Mehr Geld für Deutschunterricht: Rorschach fördert insbesondere Sprache von Müttern und Kindern

In der ehemaligen Pächterwohnung im Restaurant Stadthof lernen geflüchtete Frauen Deutsch - nebenbei werden ihre Sprösslinge gefördert. Gleichzeitig wird die Rorschacher Stadtkasse entlastet.

Jolanda Riedener
Merken
Drucken
Teilen
Ariane Thür Wenger (l.) im Gespräch mit geflüchteten Frauen. Deutsch zu lernen, hat für sie oberste Priorität.Bild: Jolanda Riedener

Ariane Thür Wenger (l.) im Gespräch mit geflüchteten Frauen. Deutsch zu lernen, hat für sie oberste Priorität.Bild: Jolanda Riedener

In der ehemaligen Pächterwohnung des Restaurants Stadthof lernen Flüchtlinge Deutsch. Es sind hauptsächlich Mütter, die sich im Kursraum unter dem Dach an einem Tisch versammeln. Viele von ihnen kommen aus Eritrea. Parallel zum Unterricht werden ihre Kinder im Untergeschoss betreut. «Bisher hat der Deutschkurs in der ehemaligen Methodistenkirche stattgefunden», sagt Stadträtin Ariane Thür Wenger (SP). Der Platz sei dort jedoch knapp gewesen. Deshalb habe man vor zwei Monaten diese Räume bezogen.

Die Wohnung stand einige Zeit leer und ist in die Jahre gekommen. Vieles vom Mobiliar habe man geschenkt bekommen. «Für uns ist die Wohnung ideal, auch, weil wir so mehrere separate Gruppenräume zur Verfügung haben», sagt Thür Wenger.

Für Rorschach sowie die betroffenen Frauen, ist das Angebot ebenfalls eine gute Lösung: Für Eltern ist es leichter, in Rorschach Deutsch zu lernen und nicht extra nach St. Gallen zu müssen. Ausserdem ist Kinderbetreuung teuer. Die Kursteilnehmerinnen helfen deshalb auch mit bei der Kinderbetreuung. Ein positiver Nebeneffekt dabei sei, dass die Kleinkinder einige Stunden von der Mutter getrennt sind, was den Übertritt in Spielgruppe und Kindergarten erleichtere.

Stadtkasse wird
entlastet

Die Stadträtin kennt viele der Frauen. Vergangene Woche absolvierten die Teilnehmerinnen der Donnerstagsgruppe die Telc-Prüfung auf Niveau A2. Auf die Resultate warten sie noch und lassen die letzte Kursstunde bei Kaffee und Kuchen ausklingen. «Bleiben Sie dran, sollten Sie die Prüfung nicht bestanden haben – einfach wieder probieren», sagt sie.

Seit April gilt ein neues kantonales Integrationskonzept, die Integrationspauschale pro Person mit Asylstatus wurde erhöht. Den Gemeinden stehe jetzt mehr Geld für Angebote zur Verfügung und da in Rorschach sehr viele Familien mit einem positiven Asylentscheid wohnten, sei ein gutes Angebot vor Ort sehr wichtig, ist die Stadträtin überzeugt. Gleichzeitig werde die Stadtkasse durch die Pauschale entlastet. Neben akkreditierten, vom Kanton anerkannten, Abend- und Tageskursen mit Kinderbetreuung, gibt es ein Sprachförderprogramm für Kinder im Vorschulalter: «Wunderfitz und Redeblitz». Eine Firma bietet das Programm schweizweit an, im Kanton St. Gallen nutzen es nur Rorschach und Goldach. Es unterstützt Kinder beim Deutschlernen, damit ihnen der Start in die Schule besser gelingt. An diesem Nachmittag sitzen die sechs Kinder im Kreis, singen und üben Begriffe mit Bildern.

Die Stadt Rorschach bietet zwar bereits seit vielen Jahren Deutschkurse am Abend an, erst seit zwei Jahren gibt es Kurse, die auf die Blockzeiten der Schule abgestimmt sind. «Zu Beginn basierte das Projekt auf viel Freiwilligenarbeit», sagt Thür Wenger. Inzwischen arbeiten Freiwillige und professionelle Lehrpersonen Hand in Hand.

Kinder lernen 
spielerisch Deutsch

Ab August unterstützt der Kanton neu auch einen Deutschtreff, wo ehrenamtlich engagierte Moderatoren Gesprächsgruppen in verschiedenen Niveaus leiten. Ziel ist, das Gelernte anzuwenden und die mündliche Sprache zu verbessern.

«Die Sprache ist der Schlüssel für alles», sagt Ariane Thür Wenger. Man bekomme in der Schweiz keine Arbeit, wenn man die Sprache nicht beherrsche. «Wenn die Eltern Deutsch können, haben es die Kinder einfacher. Die Kinder jener Frauen, die heute den Deutschkurs besuchen, gehen hier in die Schule. Sie werden unser Ausbildungssystem durchlaufen. Das wird einfacher, wenn auch die Eltern hier Fuss fassen und Anschluss finden.»

Früher habe man es verpasst, die Sprachkenntnisse der Migranten zu fördern. Ariane Thür Wenger sagt:

«Ich treffe immer wieder auf Menschen, die ihr ganzes Leben hier verbracht haben, ohne die Sprache zu lernen.»

Sie hätten damit gerechnet, irgendwann ins Heimatland zurückzukehren, sind aber geblieben. «Unsere Deutschkurse sind eine Einladung und gleichzeitig eine Aufforderung, Deutsch zu lernen.»