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St. Gallen gegen Thun heisst auch
Hefti gegen Hefti – so fiebern die Eltern
dem Spiel entgegen

Bea und Carlo Hefti aus Goldach haben drei Kinder - und alle spielen in der höchsten Schweizer Liga. Heute trifft St. Gallens Silvan Hefti auf Thuns Nias Hefti. Vor dem Spiel reden die Eltern übers Loslassen, über mentale Stärke - und über ihre grosse Vorfreude.
Ralf Streule
Bea und Carlo Hefti posieren mit Thun/St. Gallen-Schal in der Tübacher Sportanlage Kellen, wo ihre Kinder in der Jugend fast täglich dem Ball hinterherjagten. (Bild: Benjamin Manser)

Bea und Carlo Hefti posieren mit Thun/St. Gallen-Schal in der Tübacher Sportanlage Kellen, wo ihre Kinder in der Jugend fast täglich dem Ball hinterherjagten. (Bild: Benjamin Manser)

Wenn immer eines der drei Hefti-Kinder ein Spiel absolviert hat, surrt es im Familien-Chat. «Alles ganz?», heisst dann die fürsorgliche Frage der Eltern. «Alles ganz!», ist meist die Antwort. Hoffentlich auch heute Abend, wenn Sohn Silvan mit dem FC St. Gallen auf Sohn Nias vom
FC Thun trifft. Die Vorfreude auf das Spiel Hefti gegen Hefti ist in der Goldacher Familie gross. Sollten beide Söhne in der Startaufstellung stehen – und davon ist auszugehen – , werden sie sogar direkte Gegenspieler sein.

Für welches Team schlägt das Herz der Eltern? Der speziell für das Bruderspiel zusammengenähte Thun/St. Gallen-Schal gibt die Antwort. Bea Hefti sagt:

«Wäre Fussball ein Wunschkonzert, gäbe es ein Unentschieden, natürlich mit Hefti-Treffern.»

Nias (links) und Silvan Hefti, die Fussballbrüder aus Goldach. (Bild: Michel Canonica)

Nias (links) und Silvan Hefti, die Fussballbrüder aus Goldach. (Bild: Michel Canonica)

Drei im Spitzenfussball: Das kann doch kein Zufall sein!

Simea Hefti, 16 Jahre. (Bild: pd)

Simea Hefti, 16 Jahre. (Bild: pd)

Ein wenig mussten die Heftis zum Treffen überredet werden. Sie seien doch «Eltern wie Tausende andere», die ihre Kinder in ihren Hobbies unterstützten. Ein bisschen anders ist es halt doch. Nicht nur, dass ihre Söhne in der Super League spielen. Da ist auch noch Simea, die Jüngste, die mit St. Gallen-Staad in der NLA spielt und U17-Nationalspielerin ist. Das kann doch kein Zufall sein?!

An die Spitze gepeitscht haben Carlo und Bea Hefti ihre Kinder definitiv nicht. Dies wird schnell klar im Gespräch bei der Sportanlage Kellen. Hier, ein Steinwurf von Heftis Zuhause in Goldach entfernt, verbrachten die drei jungen Heftis einen grossen Teil ihrer Kindheit. Es war die Zeit, als die Eltern merkten, dass ihre Kleinen nur eines wollen: Dem Ball nachjagen. «Sie wollten immer einen Ball, es war das erste, wonach sie in den Ferien fragten. Und nicht nach der Wlan-Verbindung», sagt Bea Hefti.

Und als sich eine Karriere abzeichnete, als es Entbehrungen gab in Sachen Ausgang oder Essen, haben die Eltern oft gefragt:

«Wollt ihr das wirklich?»

– Die Antwort war immer eindeutig:

«Ja!»

Elterlicher Tunnelblick während der Spiele

Wie fühlt es sich an, Super-League-Spiele anzuschauen, in denen die eigenen Kinder eine wichtige Rolle spielen? Nüchtern betrachten könne man eine Partie als Vater nie, sagt der 48-jährige Carlo Hefti. «Meistens habe ich den Tunnelblick, schaue mir vor allem Aktionen der eigenen Kinder an.» Zu vergleichen sei das mit dem Schultheater: «Welche Eltern fiebern nicht ausschliesslich dem Auftritt der eigenen Kinder entgegen?» Dieses elterliche Mitfiebern sei tief verankert – und habe auch im Verlauf der Zeit nicht abgenommen.

Natürlich gibt es familiäre Voraussetzungen, welche die Sportlerkarrieren der Heftis begünstigten. Vater Hefti war selber Fussballer in der U21 St. Gallens, danach in der 2. Liga beim
FC Wittenbach. Die schnellen Beine aber, da sind sich beide einig, stammen von der Mutter. Die 50-Jährige, die als selbstständige Ernährungsberaterin arbeitet, gibt nebenbei Sportkurse für Kinder und Erwachsene, war als Leichathletiktrainerin engagiert, war viel draussen mit den Kindern. So wuchsen die Heftis polysportiv auf.

Die positiven Bilder im Kopf

Wovon die Kinder aber besonders profitierten: Die Eltern beschäftigten sich seit jeher gerne mit der Wirkung von mentalem Training. Ganz natürlich wuchsen Heftis mit der Idee auf, dass positive Bilder Ergebnisse positiv beeinflussen können. «Nicht nur im Fussball, ganz allgemein im Leben», sagt Bea Hefti. An der Türe der jungen Heftis hingen schon früh Zettel, auf denen stand, was sie wie erreichen wollen. «Ohne, dass wir sie dazu aufgefordert haben.»

Etwas will Carlo Hefti aber betonen:

«Ohne die hervorragende Arbeit im Ostschweizer Nachwuchsprojekt wären unsere Kinder nie so weit gekommen.»

Das zeige sich auch bei Simea, die derzeit im Training der U16-Buben gefördert werde.

Über Freud und Leid eines Fussballprofis haben die Eltern dank ihrer Kinder sehr vieles erfahren, natürlich wurde zu Hause am Esstisch früher auch viel Ballast abgeladen. Die Konzentration auf die eigene Entwicklung sei aber immer eine Stärke der jungen Heftis gewesen, über Entscheidungen von Trainern und Clubs werde nicht lamentiert. Als Nias vergangene Saison nicht im Team des FC St. Gallen unterkam und in Wil nicht regelmässig spielte, sei seine Aussage zu Hause gewesen: «Ich habe den Trainer nicht überzeugen können.» In Thun fühle er sich nun sehr wohl.

"Kinder fragen eher um Rat, wenn man ihnen Raum für Entscheidungen lässt."

Eine realistische Sicht auf die Dinge sei für Eltern nicht immer einfach, sagt Carlo Hefti. Viele Eltern würden vor lauter Kinderliebe ihren Nachwuchs überschätzen und das Umfeld für Rückschläge – «und die gibt es in Juniorenjahren immer» – verantwortlich machen. Andere seien zu kritisch ihren Kindern gegenüber und erwarteten Unrealistisches. Hier die Balance zu finden, habe er immer als Herausforderung erlebt, sagt der Vater. Sie hätten aber nie versucht, im Umfeld Einfluss zu nehmen. Natürlich, bei der Wahl der Berater waren die Eltern involviert. Darüber hinaus lasse man den Dingen aber ihren Lauf. Als es für Silvan vor einiger Zeit um die Frage ging, ob er ins Ausland wechseln soll – von Genk war damals die Rede – habe er viele Gespräche mit dem Sohn geführt, vor vorschnellen Entscheiden gewarnt, aber niemals Einfluss genommen. Er habe als Vater gelernt: «Kinder fragen eher um Rat, wenn man ihnen Raum für eigene Entscheidungen lässt.»

Wenn plötzlich der Sohn im Fernsehen spricht

Speziell sei gewesen, Silvan plötzlich im Rampenlicht stehen zu sehen, sagt derweil die Mutter. «Als Silvan erstmals im Fernsehen Auskunft gab und ich mich grade noch über die Socken aufgeregte, die er im Zimmer hat liegenlassen, fühlte sich das schon surreal an», sagt sie. Und gibt mit einem Lachen zu: «Noch heute mache ich oft Smartphone-Fotos vom TV-Bild, wenn Silvan Interviews gibt.»

Was den Eltern Hefti wichtig ist: Sie wollen sich nicht über die Leistungen ihrer Kinder definieren. Bea Hefti sagt:

«Nicht das Leben unserer Kinder, sondern unser eigenes Leben muss uns glücklich machen»

Ihr Mann als Chef einer Personalberatungs-Firma und sie in ihrer Arbeit seien ausgelastet. Was es manchmal schwierig mache, alle Spiele der Kinder zu verfolgen. Am vergangenen Mittwoch aber brachten sie immerhin zwei Spiele unter einen Hut. Auf der Fahrt nach Thun schaute Mutter Hefti im Livestream das U17-Nationalspiel ihrer Tochter gegen die Türkei. Simea traf beim 2:0-Sieg, Nias holte dann vor den Augen seiner Eltern mit Thun einen Punkt gegen YB. Und Silvan gewann im Wallis. Ein perfekter Hefti-Tag.

Es gibt auch einiges, auf das Eltern von fussballverrückten Kindern verzichten müssen. Gemeinsame Ferien gab es bald höchstens noch im Sommer oder in den Weihnachtsferien. Und an Wochenenden kam man nur selten dazu, Freunde zu treffen. Dazu kommt der Chauffeur-Dienst, wie ihn – eben –Tausende andere Eltern von sportverrückten Kindern kennen. Im Alltag ging es zuweilen hektisch zu und her. Eines Morgens wollte Bea Hefti ihren Sohn Nias, der in Bürglen die Nachwuchs-Akademie besuchte, zum Bahnhof in Horn chauffieren – und merkte erst nach einer Weile, dass Nias gar nicht im Auto sass – sondern zu Hause vor der Garage grosse Augen machte.

Der familiäre Austausch ist weiterhin innig

Auch wenn die drei Kinder nicht mehr regelmässig zu Hause am Esstisch sitzen: Der Kontakt unter den Heftis ist weiterhin innig, vieles wird offen besprochen, immer mit einem Schuss Humor. Für taktische Rückmeldungen nach Spielen sei er aber längst nicht mehr zuständig, sagt Carlo Hefti. Er gebe aber gerne Feedback zur Körpersprache, zur Wirkung als Ganzem.

Die Heftis strahlen Bodenständigkeit aus. Es ist eine Bodenständigkeit, in der Ambitionen ihren Platz haben. Für die Eltern war aber von Beginn weg klar: Eine Ausbildung muss sein. Nias hat die Matura absolviert, Silvan arbeitet nach seinem KV-Abschluss neben der Fussballkarriere an der Zweitwegmatura, Simea besucht die United School of Sports. Sorgen über die Karriere nach der Karriere ihrer Kinder machen sich Bea und Carlo Hefti nicht. «Unsere Kinder waren immer vielseitig und offen für Neues.» Und wenn es Leute gibt, die ihre Kinder als fast zu anständig für den Fussball bezeichnen, lässt sie das kalt. «Zurückhaltend aber selbstbewusst», nennen sie es lieber. Auch so kommt man bestens durchs Fussballerleben.

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