St.Gallen kratzt an der magischen Marke: Bald könnten so viele Einwohner in der Stadt leben wie noch nie

Die Stadt St.Gallen hat derzeit mehr als 80'000 Einwohner. Das Jahr dürfte sie mit weniger abschliessen, der Rekordwert rückt aber näher.

David Gadze
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2019 ist die Stadt St.Gallen wieder gewachsen. Setzt sich die Bevölkerungszunahme der vergangenen beiden Jahre fort, könnte bald ein neuer Höchststand erreicht sein.

2019 ist die Stadt St.Gallen wieder gewachsen. Setzt sich die Bevölkerungszunahme der vergangenen beiden Jahre fort, könnte bald ein neuer Höchststand erreicht sein.

Bild: Michel Canonica (22. Dezember 2019)

Die Stadt St.Gallen wächst wieder. Moderat zwar, aber stetig. Im Oktober kletterte die Einwohnerzahl sogar über die Marke von 80'000 auf 80'105 Personen, im November legte sie nochmals auf 80'223 zu. Bereits im September und im Oktober 2018 lag sie leicht darüber, sank dann aber wieder:

Dabei handelt es sich um die Gesamtbevölkerung, also inklusive Personen mit Nebenwohnsitz wie Wochenaufenthalter und solche ohne dauerhafte Aufenthaltsbewilligung.

Diese Wellenbewegung mit einer Zunahme der Bevölkerungszahl in der zweiten Jahreshälfte und einer Abnahme gegen Ende Jahr sei regelmässig zu beobachten, sagt Stephan Wenger, Leiter des Einwohneramts der Stadt St.Gallen. Eine schlüssige Erklärung für dieses Phänomen habe er nicht. Ein möglicher Grund seien Studenten, die sich bereits im Dezember – also noch vor Ende des Semesters – abmelden.

So ging 2018 die Einwohnerzahl allein zwischen November und Dezember um 333 Personen zurück. Man müsse deshalb davon ausgehen, dass sie auch Ende dieses Jahres unter 80'000 fallen werde, prognostiziert Wenger. Dennoch sei so gut wie sicher, dass die Bevölkerungszahl dann deutlich höher sein werde als Ende 2018. Stephan Wenger sagt:

«Und wenn sich der Trend fortsetzt, wird St.Gallen das Jahr 2020 mit mehr als 80'000 Einwohnern abschliessen.»

Dann könnte nach genau 50 Jahren sogar eine historische Zahl fallen: 1970 wohnten 80'852 Personen in St.Gallen. Das ist der höchste je erreichte Wert und der bislang letzte über der 80'000-Marke.

Andere Städte wachsen stärker als St.Gallen

Für Stadtpräsident Thomas Scheitlin ist diese Marke durchaus von Bedeutung.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin

Stadtpräsident Thomas Scheitlin

Bild: PD
«Ich habe immer betont, dass wir sie wegen der Aussenwirkung überschreiten sollten. Deshalb bin ich sehr erfreut, dass St.Gallen derzeit darüber liegt.»

Noch erfreulicher sei, dass die Stadt nach einer zwischenzeitlichen Baisse das zweite Jahr in Folge wieder wachse. Denn zwischen 2015 und 2017 war die Einwohnerzahl nach zehn Jahren konstanten Wachstums von 79'410 Personen auf 79'154 gesunken. 2018 nahm sie dann wieder auf 79'551 zu.

Doch wie muss man dieses Wachstum im schweizweiten Vergleich einordnen? «Es gibt Städte, die stärker wachsen als St.Gallen», sagt Scheitlin. Luzern, das mit knapp 85'000 Einwohnern (Stand Ende 2018) vor St.Gallen liegt, verzeichne aber ebenfalls eine «Seitwärtsbewegung», also ein eher flaches Wachstum oder gar eine leicht rückläufige Entwicklung. Winterthur, die folgende grössere Stadt, sei hingegen in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen. Die Eulachstadt profitiere dabei vor allem von ihrer Nähe zu Zürich. Dadurch sei Winterthur auch für Pendler sehr attraktiv, jedenfalls viel attraktiver als St.Gallen.

Erreichbarkeit als zentraler Faktor für die Entwicklung

Überhaupt sei die Erreichbarkeit einer der zentralen Faktoren für die Entwicklung einer Stadt, sagt Scheitlin.

«Wir sind auf gute Zugverbindungen in andere Zentren angewiesen, aber auch innerhalb der Agglomeration.»

Für die Ansiedlung wertschöpfender Unternehmen sei das eine äusserst wichtige Voraussetzung. Der vom Bund beschlossene Ausbau des St.Galler Hauptbahnhofs zum Vollknoten und die Reduktion der Fahrzeit nach Zürich auf deutlich unter eine Stunde seien deshalb «von grosser Bedeutung». Die innerstädtische Erschliessung mit der S-Bahn, aber auch die Verbindungen in die und aus der Region seien jedoch «völlig ungenügend und unbefriedigend».

Ebenso wichtig wie Angebotsverbesserungen beim ÖV seien die geplanten Ausbauten bei der Stadtautobahn, also die dritte Röhre durch den Rosenberg und der Anschluss in die Liebegg – nicht nur für die Stadt, sondern auch für den ganzen Teil der Ostschweiz vom Rheintal über den Bodenseeraum bis ins Appenzellerland.

Um die Einwohnerzahl von St.Gallen dauerhaft über 80'000 zu halten, ja weiter zu steigern, setzt der Stadtrat gemäss Thomas Scheitlin insbesondere auf zwei Handlungsfelder: Zum einen auf eine Wohnraumstrategie, die nächstes Jahr vorliegen und fehlende Wohnformen aufzeigen sowie die künftige Wohnungspolitik definieren soll. Zum anderen will der Stadtrat innovative Wirtschaftsbereiche wie Startfeld oder «IT St.Gallen rockt» weiter fördern und durch einen Med-Tech-Cluster, in den die Universität St.Gallen, das Kantonsspital und die Empa eingebunden werden, ergänzen. Nur durch das Zusammenspiel all dieser Faktoren kann man erreichen, dass sie sich hier ansiedeln – und hier bleiben.

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