Spatenstich im Sturm: Die evangelische Kirchgemeinde Rorschach startet mit dem Neubau des Verwaltungsgebäudes

Der Bau des neuen Verwaltungsgebäudes der evangelisch-reformierten Kirche beginnt turbulent.

Sheila Eggmann
Drucken
Teilen
Moritz Meichtry, Heinz Schiess und Benno Bissegger.

Moritz Meichtry, Heinz Schiess und Benno Bissegger.

Bild: shi

Spatenstiche laufen meist ähnlich ab, die Chancen auf Überraschungen sind klein. Dieses Mal, beim Baustart des neuen Verwaltungsgebäudes der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde in Rorschach, ist es anders. Es tobt ein Sturm.

Zwischen dem Vordach des Kirchgemeindezentrums und dem alten Verwaltungsgebäude der Kirche, dort, wo die Verantwortlichen nacheinander ihre Reden halten, regnet es in Strömen. Unter dem Vordach pferchen sich Mitglieder der Baukommission, die Kirchenvorsteherschaft, Architekten, Mitglieder der Kirche und auch der Stadtpräsident Röbi Raths zusammen wie die Tiere auf der Arche Noah. Pfarrer Patrick Marchlewitz spricht vor der Runde ein Gebet aus, eine Nachbarin schliesst sich lächelnd mit einem aus Karton gebastelten Schild der Gruppe an. Sie hoffe auf eine gute Nachbarschaft, steht darauf.

Die Lage soll besser genutzt werden

Benno Bissegger, Architekt und Mitglied der Baukommission, der den Platz im strömenden Regen eingenommen hat, hofft hingegen darauf, «dass die Bauzeit nicht so stürmisch wird wie der Spatenstich», wie er in seiner Rede sagt. Zum Bauprojekt sagt er:

«Die Idee war, beim Neubau die schöne Lage besser zu Nutzen und zur Geltung zu bringen.»

Wenn das Projekt abgeschlossen sei, könne man von der Kirche aus bis zum nördlichen Bahnhof sehen.

Dazu stehen aber erst einmal anderthalb Jahre Bauzeit an: Zuerst entsteht neben dem alten Verwaltungsgebäude das Neue. Danach wird, voraussichtlich im November 2020, das Alte abgerissen. Den Tiefbau übernimmt die Kurt Eberle AG, ihre Bagger sind bereits aufgefahren. Den Zuschlag für den Hochbau hat die Bauunternehmung Meichtry AG erhalten.

Ein neues Gesicht für das Gebäude

«Für uns werden viele Wünsche wahr», sagt Moritz Meichtry, Präsident der Baukommission, zum Baustart. «Mit dem Neubau des Verwaltungsgebäudes geht ein neues Kapitel auf.» Meichtry nimmt Bezug auf einen neuen Zeitgeist in Rorschach. Jetzt, wo auch ein neuer Stadtbahnhof gebaut werde, sei das alte Pfarrhaus nicht mehr zeitgemäss gewesen. «Das Gebäude braucht ein neues Gesicht. Es soll publikumsfreundlich und für alle zugänglich sein», sagt er. Für ihn sei es ein Ziel gewesen, ein offenes Haus zu bauen.

«Die Leute sollen sich auch trauen, hereinzukommen.»

Heinz Schiess, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, stimmt dem zu. «Wir wollen eine offene Kirchgemeinde sein.» Das Projekt hat eine längere Vorgeschichte. Die Idee für ein Begegnungszentrum entstand im Jahr 2014, sagt Schiess. «Bei den meisten Kirchbürgern ist das gut angekommen.» Doch es gab auch Gegner. Zu Reden gab der Baukredit von über zwei Millionen Franken, die wenigen verfügbaren Parkplätze, der Eingriff in den Park. Ein Kirchbürger hat der Vorsteherschaft mangelnde Information vorgeworfen. Schliesslich haben die Kirchbürger das Projekt im März 2019 deutlich angenommen – es gab lediglich fünf Gegenstimmen.

Mit dem Spatenstich hat auch ein Wettbewerb zur Namensfindung für das neue Gebäude begonnen. Wer eine Idee für einen passenden Namen hat, kann diese auf einer dafür vorgesehenen Wand in der Kirche niederschreiben. Auf ihrer Facebook-Seite nimmt die Kirchgemeinde ebenfalls Vorschläge entgegen. Ein Name macht bereits beim Spatenstich die Runde: «Haus Arche Noah». Dies würde zumindest zum Baustart passen.