Spitalschliessung
Stadt prüft Standort für Rorschacher Gesundheitszentrum: «Es muss nahe am ÖV sein», sagt Präsident Röbi Raths

Der Wandel des Spitals Rorschach zum Ambulatorium wird konkret. Wo das neue Gesundheitszentrum entstehen soll, ist noch offen. Eine Arbeitsgruppe stört sich an der Informationspolitik des Kantonsspital – dieses wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Jolanda Riedener
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Urs Bucher (Rorschach, 23.10.2019)

Das Ende des Spitals Rorschach rückt immer näher. Der St.Galler Kantonsrat hat sich in der Novembersession deutlich für die Umsetzung der neuen Spitalstrategie ausgesprochen. Folglich wird der Notfall im Spital Rorschach bereits per 15. Januar geschlossen, schreiben die Verantwortlichen des Kantonsspitals St.Gallen (KSSG) in einer Mitteilung. Die stationären Betten im Spital Rorschach werden per 31. Januar aufgehoben. Bereits seit Juli werden in Rorschach infolge der Pandemie keine Operationen mehr durchgeführt.

Ab Februar wird das Spital das ambulatorische Angebot im heutigen Umfang von montags bis freitags anbieten. 50 der 175 Mitarbeitenden, die bisher am Spital Rorschach tätig waren, werden dort beschäftigt. Alle übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ein internes Jobangebot erhalten, heisst es seitens des KSSG.

Stadtrat liebäugelt schon lange mit Standort am Stadtbahnhof

Röbi Raths, Stadtpräsident Rorschach.

Röbi Raths, Stadtpräsident Rorschach.

Bild: Urs Bucher

Inzwischen prüft die Stadt Rorschach, an welcher zentralen Lage das neue Gesundheitszentrum zu stehen kommen könnte. Es soll frühestens 2024/25 bezogen werden. Über welche möglichen Standorte derzeit konkret verhandelt werde, kann Stadtpräsident Röbi Raths nicht sagen. Das sei Gegenstand von Verhandlungen. Für Raths ist aber klar:

«Das Gesundheitszentrum muss nahe am öffentlichen Verkehr gebaut werden.»

Bereits im Gespräch war der Bau des Notfall- und Gesundheitszentrum unmittelbar beim Bahnhof Stadt. Nach Bekanntwerden der Spitalstrategie hat sich der Rorschacher Stadtrat bereits dahingehend geäussert und an Kanton und Spitalverbund-Verwaltungsrat adressiert, dass er einen Neubau beim Stadtbahnhof will.

Noch gibt es offene Fragen zur Gesundheitsversorgung in Rorschach

Die Arbeitsgruppe zukunftsorientierte Grundversorgung Region Rorschach äusserte sich bisher kritisch zum geplanten Gesundheitszentrum. Sie bemängelte in einem Leserbrief unter anderem die ausbleibende Kommunikation seitens des Spitalverwaltungsrates und der Regierung. Viele Fragen und Anliegen seien unbeantwortet geblieben, etwa über wichtige Entscheide wie den Operationsstopp habe man die Hausärzte nicht informiert.

Dem widerspricht Philipp Lutz, Medienbeauftragter Kantonsspital St.Gallen. Auf Anfrage sagt er:

«Zwischen dem Kantonsspital St.Gallen und den zuweisenden Ärztinnen und Ärzten der Region Rorschach besteht eine jahrelange enge Zusammenarbeit. Auch der gegenseitige Austausch funktioniert aus unserer Sicht sehr gut.»
Philipp Lutz, Mediensprecher Kantonsspital St. Gallen (KSSG)

Philipp Lutz, Mediensprecher Kantonsspital St. Gallen (KSSG)

Bild: Ralph Ribi

Man bemühe sich jedenfalls für eine transparente und schnelle Kommunikation, könne aber nicht jeden operativen Entscheid breit kommunizieren. Das gelte besonders auch für die Massnahmen, die der Sicherstellung der Kapazitäten zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie dienen. Lutz sagt:

«In Sachen Spitalvorlage waren wir zudem an die politische Agenda gebunden.»

Die Schlussabstimmung im St.Galler Parlament zur Spitalvorlage fand erst am Mittwochnachmittag, 2. Dezember, statt. Bereits am nächsten Morgen habe das Kantonsspital alle Hausärztinnen und Hausärzte der Region Rorschach persönlich angeschrieben und über die geplanten nächsten Schritte detailliert informiert – inklusive Daten der Schliessung des Notfalls und der Aufhebung der stationären Betten.

Zudem nahm ein Vertreter des Kantonsspitals St.Gallen am 19. November an der Hauptversammlung des örtlichen Ärztevereins teil und informierte dort mit Hinweis auf die Schlussabstimmung im Kantonsrat, heisst es.

Notfalltelefon wird an den Wochenenden nach St.Gallen umgeleitet

Die Arbeitsgruppe zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung wollte in ihrem Leserbrief unter anderem wissen, wie der regionale Notfalldienst ab dem 15. Januar organisiert werde.

Bei «kleinen» Notfällen waren und sind auch weiterhin primär die Hausärzte zuständig, sagt Medienbeauftragter Philipp Lutz. Dieser ärztliche Notfalldienst habe sich auch in der Region Rorschach seit vielen Jahren bewährt. Nachts und an Wochenenden werde das Notfalltelefon neu nach St.Gallen umgeleitet, statt wie bisher ins Spital Rorschach. Lutz sagt:

«Was aber schon immer galt und weiterhin wichtig bleibt: In Fällen, in denen ein Zuwarten nicht verantwortbar ist, sollte man immer direkt den Sanitätsnotruf über die Telefonnummer 144 anrufen.»

Die Planung des neuen Gesundheitszentrum liegt laut Philipp Lutz bei der Stadt Rorschach. Coronabedingt musste ein erster Informations- und Meinungsbildungsanlass mit den Hausärzten jedoch verschoben werden. Lutz sagt: «Aufgrund des aktuellen landesweiten Veranstaltungsverbots ist noch offen, wann dieser Anlass durchgeführt werden kann»