Mirella Manser (links) sucht gemeinsam mit Spürhündin Yuma ein Grundstück an der Lehnstrasse ab. Die Nachbarn Lisa und Hans Häfliger helfen dabei.

Mirella Manser (links) sucht gemeinsam mit Spürhündin Yuma ein Grundstück an der Lehnstrasse ab. Die Nachbarn Lisa und Hans Häfliger helfen dabei. 

Michel Canonica

Spürhunde Yuma und Keno suchen im Westen von St.Gallen schlafende Igel

Zwei Spürhunde suchen auf einem Grundstück im Westen der Stadt, das bald überbaut wird, Igel im Winterschlaf.

Laura Widmer
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Die schwarze Labradorhündin Yuma streckt die Nase in den Wind. Sie trägt ihr oranges Geschirr, ist aufgedreht und hellwach. Yuma sucht nach Igeln, die sich hier möglicherweise im Winterschlaf befinden. Ihre Besitzerin Mirella Manser hält ihr dazu ein Glas mit Igelstacheln hin. Dann darf die Hündin selbstständig auf dem eingezäunten Grundstück los. «So kann sie gegen die Windrichtung arbeiten», sagt Manser.

Obwohl sich Yuma bei ihrer Suche nur auf Igel konzentrieren, riecht sie natürlich auch alles andere, das kreucht und fleucht. Eichhörnchen, Mäuse, Nachbarskatzen. Bei den bis zu 300 Atemzügen pro Minute filtert ein Spürhund unzählige andere Düfte aus. Wenn Yuma fündig wird, legt sie sich so nah wie möglich vor ihren Fund und bellt zwei- oder dreimal. Als Belohnung dient das Lieblingsleckerli. «Den Hunden muss die Arbeit Freude machen», sagt Manser.

Für die Ausbildung zum Spürhund gibt es verschiedene Anforderungen: «Der Hund muss arbeitswillig sein und gut mit Menschen zusammenarbeiten können», sagt die 51-jährige Hundeführerin. Auch darf er sich nicht leicht ablenken lassen. Bei der Igelsuche an der Lehnstrasse ist ab und zu ein lautes Knallen aus der Ferne zu hören. Yuma beachtet es jedoch nicht.

Immer der Nase nach: Yuma riecht an Igelstacheln, um die Witterung aufzunehmen.

Immer der Nase nach: Yuma riecht an Igelstacheln, um die Witterung aufzunehmen.

Michel Canonica

Der Igel ist kein Fluchttier

Das Grundstück oberhalb des Bahnhofs Bruggen ist rund 2000 Quadratmeter gross und soll bald überbaut werden. Wo jetzt ein kleines, etwas heruntergekommenes Einfamilienhaus steht, umgeben von einem grossen Garten mit knorrigen Apfelbäumen, sollen Wohnblöcke gebaut werden. Einige Tiere flüchten instinktiv, wenn sich die Bagger an die Arbeit machen. Nicht so der Igel, er ist kein Fluchttier. Im Winterschlaf ist er reaktionsunfähig und kann sich nicht in ein anderes Versteck retten.

Die Nachbarn Lisa und Hans Häfliger haben mit Fotofallen bereits mehrere Igel beobachtet, die sich zwischen den beiden Grundstücken bewegen. Deshalb sind sie ans Igelzentrum Zürich herangetreten, dass die Spürhundesuche mit Mirella Manser koordiniert. Der Igel ist ein Wildtier, deshalb darf er eigentlich nicht gestört werden. Für eine Suche müssen deshalb gute Gründe vorliegen, ebenso wie die Erlaubnis des Grundbesitzers, um das Gelände betreten zu dürfen. Ist die Suche erfolgreich, wird der Igel an einen sicheren Ort umgesiedelt.

Hochleistungssport für Hunde

Während Yuma sucht, wartet Keno, der zweite Spürhund von Mirella Manser, im Auto und schläft. «Für einen Hund ist das eine Art Hochleistungssport», sagt die 51-Jährige. Deshalb brauchen die Hunde nach rund 30 Minuten eine Pause. Ausserdem müssen sie viel trinken, damit die Nasenschleimhäute befeuchtet bleiben.

Die Spürhunde brauchen bei der Arbeit viele Pausen, für sie ist die Suche wie ein Hochleistungssport.

Die Spürhunde brauchen bei der Arbeit viele Pausen, für sie ist die Suche wie ein Hochleistungssport. 

Michel Canonica

Immer wieder lässt Manser bei der Arbeit etwas geruchloses Talkumpulver aus einem Fläschchen in die Luft schweben. Dieses zeigt ihr die Luftströme. «Die Wind- und Witterungsverhältnisse haben einen grossen Einfluss auf die Verteilung der Duftmoleküle», sagt Manser. Die Aufmerksamkeit der Spürhundeführerin liegt ganz auf ihrem tierischen Begleiter. Eine Spurensuche ist Teamarbeit. Besonders schön war für Manser eine Igelsuche in einem Schrebergarten in Zürich. «Wir mussten uns dazu durch Abfall kämpfen.» Zwischenzeitlich zweifelte sie an Yuma und Keno. Als sie dann die eine Igelmama mit vier Jungen im Nest fanden, habe sie wieder gemerkt: «Man muss dem Hund einfach vertrauen, der weiss schon, was er macht.»

Die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen

Mirella Manser hat die Igelsuche um elf Uhr morgens begonnen. Auf dem am Vormittag abgesuchten Areal befinden sich keine Igel. Beide Hunde haben aber am Nachmittag getrennt voneinander bei einem Holzstapel vor einem undurchdringlichen Brombeergebüsch Zeichen gegeben, dass sich hier ein Igel oder ein Nest befinden könnte. Möglich ist aber auch, dass der angezeigte Geruch vom nahen Nachbarsgrundstück kommt. Ein zweiter Besuch ist deshalb notwendig. Die Arbeit von Keno, Yuma und Mirella Manser ist noch nicht abgeschlossen.