Spielfeld und geschwungene Sitzbank – «Der St.Galler Marktplatz wird zu einem Wohnzimmer»

Die Parkplätze sind weg und die Markthäuschen wurden frisch angestrichen. Der frei gewordene Platz lädt mit einem aufgemalten Spielfeld, einem Brunnen und einer geschwungenen Bank zum Verweilen ein.

Sandro Büchler
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Stadträtin Maria Pappa animiert die Kinder auf dem Marktplatz zum Würfeln und Spielen. (Bilder: Sandro Büchler)

Stadträtin Maria Pappa animiert die Kinder auf dem Marktplatz zum Würfeln und Spielen. (Bilder: Sandro Büchler)

Als Italienerin kenne sie das Ambiente von einem belebten Platz im Stadtzentrum gut, sagte Stadträtin Maria Pappa gestern Nachmittag auf dem Marktplatz.

«Hier herrscht nun ebenfalls das Flair einer Piazza.»

Wo sich noch vor etwas mehr als einer Woche Auto an Auto reihte, sind nun farbige Linien und Punkte auf die Pflastersteine gemalt. Die Stadträtin erklärt gleich selbst, wie das neue Spiel funktioniert. Mit einem Schaumstoffwürfel animiert Pappa die Kinder. Die gewürfelte Zahl bestimme die Schritte auf dem Spielfeld, das vom Durchgang beim Restaurant Marktplätzli bis zur Rondelle reicht.

3, 2, 1, los.

3, 2, 1, los.

Ohne Würfel könne man sich die Zahlen auch beim neuen Brunnen erspielen. «Je nachdem, welche Zahl ihr mit dem Wasserstrahl trefft», ruft Pappa den Kindern zu. Auf dem Marktplatz stehe das Spiel im Vordergrund, sagt die Stadträtin. Er solle aber auch zum Verweilen einladen. Neben dem Brunnen sticht die geschwungene Sitzbank ins Auge. Pappa ist begeistert davon. «Dadurch kommt gleich eine andere Stimmung auf dem Platz auf.»

Auch die Markthäuschen haben eine Aufwertung erhalten. In den vergangenen Tagen sind sie frisch gestrichen worden und erstrahlen glänzend grün. Die Wirte der umliegenden Beizen hätten zudem den Wunsch geäussert, draussen zu bestuhlen.

Die geschwungene Holzbank wurde von der Bank Acrevis gesponsert.

Die geschwungene Holzbank wurde von der Bank Acrevis gesponsert.

Zwischenlösung bis zur Neugestaltung

«Der Marktplatz bewegt und ist mit Emotionen verbunden», sagt Pappa. Sie erinnert damit an den langen Weg zu einem autofreien Marktplatz. Sechs Jahre nach dem demokratischen Entscheid, nach einer Einsprache und einem Gerichtsentscheid sei die Aufhebung der Parkplätze nun Realität. Pappa sagt:

«Es hat etwas Zeit gebraucht.»
Stadträtin Maria Pappa, Direktion Planung und Bau (Bild: PD)

Stadträtin Maria Pappa, Direktion Planung und Bau (Bild: PD)

Für den Stadtrat solle der Marktplatz das belebte Herzstück der Stadt sein. Pappa blickt bereits in die Zukunft. Denn die Geschichte des Marktplatzes gehe weiter. Der frische Anstrich und das aufgemalte Spielfeld seien nur eine Zwischenlösung – bis die Marktplatzumgestaltung umgesetzt werde.

Bis dahin gebe es noch einige Hürden. «Wohl werden die Kosten ein Thema sein», deutet Pappa an. Etliche Werkleitungen und die Gleise müssten aber ohnehin erneuert werden. Der Marktplatz sei vergleichbar mit einem Haus, da müsse auch von Zeit zu Zeit renoviert werden. «Der Marktplatz wird dadurch aber immer mehr zum Wohnzimmer – und das Auto kann nun in die Garage», bemerkt die Stadträtin.

Überraschend viel Lob für St.Galler Marktplatz-Pläne

Am dritten und letzten Marktplatz-Forum in St.Gallen haben rund 60 Teilnehmer über die neuste Idee zur Gestaltung von Marktplatz und Bohl diskutiert. Die Reaktionen fielen positiv aus. Zu reden gaben aber die neue ÖV-Haltestelle und die fehlenden Bänkli.
Roger Berhalter