Sportinfrastruktur
«Das hat mich extrem gestört»: Gossauer FDP-Präsident reagiert auf Aussagen von Stadträtin Gaby Krapf zur regionalen Zusammenarbeit bei den Sportanlagen

In der IG Resak, die mehr regionale Zusammenarbeit bei der Erneuerung und dem Betrieb der Sportinfrastruktur fordert, sitzen auch Gossauer Vertreter. Was fordern sie? Und was bedeuten die Diskussionen für das Modul 1 der Sportwelt Gossau?

Michel Burtscher
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Neue Tribüne, neue Fussballplätze, neues Hallenbad, neue Begegnungszone: So sollen die Sportanlagen im Gebiet Buechenwald in Gossau künftig aussehen.

Neue Tribüne, neue Fussballplätze, neues Hallenbad, neue Begegnungszone: So sollen die Sportanlagen im Gebiet Buechenwald in Gossau künftig aussehen.

Visualisierung: PD

Die nächsten sieben Monate sind entscheidende für die Sportwelt Gossau. Zuerst werden Parlament und danach die Stimmberechtigten über den Kredit für das Modul 1 von voraussichtlich 55 Millionen Franken abstimmen. Mit dem Geld sollen im Gebiet Buechenwald ein neues Hallenbad, vier Fussballplätze mit Tribüne sowie Leichtathletikanlagen und ein zentraler Platz mit Freizeitanlagen gebaut werden.

Vor zwei Wochen meldete sich die neu gegründete IG Resak (Regionales Sportanlagenkonzept) zu Wort und forderte eine stärkere Zusammenarbeit von St.Gallen und Gossau sowie anderen umliegenden Gemeinden bei der Sportinfrastruktur. Die IG wurde von Politikern, grösstenteils aus St.Gallen und Gossau, gegründet und will ein «gemeindeübergreifendes Sportanlagenkonzept zur Erreichung sportlicher, gesellschaftlicher, ökologischer und finanzieller Synergien».

Zusammenarbeit war Vorgabe für das Gossauer Gesak

Darauf reagierte die Gossauer Stadträtin Gaby Krapf-Gubser (FDP) und sagte gegenüber dem «Tagblatt», die regionale Zusammenarbeit bei Sportinfrastrukturen von regionaler Bedeutung sei bereits Vorgabe für das Gossauer Gesak im Jahr 2011 gewesen und werde seither aktiv gelebt. «Die Ziele der IG decken sich somit mit der Haltung des Gossauer Stadtrates.»

Gaby Krapf-Gubser, Gossauer Stadträtin.

Gaby Krapf-Gubser, Gossauer Stadträtin.

Bild: PD

Auf das bevorstehende Modul 1 der Gossauer Sportwelt habe die Diskussion aber keinen Einfluss. Es enthalte keine Anlagen, die gemäss Gesak-Definition regional gelöst werden, so Krapf.

Die Frage eines regionalen Hallenbades sei mit der Stadt St.Gallen umfassend geklärt und nicht weiterverfolgt worden, weil das Einzugsgebiet für das Bad zu gross wäre. Sowieso müsse den grössten Teil der Sportanlagen jede grössere Gemeinde für Schulen, Vereine und Bevölkerung vor Ort bauen, betonte Krapf. Sinnvoll seien überregionale Anlagen für spezielle Sportarten und im Leistungssport.

FDP-Präsident fordert eine Machbarkeitsstudie

Mit den Aussagen Krapfs ist Andrin Fröhlich ganz und gar nicht einverstanden. Er ist Präsident der Gossauer FDP-Ortspartei und Mitgründer der IG Resak. Die Stellungnahme Krapfs habe ihn «extrem gestört». Fröhlich sagt: Zumindest beim Modul 1 der Sportwelt Gossau werde eine Diskussion über eine regionale Zusammenarbeit wieder sofort im Keim erstickt.

«Ich verstehe nicht, wieso das Projekt in Stein gemeisselt ist.»
Andrin Fröhlich, FDP-Präsident Gossau.

Andrin Fröhlich, FDP-Präsident Gossau.

Bild: PD

Fröhlich wünscht sich, dass der Stadtrat das Thema nochmals von allen Seiten her betrachtet und eine Machbarkeitsstudie zur regionalen Zusammenarbeit in Auftrag geben würde.

«Klar wäre es gut, wenn jede Gemeinde alles hätte», sagt der FDP-Präsident. «Leider sind Sportanlagen aber nicht gratis.» Vor allem, wenn man bedenke, dass die Betriebskosten über die ganze Laufzeit die Investitionskosten noch um ein Vielfaches übersteigen würden.

Auch ökologisch findet es Fröhlich einen Unsinn, wenn alle Gemeinden für die meisten Sportarten eine eigene Infrastruktur bauen würden. Bei welchen Sportarten man genau zusammenarbeiten könnte und wo diese gemeinsamen Anlagen stehen könnten, könne er auch nicht sagen. «Das müsste man ja eben anschauen.»

Die Sportwelt Gossau in die richtigen Bahnen lenken

Fröhlich betont, dass es ihm und der IG Resak nicht darum gehe, irgendetwas zu verhindern. Es gehe nur um die operative Ausgestaltung der Sportinfrastruktur. «Es steht nicht zur Debatte, die Anlagen an sich in Frage zu stellen.» Ganz im Gegenteil:

«Meine Befürchtung ist, dass die Vorlage mit den jetzigen Kosten an der Urne scheitert.»

Dann habe man einen Scherbenhaufen und stehe wieder ganz am Anfang. «Meines Wissens gibt es keinen Plan B.» Noch sei es nicht zu spät, noch habe man Zeit, die Sportwelt Gossau sowie die künftigen Vorlagen in die richtigen Bahnen zu lenken. «Dann sind die Chancen im Parlament und in der Bevölkerung höher», ist Fröhlich überzeugt.

Markus Rosenberger, Fraktionspräsident SVP.

Markus Rosenberger, Fraktionspräsident SVP.

Bild: PD

Markus Rosenberger ist Präsident der SVP-Fraktion im Stadtparlament und ein weiterer Mitgründer der IG Resak. Er hat Verständnis dafür, dass der Stadtrat beim Modul 1 der Sportwelt Gossau nicht nochmals über die Bücher geht. «Die Vorlage ist schon zu weit fortgeschritten», sagt er. «Da hätte man früher die Zusammenarbeit suchen müssen.»

Ihm gehe es darum, Druck aufzubauen, damit bei künftigen Vorlagen wirklich Synergien gesucht würden, betont Rosenberger. Er könnte sich beispielsweise eine Zusammenarbeit vorstellen bei der geplanten Dreifachturnhalle, die im Rahmen des Moduls 2 realisiert werden soll.

Bei der Sicherheit gibt es schon eine Zusammenarbeit

Man spreche zu viel über Synergien beim Leistungssportzentrum im Gründenmoos und zu wenig über Synergien beim Breitensport, findet Rosenberger. «Das Ziel muss sein, die Investitions- und Betriebskosten aller Sportanlagen so tief wie möglich zu halten. Immerhin geht es um die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.»

Für ihn ist klar: Die Städte und Gemeinden würden beim Sport noch zu wenig regional denken. «Das muss sich ändern», sagt Rosenberger. Im Sicherheitsbereich habe man auch einen regionalen Verbund. «Ich sehe nicht ein, wieso das bei den Sportanlagen nicht auch möglich sein soll.»

Götte würde regionale Zusammenarbeit begrüssen

Nun schaltet sich auch der Tübacher Gemeindepräsident Michael Götte in die Debatte um die Sportinfrastruktur ein. Er ist seit Anfang Jahr Präsident der Regio Appenzell AR-St. Gallen-Bodensee. Er sagt, dass er eine regionale Zusammenarbeit der Gemeinden begrüssen würde. Potenzial sieht er vor allem bei Sportarten, die «nicht in jeder Gemeinde verankert» sind – wie Reiten, Leichtathletik, Schiessen oder ähnliches. Die Grundsteine seien in Gossau und St. Gallen mit ihren jeweiligen Konzepten gelegt. «Es wäre schade, wenn man den Horizont nicht öffnen würde», so Götte. Die Regio könne eine koordinative und vermittelnde Rolle übernehmen.

Dass es bei solchen Vorhaben aber nicht immer so schnell geht, zeigt just ein Projekt der Regio, das seit 2017 läuft, aber noch nicht abgeschlossen werden konnte. Es geht um einen Hallenbadverbund, um die regional genutzten Hallenbäder teilweise auch regional zu finanzieren. Er setze sich stark dafür ein, dass dieses Projekt ein Erfolg werde, sagt Götte. «Wenn wir das nicht schaffen, müssen wir über nichts anderes im Bereich von Synergien bei gemeinsamen Infrastruktur mehr sprechen.» Ziel ist, den Verbund per Ende 2021 zu lancieren.