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Spendenaktion am Auffahrtslauf: Ein Feminist rennt fürs Frauenhaus

Boris Stanisic nimmt am St.Galler Auffahrtslauf teil – aber nicht einfach so. Der Philosophielehrer und Feminist will darauf aufmerksam machen, dass Frauen schlechter behandelt werden. Deshalb organisiert er eine Spendenaktion.
Marlen Hämmerli
Boris Stanisic, Lehrer auch für feministische Philosophie, organisiert am St.Galler Auffahrtslauf eine Spendenaktion fürs Frauenhaus St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess - 25. April 2019)

Boris Stanisic, Lehrer auch für feministische Philosophie, organisiert am St.Galler Auffahrtslauf eine Spendenaktion fürs Frauenhaus St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess - 25. April 2019)

Es ist ein idealistisches Anliegen und von einer Einzelperson nicht umzusetzen. Aber Boris Stanisic möchte es trotzdem: die Welt verändern. Die Welt und ihre Strukturen ärgern ihn. «Frauen werden ganz klar benachteiligt und Männer ganz klar bevorteilt. Das ist ungerecht und Ungerechtigkeit stresst mich.»

So sehr, dass Stanisic handelt: Der 28-Jährige organisiert einen Spendenlauf, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Im Rahmen des Auffahrtslaufs sammelt er für das Frauenhaus St.Gallen. Wer spenden will, gibt ihm eine Zeit vor, in der er die 21 Kilometer rennen soll. Erreicht Stanisic diese oder ist er schneller, wird gespendet. «Das heisst, man tut etwas Gutes und pusht mich.»

Belästigung und Gewalt werden ausgeblendet

Der Wunsch, die Gesellschaft zu verändern, treibt Stanisic bei vielem an, das er tut. Mit dem Anliegen im Kopf hat er Philosophie und Geschichte studiert und ist Mittelschullehrer geworden. Heute unterrichtet er aushilfsmässig an der Kantonsschule am Burggraben in St.Gallen und ist fest angestellt an der Kantonschule Wil.

Trotz der #Metoo-Debatte: Jugendliche blenden teilweise sexuelle Belästigungen und Gewalt gegen Frauen aus. (Bild: EPA/Christophe Petit Tesson)

Trotz der #Metoo-Debatte: Jugendliche blenden teilweise sexuelle Belästigungen und Gewalt gegen Frauen aus. (Bild: EPA/Christophe Petit Tesson)

Anfang Jahr unterrichtete er seine Wiler Klassen in feministischer Philosophie. Die Art, wie die Schüler reagierten, brachte ihn auf die Idee des Spendenlaufs. Schülerinnen und Schüler sollten auflisteten, wo Frauen und Männer ungerecht behandelt werden. Das Ergebnis: «Männer werden ungerechter behandelt.» Punkte wie sexuelle Belästigung oder Gewalt an Frauen fehlten auf den Listen der Schülerinnen und Schüler.

Beim Joggen kam die Idee für eine Spendenaktion

Für Stanisic unverständlich: «Warum kommen sie nicht selber drauf? Das beschäftigte mich eine Weile.» Auch beim Joggen, «meiner Therapie». Zwei Mal pro Woche rennt Stanisic von Rheineck bis Heerbrugg. «Eine wunderschöne Strecke, die für mich mit dem Rhein und den Bergen Heimat bedeutet.» Beim Joggen kam ihm die Idee für die Spendenaktion. Denn: «Ich bin überzeugter Feminist.» Noch als Schüler an der Kanti Heerbrugg war er antifeministisch eingestellt.

«Mittlerweile denke ich, dass wer kein Feminist ist, der befürwortet Ungerechtigkeit.»

Feministen machen laut Stanisic bei moralisch relevanten Fragen keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Von moralischer Relevanz sei etwa, wer den Haushalt führe. «Weil Frauen Kinder bekommen, heisst das nicht notwendigerweise, sie müssen kochen, putzen und waschen. Das wäre schwachsinnig.»

Stanisic ist in einer traditionellen Familie aufgewachsen: Zwar arbeiteten beide, doch die Mutter erledigte zusätzlich die Hausarbeit. Eine Formulierung, die der Walzenhauser nicht mag: Papa arbeitet, Mama ist zu Hause. «Sie zeigt schon die Strukturen, die wir verinnerlicht haben. Aber, nein! Mütter bleiben nicht ‹daheim› und machen nichts.»

Lehrer vergessen Schülerinnen

Den Kampf, den Stanisic führt, ist auch ein emotionaler. Das ist dem fröhlichen Mann anzumerken. Er spricht schneller, lauter, gestikuliert, klopft auf den Tisch. Was er tue, um die Gesellschaft zu verändern? Das Problem ansprechen. Die ganze Zeit. «Wie viele Lehrer kenne ich, die immer nur von Schülern sprechen? Nein! Sag Schülerinnen und Schüler.»

Um aber wirklich etwas zu bewirken, müsse jede und jeder hinsehen, fordert Stanisic. Spüren, wenn eine Sache von Relevanz ungerecht ist – hinsehen, darauf zeigen, es verändern. «Jeder von uns hat eine Mutter, vielleicht eine Schwester oder Tochter. Wir wollen nicht, dass sie anders behandelt werden, weil sie Frauen sind. Warum sollten wir es dann bei anderen Frauen wollen?»

So kann gespendet werden

Boris Stanisic organisiert die Spendenaktion am St.Galler Auffahrtlauf mittels Formular. Wer einen Beitrag ans Frauenhaus St.Gallen spenden möchte, schreibt eine Nachricht an rennengegengewalt@gmx.ch. Als Antwort sendet Stanisic den Link zum Formular. Der Datenschutz bleibt dabei gewährleistet. Laut Stanisic spielt die Höhe des Spendenbetrags keine Rolle. «Auch zehn Franken sind schon etwas.» Die Spendenversprechen sammelt er bis zum 29. Mai, einen Tag darauf startet Stanisic am Auffahrtslauf. (mha)

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