St.Gallen ist am Start zur Städte-Expo

Der Stadtrat beantragt dem Stadtparlament einen Kredit über 120'000 Franken für die Teilnahme an einer dezentralen Landesausstellung.

Daniel Wirth
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Die Stiftsbibliothek ist ein mögliches Wahrzeichen des St.Galler Themenblocks Wissen-Gesellschaft an der Landesausstellung 2028. (Bild: Urs Bucher - 18.Dezember 2018)

Die Stiftsbibliothek ist ein mögliches Wahrzeichen des St.Galler Themenblocks Wissen-Gesellschaft an der Landesausstellung 2028. (Bild: Urs Bucher - 18.Dezember 2018)

Auch die heutige Generation habe eine Expo verdient, einerseits als kulturelles Testfeld und andererseits zur gesellschaftlichen Orientierung. Landesausstellungen wie die jüngste 2002 im Drei-Seen-Land seien verbindende Generationenprojekte, welche die Nation zusammenführten, schreibt der Stadtrat in seiner Vorlage ans Stadtparlament. Dieses wird eingeladen, an seiner Sitzung am 19.November einen Kredit in der Höhe von 120'000 Franken für die nächste Phase der «Nexpo – die neue Expo» zu bewilligen. Dabei handelt es sich um eine geplante dezentrale Landesausstellung, die ihren Höhepunkt 2028 in den zehn grössten Schweizer Städten erreichen soll.

Diese Idee wurde vor gut drei Jahren aufgenommen, kurz nachdem die Stimmberechtigten der Kantone St.Gallen und Thurgau im Juni 2016 Kredite für eine Expo Bodensee-Ostschweiz versenkt hatten.

Den letzten Anlauf hat das Stimmvolk gestoppt

Die Kantone St.Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden wollten 2027 unter dem Arbeitstitel «Expo Bodensee-Ostschweiz» eine Landesausstellung durchführen. Das Vorhaben wurde im Juni 2016 von den Stimmberechtigten der Kantone St.Gallen und Thurgau in einem frühen Stadium gestoppt. Es ging um einen Kredit von insgesamt 9,5 Millionen Franken. In Appenzell Ausserrhoden hatte der Kantonsrat 1,5 Millionen Franken gutgeheissen; auf eine Volksabstimmung wurde im Halbkanton verzichtet. Im Thurgau versenkten die Stimmberechtigten den Expo-Kredit von drei Millionen Franken mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 60,3 Prozent. Im Kanton St.Gallen ging es um einen Kredit von fünf Millionen Franken, der Nein-Stimmen-Anteil lag bei 53,4 Prozent. Drei Monate später löste sich der Unterstützungsverein Expo Bodensee-Ostschweiz auf.

Es wurde eine Interessengemeinschaft gegründet, aus der inzwischen ein Verein entstanden ist. Nach dem Erarbeiten einer Projektskizze wurde «Nexpo – die neue Expo» lanciert. Die Kosten für diese ersten beiden Phasen, betrugen etwas mehr als eine Million Franken. Der Stadtrat hat dafür in eigener Kompetenz bisher knapp 60'000 Franken gesprochen. Anfang 2020 beginnt die dritte Phase, die Fundierung, die bis Ende 2022 dauert. Der Kostenanteil für die Stadt St.Gallen: 120'000 Franken. Weil die Summe über 150'000 Franken liegt und die Finanzkompetenz des Stadtrats übersteigt, muss das Geschäft ins Stadtparlament.

Totalkosten für die Stadt von knapp 2,2 Millionen Franken

In seiner Vorlage wird der Stadtrat relativ konkret: Aufgrund des derzeitigen Planungsstands geht der Verein «Nexpo» von Kosten für eine dezentrale Landesausstellung von rund 620 Millionen Franken aus. Das ist rund eine Milliarde weniger, als die Expo 2002 gekostet hatte. Der Stadtrat begründet das damit, dass für die Expo der Städte keine Bauten errichtet werden müssen wie die Arteplages in Biel, Murten, Neuchâtel und Yverdon-les-Bains. Das Nexpo-Konzept baue auf bestehenden Infrastrukturen auf; Gebäude, Plätze und Verkehrsverbindungen sollen zu einer Generationenveranstaltung zusammengefügt werden. Die Städte teilen sich die Kosten aufgrund ihrer Einwohnerzahl. Demnach wird der Aufwand St.Gallens bis 2030 auf insgesamt knapp 2,2 Millionen Franken geschätzt.

Weil die Stadt St.Gallen in der geplanten Landesausstellung die gesamte Ostschweiz repräsentiere, brauche es einen markten Auftritt der Stadt, schreibt der Stadtrat in seiner Nexpo-Vorlage. Darin heisst es, die Idee einer von zehn Städten gemeinsam getragenen Landesausstellung verfolge einen neuen Ansatz. Die Nexpo führe die Schweiz von Anbeginn über Regionen hinweg zusammen. Sie wolle eine Bewegung in Gang setzen, die die nationale Identität und das Zusammenleben stärke. Die Landesausstellung umfasse das erste Mal das ganze Land.

Konzept: Dezentral, partizipativ, evolutiv

Die Nexpo ist gemäss Stadtrat nicht auf einen Moment beschränkt, sondern als Bewegung angelegt. Die Landesausstellung gehe auf Entdeckungsreise. Sie suche nach Wahrzeichen, nach Ikonen, die wichtig seien und Identität stifteten: Ortsbilder, Landschaften, vitale Freiräume, Infrastrukturen, Werke, Monumente, Institutionen, Personen, Gruppen, Figuren oder lebendige Traditionen. Zusammen würden diese Nexpo-Wahrzeichen auf einer Landkarte der Schweiz verortet. St.Gallens Stadtpräsident Thomas Scheitlin hat schon mehrere konkrete Wahrzeichen im Kopf.