kulturkonzept geben. Ein öffentliches Forum hat am Montag Ideen für die Neuausrichtung der Kulturförderung gesammelt. Ein Dauerbrenner unter Künstlerinnen und Künstler sind und bleiben Raumprobleme verschiedenster Art.
Reto Voneschen
Ein Ort, an dem städtische Kultur sicht- und spürbar wird: Das «Werkhaus 45» an der Haggenstrasse 45 liess vor zwei Jahren erahnen, wie ein «Haus der Künste» für die Gallusstadt aussehen könnte. (Bild: Benjamin Manser - 9. Juni 2016)

Ein Ort, an dem städtische Kultur sicht- und spürbar wird: Das «Werkhaus 45» an der Haggenstrasse 45 liess vor zwei Jahren erahnen, wie ein «Haus der Künste» für die Gallusstadt aussehen könnte. (Bild: Benjamin Manser - 9. Juni 2016)

Angeregte Debatten im Plenum wie danach beim Apéro sowie bekannte Anliegen prägten am Montag die zweite Diskussionsrunde zum neuen Kulturkonzept der Stadt. Diskutiert wurde unter anderem über Räume, mehr Fördermittel und klarere Kriterien zu ihrer Verteilung oder einfachere Abläufe für Gesuchs- und Bewilligungsverfahren. Aufs Tapet kamen aber auch Bildungsfragen von einer Kunsthochschule bis hin zu kreativen Projekten für Tagesbetreuungen und Klassen aller Schulstufen.

Ein anderes Problem vieler Akteure der städtischen Kulturszene ist, dass ihnen die Medienkanäle mit dem Serbeln der traditionellen Tageszeitungen langsam aber sicher abhandenkommen. Internet und Social Media können diese Lücke nicht vollständig schliessen. Es gab am Montagabend in der Lokremise aber auch Hinweise für neue Ansätze: Etwa, dass man die Stadt grösser als bisher denken müsse, dass es Kulturanlässe und Kulturräume nicht nur im Zentrum, sondern auch in den Quartieren brauche. Doch der Reihe nach.

Eine Chance, die man aber auch noch packen muss

Am Anfang des zweiten Forums zum neuen Kulturkonzept in der Lokremise stand eine Art Stimmungsbarometer mit einem gut schweizerischen Resultat: Der grosse Haufen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gruppierte sich bei der Notengebung für das bisherige Resultat des Partizipationsverfahrens zwischen vier und sechs Punkten – also in der Mitte. Man habe einen Anfang gemacht, der eine Chance sei, hiess es dazu. Diese Chance müsse man jetzt aber auch packen, also das theoretische Gerüst der Handlungsfelder mit klaren Aussagen und konkreten Massnahmen füllen.

Zwei Teilnehmerinnen gaben euphorische zehn Punkte: Die erste Diskussionsrunde habe eine gute Basis für die weitere Arbeit gelegt. Zwei Teilnehmer konnten mit je einem Punkt den erarbeiteten Positionen gar nichts abgewinnen: Einem fehlten Aussagen zur traditionellen Kultur. Der Zweite vermisste Angaben zu den zur Verfügung stehenden Mitteln – und er lästerte ausgiebig über die Politik, der auch im Kulturbereich gar nichts mehr gelinge. Die Frage nach den finanziellen Mitteln tauchte in den Gruppendiskussionen vereinzelt wieder auf.

Kristin Schmidt und Barbara Affolter leiten die städtische Dienststelle, die für die Kulturförderung zuständig ist. (Bild: Urs Bucher - 10. Dezember 2015)

Kristin Schmidt und Barbara Affolter leiten die städtische Dienststelle, die für die Kulturförderung zuständig ist. (Bild: Urs Bucher - 10. Dezember 2015)

Es gehe beim Kulturkonzept nicht nur um Finanzen, es gehe um viele andere Aspekte, die die Kulturpolitik ausmachten, antworteten Barbara Affolter und Kristin Schmidt von der städtischen Kulturförderung am Rand der Diskussion auf die Kritik ums lieben Geld. Es sei letztlich natürlich eine grosse Frage, ob man mehr Kulturmittel bekomme oder ob man mit den heutigen Finanzen auskommen und sie allenfalls neu verteilen wolle. Das, so hielten die städtischen Kulturförderinnen fest, sei aber in erster Linie ein Entscheid, den die Politik treffen müsse.

St.Gallen bisher alles andere als «innovativ»

Ziemlich ergiebig war im zweiten Teil des Abends die Suche nach konkreten Massnahmen für die sechs Handlungsfelder. Es brauche auch für die Kulturpolitik eine Vision, hiess es allgemein. Man müsse neue Entwicklungen sehen und gezielt fördern. Man dürfe nicht nur das historische Erbe, die Textil- oder Klosterkultur, pflegen. Es müsse im neuen Kulturkonzept Raum für Experimentelles haben. Es müsse aber auch möglich sein, dass geförderte Projekte scheitern dürften. Heute verbinde man die Stadt St.Gallen im Kulturbereich nicht mit Begriffen wie «unkonventionell» oder «innovativ». Wenn man sich da tatsächlich profilieren wolle, werde es grosse Anstrengungen brauchen.

Ein zentrales Thema unter Kunstschaffenden sind weiterhin die Räume. Aus fast allen Gruppen, die die einzelnen Handlungsfelder beackerten, gab’s dazu Anregungen. Als grosses Ziel wurde etwa die Schaffung eines «Campus für Kreative», eines «Hauses der Künste» für alle Sparten oder einer ähnlich gelagerten Einrichtung «in der Grössenordnung der Lokremise» mit Ateliers, Probe- und Aufführungsräumen genannt.

Das Projekt «Werkhaus 45» nutzte im Juni 2016 ein leer stehendes Geschäftshaus der Stadt an der Haggenstrasse 45 um. Ehemalige Büros, Sitzungszimmer, Werkstätten, Ateliers und Lagerräume wurden dadurch vorübergehend zum Atelier und zur Galerie von Künstlerinnen und Künstlern. (Bild: Reto Voneschen - 18. Juni 2018)

Das Projekt «Werkhaus 45» nutzte im Juni 2016 ein leer stehendes Geschäftshaus der Stadt an der Haggenstrasse 45 um. Ehemalige Büros, Sitzungszimmer, Werkstätten, Ateliers und Lagerräume wurden dadurch vorübergehend zum Atelier und zur Galerie von Künstlerinnen und Künstlern. (Bild: Reto Voneschen - 18. Juni 2018)

Eine solche, finanziell für Kunstschaffende erschwingliche Infrastruktur ermögliche allenfalls Festivals für die freie Szene, hoffte eine Diskussionsgruppe. Ein grosses Manko sei das Fehlen eines «Nacht-Cafés» als Treffpunkt und für jene von auswärts, die nach dem Besuch städtischer Kultur auf öffentliche Verkehrsmittel warten müssten – allenfalls bis in die frühen Morgenstunden hinein. Eine dritte Gruppe schlug Kulturhäuser in allen Quartieren vor, die für alle zugänglich sein sollten – auch für traditionelle Kultur oder jene mit Migrationshintergrund.

Höhere Kunstschule bleibt ein Thema

Quer durch die Diskussionsgruppen gab’s aber auch Vorschläge zu den Themen Bildung und Kommunikation. Wie schon beim ersten Forum wurde Bedarf nach einer höheren Kunstschule angemeldet. Sie sei nötig als Kristallisationspunkt für kulturelle Aktivitäten, verhindere aber auch, dass junge Leute für die Ausbildung die Stadt verlassen müssten und in vielen Fällen nicht mehr zurückkämen.

Wobei es gegen diese Entwicklung auch eine Idee gab: Wenn es in einem «Haus der Künste» günstigen Raum und eine gute Infrastruktur gebe, könne das ein Argument für eine Rückkehr nach der Ausbildung in die Heimatstadt sein. Man könne dies aber verstärken: wieso nicht zwei, drei jungen einheimischen Kunstschaffenden am Schluss ihrer Ausbildung an einem anderen Ort ein Stipendienjahr in St. Gallen statt im Ausland anbieten?

Kindern die Kultur näher bringen: Was beispielsweise das Kunstmuseum heute schon macht, möchten Kulturschaffende auf alle Schulstufen ausgedehnt wissen. (Bild: Luca Linder - 22. Januar 2014)

Kindern die Kultur näher bringen: Was beispielsweise das Kunstmuseum heute schon macht, möchten Kulturschaffende auf alle Schulstufen ausgedehnt wissen. (Bild: Luca Linder - 22. Januar 2014)

Ebenfalls immer wieder erwähnt wurde in den Diskussionsgruppen der Bedarf nach Kulturvermittlung auf allen Schulstufen von der Tagesbetreuung bis ins Gymnasium. Es sei wichtig, Kinder und Jugendliche für Kultur zu sensibilisieren. Solche Aktivitäten müssten durch die Kulturförderung unterstützt werden können. Angebote in diesem Bereich seien nicht zuletzt auch eine Entlastung für Schulhäuser und Lehrkräfte.

Kulturelle Vielfalt bekannt machen

Ein Problem für viele Kulturschaffende ist offenbar die Kommunikation. Die Lücke, die der schrittweise Abbau der Kulturberichterstattung in der traditionellen Tageszeitung hinterlassen habe, werde durch Internet und Social Media nicht vollständig gestopft. Es sei heute gerade für kleine Kulturveranstalter in der Stadt St.Gallen sehr schwierig, eine breite Öffentlichkeit auf ihre Anlässe aufmerksam zu machen. Eine Zeitungsrezension bleibe sowieso nur ganz wenigen Glücklichen vorbehalten, wurde kritisiert.

Ob die Lösung für das Problem ein «Kulturamtsblatt» ist oder bei den neuen Medien gesucht werden muss, darüber gingen die Meinungen auseinander. Vielleicht könne die Stadt ja ihr Gewicht beim «St. Galler Tagblatt» für die Wiedereinführung einer täglichen Seite «Stadt-Kultur» in die Waagschale werfen. Allenfalls, so hiess es, könnte auch die städtische Kulturförderung mit einem eigenen Auftritt in den Social Media mehr Präsenz für die Kultur und eine zusätzliche Plattform für Kunstschaffende aufbauen.

Kulturmagazin und Touristiker spannen zusammen

Als kleinster gemeinsamer Nenner in der Kommunikation schälte sich am zweiten Forum für das Kulturkonzept 2020 ein ausgebauter elektronischer Veranstaltungskalender heraus – nicht nur mit Kurzhinweisen auf Anlässe, sondern auch mit einem Minimum an Text- und Bildbeiträgen. Am Rand der Veranstaltung war zu erfahren, dass das Kulturmagazin «Saiten» zusammen mit St.Gallen-Bodensee-Tourismus genau an einem solchen Projekt arbeitet. Spruchreif sei es noch nicht, es sei aber «auf gutem Weg», sagte ein Aussenstehender, der die Pläne kennt.

«Saiten»-Redaktor Peter Surber. (Bild: Hanspeter Schiess - 21. März 2013)

«Saiten»-Redaktor Peter Surber. (Bild: Hanspeter Schiess - 21. März 2013)

Die griffigste Zusammenfassung möglicher konkreter Massnahmen fürs neue Stadtsanktgaller Kulturkonzept kam am Montagabend ebenfalls aus dem Umfeld von «Saiten». Auf der Traktandenliste müssten auf jeden Fall Raumfragen, ein Projekt für ein Werkhaus oder etwas Ähnliches, stehen bleiben, forderte Peter Surber, langjähriger Kulturredaktor beim «St.Galler Tagblatt» und heute beim Ostschweizer Kulturmagazin tätig. Zudem sei es an der Zeit, die Stadt «weiterzudenken», Kultur auch in den Quartieren zu etablieren. Und drittens brauche es einen umfassenderen Veranstaltungskalender zur kulturellen Kommunikation als heute, forderte Surber.

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